Februar 5, 2010 von cap82

Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist lösten vor einiger Zeit noch gemeinsam eine grausame Mordserie auf, inzwischen haben sie aber kaum noch Kontakt. Lisbeth setzte sich unerkannt und mit dem nötigen Kleingeld für ein angenehmes Leben ab und Mikael arbeitet seit dem Ende seiner Inhaftierung wieder als Journalist beim Magazin „Millenium“. Das Schicksal führt sie nun erneut zueinander, allerdings ohne, dass sie sich tatsächlich begegnen. Als ein junger Journalist mit einer skandalösen Story an die Redaktion herantritt, ist Mikaels Interesse sofort geweckt. Dag Svensson und seine Freundin bieten brisantes Material über Männer, die minderjährige Prostituierte in Anspruch genommen haben, darunter angesehene Richter und Polizisten. Doch noch bevor das Ganze im Magazin erscheint, werden Dag und seine Freundin kaltblütig umgebracht und kurz darauf auch der Sozialarbeiter Nils Bjurman, der zu den Freiern gehört haben soll. Bei ihm wird auch die Tatwaffe gefunden und diese weist Lisbeths Fingerabdrücke auf. Mikael ist überzeugt, dass seine alte Bekannte nichts mit den drei Morden zu tun hat, obwohl es sich bei Bjurman ausgerechnet um ihren einstigen Vormund handelt, der sie vergewaltigt hat und den sie mit Aufnahmen davon erpresst hat. Inzwischen erfährt auch Lisbeth von den Vorfällen und ist verzweifelt. Wer will ihr einen Mord in die Schuhe schieben und wie soll sie ihre Unschuld beweisen? Sie ermittelt auf eigene Faust um dahinter zu kommen, ebenso Mikael, der hinter immer mehr Geheimnisse kommt. Er entdeckt langsam, dass die Spuren zu den Morden in die Vergangenheit von Lisbeth führen.
Düster, radikal und blutig – so war nicht nur „Verblendung“, der erste Teil der verfilmten Trilogie von Stieg Larsson, sondern so ist nun auch der zweite Teil „Verdammnis“. Gut vier Monate nachdem der erste Teil in die Kinos kam, erfährt der Zuschauer nun wie es weitergeht. „Verdammnis“ knüpft nicht nahtlos am ersten Teil an, aber einige Informationen daraus sind als Hintergrundwissen schon ganz nützlich. Sonst fühlt man sich vielleicht ein bisschen in die Handlung hineingeworfen und braucht noch etwas Zeit bis man weiß wem da welche Rolle zukommt. Aber auch für „Erster-Teil-Schauer“ wird es diesmal schwierig: Mit Namen wird da nur so um sich geschmissen, den Überblick zu behalten ist da gar nicht so einfach. Ein so spitzfindiger Detektivfall wie in „Verblendung“ wird dem Publikum in diesem Teil leider nicht geboten. Es startet zwar mit dem brenzligen Fall der Prostitution von jungen Frauen aus Russland, deren erzwungene Dienste von ranghohen Personen in Anspruch genommen wurden, aber als die Spur zu Lisbeths Vergangenheit führt, bleibt diese Geschichte zusehends auf der Strecke. Am Ende ist die Aufklärung dessen auch nicht mehr relevant was für einen Krimi ja schon ein wichtiges Detail fürs Finale gewesen wäre. Im Rahmen von Lisbeths Geschichte, die hier mehr denn je in den Fokus des Geschehens rückt, entwickelt der Film aber erneut eine durchgehende Spannung. Dass sich die Hauptfiguren Lisbeth und Mikael nicht einmal begegnen, ist interessant dargestellt. Sie ermitteln parallel und mit unterschiedlichen Voraussetzungen in Bezug auf die Mordfälle. Manchmal befinden sie sich sogar am gleichen Platz – aber nicht zur selben Zeit. Mit brutalen und sadistischen Szenen sowie Gewalt wird der Zuschauer auch diesmal konfrontiert, doch der Fokus liegt ganz klar auf Lisbeths Vergangenheit – das hat auch Vorrang vor einer ausgefeilten Kriminalgeschichte. Gegen Ende wird der Film – der wieder einmal über 2 Stunden füllt – etwas unrealistisch um in einem großen Showdown zu enden. So gelungen wie „Verblendung“ ist der zweite Teil leider nicht, und wer das ungleiche Detektivgespann Lisbeth und Mikael in ihrem Zusammenspiel besonders interessant fand, der könnte vom ganz anders angelegten zweiten Teil etwas enttäuscht sein. Aber wer sich auf der Leinwand so einiges ansehen kann, Spannung und ein paar Überraschungen sucht, der ist auch bei der zweiten Romanverfilmung von Larssons Erfolgsreihe an der richtigen Adresse.
Fazit: Der zweite Teil der Stieg Larsson-Reihe schafft es nicht ganz mit dem ersten Teil mitzuhalten. Die Darsteller sind gut und Spannung wird auch erzeugt, aber mit einigen Unglaubwürdigkeiten und einer wenig erhellenden Ermittlung rutscht dieser Teil vom Krimi-Thriller zu sehr in ein mysteriöses Familiendrama ab.
Verdammnis startete am 04. Februar in den deutschen Kinos.
4 von 6 Sternen (****)
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Schlagwörter: Kino, Rezension, Filmkritik, Verblendung, Stieg Larsson, Romanverfilmung, Kinofilm, Krimi, Kinokritik, Filmbewertung, Thriller, Kinokritiken, Familie, Flickan som lekte med elden, The Girl Who Played with Fire, Schweden, Daniel Alfredson, Jonas Frykberg, Romane, Trilogie, Vergeltung, Jacob Groth, Peter Mokrosinski, Mikael Wallen, Ole Sondberg, Lone Korslund, Soren Staermose, Peter Nadermann, Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Sofia Ledarp, Thomas Köhler, Jakob Ericksson, Yasmine Garbi, Georgi Staykov, Hans-Christian Thulin, Jenny Silfverhjelm, Mikael Blomkvist, Lisbeth Salander, Erika Berger, Nils Bjurman, Dragan Armanskij, Annika Giannini, Malin Eriksson, Kriminalgeschichte, Fortsetzung, Rätsel, Rätsel raten, Familiendrama, Familiengeheimnis, Verdammnis
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Februar 2, 2010 von cap82

Seine Angestellten zu feuern ist keine leichte Sache. Für manche Chefetagen ist das eine so unangenehme Sache, dass sie lieber eine Firma damit beauftragen, die Kündigungen auf schonende und sachliche Weise vorzunehmen. Ryan Bingham ist der fähigste Mitarbeiter einer solchen Firma, er kündigt den armen Mitarbeitern gekonnt und professionell, egal wie sie reagieren. Außerdem liebt er die ständigen Flüge in allerlei Städte der USA um die Kündigungen persönlich vorzunehmen, da zu Hause sowieso niemand auf ihn wartet. Sein kleines Appartement enthält für seine kurzen Aufenthalte nur das Allernötigste und er ist richtig froh, wenn er wieder im nächsten Flieger sitzt um seine Arbeit zu machen und fleißig Flugmeilen zu sammeln. Bei all dem hat der alternde Ryan eine sehr klare Vorstellung von seinem künftigen Leben: Niemals heiraten, niemals Kinder kriegen und auch die Liebe wird überschätzt. Er hält sogar Vorträge darüber, dass persönliche Bindungen nur störender Ballast sind. Doch nach und nach bringen ihn ein paar Begegnungen ins Wanken, was seine nüchterne Sichtweise betrifft. Zunächst lernt er die Geschäftsfrau Alex kennen, mit der er sofort auf einer Wellenlänge liegt. Sie haben offensichtlich das gleiche Leben, die gleichen Interessen und lassen sich auf eine lockere Affäre miteinander ein. Doch schon kurz darauf droht Ryans gewohntes Leben zwischen Flieger und Hotelaufenthalt zu enden, denn in seiner Firma gibt es eine neue Mitarbeiterin namens Natalie, die ein neues Konzept vorstellt: Kündigungen via Webcam, das würde Kosten sparen und alle Mitarbeiter künftig an den Schreibtisch fesseln. Lange Flüge und Reisen wären dann nicht mehr nötig. Ryan kocht vor Wut und das wird auch nicht besser, als Natalie ihn bei seinen nächsten Reisen begleiten soll um den Arbeitsablauf der Firma besser kennen zu lernen. Ist es tatsächlich bald aus mit dem angenehmen Leben, das keiner Sesshaftigkeit bedarf? Oder kommt Ryan eines Tages doch noch zu der Einsicht, dass das Leben ohne persönliche Bindungen und Jemanden an seiner Seite ganz schön trostlos und einsam sein kann?
Ein smarter und cooler George Clooney, dessen überzeugte Einzelgänger-Haltung langsam ins Wanken gerät. Das klingt nach einer guten Grundidee mit männlichem Publikumsmagnet für eine flotte und unterhaltsame Komödie. Das trifft auf „Up in the Air“ zwar auch zu, aber diese Wirkung ist wohlgemerkt ziemlich kurzweilig. Zunächst stehen die systematischen Kündigungen im Fokus der Handlung. Dabei wird die Ironie deutlich, dass trotz der schwersten Wirtschaftskrise immer noch ein paar Gewinner übrig bleiben. In diesem Fall eine Firma, die Mitarbeitern diverser Unternehmen beibringt, dass sie ihren Job verlieren. Somit erlebt der Zuschauer die allgegenwärtige Wirtschaftskrise aus einem neuen Blickwinkel. Und zwar aus dem einer Person, die davon noch profitiert und ein Leben mit Bonuspunkten und Kreditkarten genießen kann. Doch dann spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine immer größere Rolle und irgendwann befindet sich die aalglatte Hautfigur Ryan, mit der fragwürdigen Meinung ein Leben allein würde Erfüllung bringen, auf der Hochzeit seiner kleinen Schwester. Das passt insgesamt einfach nicht zusammen und lässt ein rundes, abgestimmtes Filmerlebnis vermissen. Wahrscheinlich sollte die Veränderung der Einstellung des Hauptcharakters geschickt dargestellt werden, indem er sich vom grauen Arbeitsalltag immer mehr entfernt, aber herausgekommen ist eher ein Mix aus Gesellschaftssatire und seichter Liebeskomödie, der einen gemeinsamen Nenner vermissen lässt. Das Grundthema ist wohl die Liebe und die Freundschaft, das was den Menschen stark und glücklich macht – gegen Ende werden die Fäden dieses Films auch wieder ein bisschen zusammengeführt. Dennoch fehlt es „Up in the Air“ ein bisschen an Pfiff und originellem Humor um im Gedächtnis zu bleiben. Neben einigen guten Einfällen, zum Beispiel den aneinander gereihten Szenen der gekündigten Mitarbeiter und ihren Reaktionen oder der Fotopappe des künftigen Brautpaares das an verschiedenen Plätzen der Welt geknipst werden soll, gibt es auch einige dröge Sequenzen. Die Botschaft des Filmes, dass geliebte Menschen eben kein Ballast sondern vielmehr eine Bereicherung für das Leben sind, ist dann trotz aller Satire, Überspitzung und Themenmischmasch eine sehr simple Botschaft. Was Protagonist Ryan erst innerhalb von 109 Filmminuten lernen muss, war dem Zuschauer von vorneherein klar. Mit einem Aha-Effekt braucht man bei diesem Film also wirklich nicht zu rechnen. Von der heute bekannt gegebenen Oscarnominierung für den „Besten Film“ sollte man sich an dieser Stelle nicht zu sehr blenden lassen, denn dazu fehlt es dem Streifen definitiv an Einfalls- und Überzeugungskraft.
Fazit: Ein Film zwischen Romanze, Komödie und Gesellschaftskritik, der aber leider keine gelungene Mischung daraus entwirft, sondern einen ungeordneten Mix. Da rettet auch ein selbstbewusster, aber auf völlig falschen Faden wandelnder George Clooney nicht viel. Ein paar schöne Ideen retten die Handlung zu einer netten Unterhaltung für einen Kinoabend, aber im Gedächtnis bleibt dieser bemühte und doch mit einer so simplen Botschaft versehene Streifen leider nicht.
Der Film startet am 04.Februar 2010 in den deutschen Kinos.
3 von 6 Sternen (***)
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Schlagwörter: Kino, Film, Rezension, Filmkritik, Komödie, arbeitslos, Wirtschaftskrise, Kinokritik, Filmbewertung, Arbeitslosigkeit, Romanze, Beziehung, Einsamkeit, Kinokritiken, Liebe, Oscar, Oscar 2010, Bester Film, Nominierung, Oscarnominierung 2010, Oscar Nominierung 2010, Up in the Air, George Clooney, Gesellschaftskritik, Gesellschaftssatire, Familie, Freunde, Partner, Ballast, Flugzeug, Finanzkrise, Kündigung, Flugmeilen, Bonusmeilen, Paramount Pictures, Jason Reitman, bester Darsteller, bester männlicher Darsteller, Walter Kirn, Sheldon Turner, Rolfe Kent, Eric Steelberg, Jeff Clifford, Ivan Reitman, Jason Batman, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Ryan Bingham, Craig Gregory, Alex, Natalie, Danny McBride, Jim, Julie Bingham, Melanie Lynskey, Hochzeit, kalte Füße, Hochzeitsparty, Hochzeitsgeschenk, Flugreise, Flughafen, Einzelgänger, Vielflieger, Airport-Hotels, Arbeitstier, USA; Mitarbeitern feuern, Affaire, verliebt, Oskar, Oskarnominierung, Oskar 2010
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Januar 30, 2010 von cap82

Ein Leben voller Hass und Gewalt – die 16-jährige Claireece Jones, genannt Precious kennt es gar nicht anders. Aufgewachsen in dem verarmten Viertel Harlem lebt sie zusammen mit ihrer Mutter auf engstem Raum. Von der darf sie sich nichts außer Beschimpfungen und Demütigungen anhören. Außerdem ist Precious zum zweiten Mal schwanger – nicht etwa von einem Jungen mit dem sie die erste große Liebe erlebt, sondern vom ihrem eigenen Vater, der das Mädchen regelmäßig vergewaltigt. Precious ist nicht dumm, aber hat trotz Schulbesuchen nie Schreiben und Lesen gelernt. Ihr starkes Übergewicht lässt sie zu einer Außenseiterin werden, die auf Anfeindungen reagiert wie sie es anders nicht kennt: Mit Aggressionen und Gewalt. Wann immer es geht flüchtet der Teenager sich in bunte Tagträume, in denen sie all das Glück erfährt, von dem sie in der Realität so weit entfernt ist. Als die Schulleiterin erkennt, dass Precious Analphabetin ist und noch dazu wieder schwanger, schickt sie sie zu einer Sonderschule, in der das Mädchen in einer kleinen Klasse mit Gleichgesinnten, ganz von vorne anfängt. Während sie sich in dieser außergewöhnlichen Gruppe langsam einfindet und immer mehr Vertrauen zu ihrer neuen Lehrerin fasst, werden die Probleme daheim immer größer. Die Mutter scheint ihr den neuen Weg zu missgönnen und tut alles, damit ihre Tochter sich nicht zu sehr weiter entwickelt und von ihr löst. Als Precious schließlich ihr zweites Kind zu Welt bringt, wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein ruhiges und glückliches Leben zu führen. Nicht nur für sich, sondern für ihr Baby. Doch der Ausstieg aus dem bisherigen Leben ist gar nicht so einfach wie gehofft…
Manchmal schaut man Filme die sind so rosarot und zuckersüß, dass man den eigenen Alltag vergisst und sich für eine gewisse Zeit entführen lässt: Egal wie kitschig oder unrealistisch das alles ist, denn ab und zu tut so was einfach gut. Aber dann gibt es auch schon mal Filme, die sind so hart und schonungslos, dass man sich zwischendurch wünscht, wieder in seinen Alltag zurückzukommen, da der um so vieles besser ist als das, was einem auf der Leinwand gezeigt wird. Zur letzteren Gattung muss man eindeutig den Film „Precious – Das Leben ist kostbar“ zählen, der auf dem Roman „Push“ von der afroamerikanischen Autorin Sapphire beruht. Schonungslos und fast ohne Aussparungen taucht der Zuschauer in das harte Leben von Precious ein und erlebt all ihre Enttäuschungen und Entbehrungen mit.
In hartem Kontrast dazu stehen die bunten, lauten und schrillen Traumsequenzen, in die sich das Mädchen gelegentlich flüchtet. Fotomotive sprechen, auf den Wänden flimmern Filmausschnitte und vor der Tür wartet der smarte Typ mit seinem Motorrad um Precious in ein glückliches Leben mitzunehmen. Doch die Wahrheit sieht anders aus: Die Mutter – grandios gespielt von Mo´Nique, die vorher eigentlich Comedyspezialistin war – erträgt ihre Anwesenheit kaum und demütigt sie, wo sie nur kann. Ein bitteres Bild von der Unterschicht in einem der ärmsten Stadtteile von New York. Doch im Film gibt es auch Hoffnung und Mut zu Veränderungen. So findet Precious, trotz starkem Übergewicht, Verschwiegenheit und Analphabetismus in der neuen Förderschule endlich Freunde und in der Lehrerin Ms. Rain eine Vertraute. Langsam wird ihr klar, dass sie nicht so wertlos ist, wie ihre Mutter sie immer glauben macht. Aber die größte Wende bringt die Geburt ihres zweiten Kindes, für das sie alles geben und dem sie ein besseres Leben ermöglichen will. In dieser Konstellation rückt der Ausbruch aus Gewalt und Hoffnungslosigkeit immer näher.
Der Film wirft damit auch einen kritischen Blick auf das soziale Geflecht der USA. Wohlfahrt, Sozialamt oder andere behördliche Stellen: Sie alle können die Einzelschicksale kaum überblicken und scheitern meist dabei, den Menschen wirklich zu helfen. Über gelegentliche Pflichtbesuche mit standardisierten Fragen gehen diese Maßnahmen nämlich kaum hinaus. Eine Ausnahme bildet die Sozialarbeiterin Mrs. Weiss – überraschend gut dargestellt von einer ungeschminkten Mariah Carey – die Precious zuhört und Glauben schenkt. Ein Lichtblick nicht nur für den überforderten Teenager, sondern auch für den stark geforderten Zuschauer.
„Precious“ ist kein Unterhaltungsfilm für einen netten Abend, sondern ein harter Brocken, bei dem es schon mal weh tut hinzugucken. Doch auch solche Darstellungen gehören zu der Gesellschaft in der wir leben. Es ist eben nicht alles rosarot, sondern manche Dinge sind das erschreckende Gegenteil. Das Milieudrama schafft es mit den guten schauspielerischen Leistungen und einer in jeder Hinsicht ungeschminkten Realität fast durchgehend zu fesseln. Manchmal fragt man sich: Ist es ein Klischee? Ist es eine Übertreibung? Oder ist es die harte Realität? Vielleicht ist es ganz gut, dass man diese Frage nicht klar beantworten kann. Die Botschaft über all dem lautet; dass jeder Mensch etwas wert ist und es immer einen Grund gibt für seine Rechte und ein gutes Leben zu kämpfen. Precious nimmt den Kampf auf, hat es nicht leicht dabei und macht auch den ein oder anderen Rückschritt. Aber sie bleibt dennoch dran und das erscheint bewundernswert unter den Bedingungen denen sie sich gegenüber sieht. Als Zuschauer kommt sich mit seinen Problemen auf jeden Fall schrecklich albern vor, wenn man aus diesem Filmereignis wieder herauskommt.
Fazit: So viele Tabuthemen wurden in einem us-amerikanischen Film selten verarbeitet. Mit hervorragenden Darstellern und einer dramatischen Geschichte um eine 16-jährige aus dem Armenviertel Harlem schafft es „Precious“ zu einer fast schon erschreckenden Intensität. Als Fan von kritischen und ungeschönten Filmen sollte man diesen heißen Oscaranwärter nicht verpassen, auch wenn es kein Spaziergang wird, sich diesen Film in all seiner Härte anzusehen.
Precious – Das Leben ist kostbar startet am 25. März in ausgewählten deutschen Kinos.
5 von 6 Sternen (*****)
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Januar 28, 2010 von cap82

Der erfolgreiche russische Schriftsteller Lew Tolstoi will seinen verdienten Lebensabend auf seinem Landgut in Jasnaja Poljana verbringen. Doch mit Ruhe und Entspannung hat das wenig zu tun. Der überzeugte Tolstoianer Wladimir Tschertkow versucht den alternden Mann zu überzeugen, sein Lebenswerk dem russischen Volk zu vermachen. Tolstois temperamentvolle Frau Sofia geht bei diesem Thema auf die Barrikaden, denn sie will nicht zulassen dass ihr Mann, für den sie in 48 Ehejahren alles gegeben hat, sie und die Kinder in seinem Testament völlig außer Acht lässt. In diesen erbitterten Kampf gerät der junge Dichter Walentin Bulgakow hinein. Wird er zunächst von Tschertkow beauftragt Tolstoi unter die Arme zu greifen und Sofia gleichzeitig im Auge zu behalten, sieht auch die bald einen Verbündeten in dem jungen, unbeholfenen Mann. So bemüht sich Bulgakow redlich allen Seiten gerecht zu werden, und gerät daneben in eigene Gefühlswirren. Im Lager der Tolstoianer lernt er die offenherzige Mascha kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Die Konflikte zwischen Tolstoi uns seiner Frau spitzen sich weiter zu als Tschertkow aus seinem verhängten Hausarrest entlassen wird und wieder auf das Landgut kommen kann. Während der extreme Tolstoianer und die zielstrebige Sofia um das Vermächtnis von Tolstoi kämpfen, fühlt sich der gefeierte Schriftsteller immer unwohler. Bis er eine Entscheidung trifft: Über Nacht verlässt er seine Frau und das Gut um seine letzten Jahre in Einsamkeit verleben zu können. Doch die willensstarke Sofia gibt nicht auf, wenn es um ihren geliebten Mann geht.
Lew Nikolajewitsch Tolstoi war nicht nur Schriftsteller, sondern hatte auch eine Reihe von Anliegen um das gesellschaftliche Leben zu verbessern. So hatte er beispielsweise reformpädagogische Bestrebungen im Sinn, bei der die Erziehung an die kindlichen Persönlichkeiten angepasst werden soll. Er setzte sich darüber hinaus für ein Leben ohne private Besitztümer ein, war gegen das Rauchen, Alkohol, die Jagd und eine ausschweifende Sexualität. In Michael Hoffmanns Verfilmung des letzten Sommers von Tolstoi erlebt der Zuschauer diesen als einen stark gealterten aber nach wie vor populären Schriftsteller. Vielleicht liegt es an diesem Umstand, vielleicht auch an der biografischen Romanvorlage „Tolstois letztes Jahr“, aber Tolstoi selbst ist hier gar nicht der Repräsentant seiner Überzeugungen. Stattdessen werden Tolstoianer zum Sprachrohr, allen voran Tschertkow, der alles daran setzt die Werke für das russische Volk zu sichern. Der Schriftsteller selbst schaut hier eher auf sein Lebenswerk und seinen Einfluss auf andere Menschen zurück, anstatt es zu untermauern. Dadurch wird Tolstoi etwas zu blass gezeichnet und entwickelt sich eher zum manipulierbaren Spielball zwischen der emotionalen Ehefrau und dem herrischen Tschertkow. Vielleicht war das genau der Konflikt, der Tolstoi die letzten Jahre seines Leben umtrieb, aber beim Film bekommt man dennoch das Gefühl, dass ihm diese Darstellung nicht ganz gerecht wird. Darsteller Christopher Plummer überzeugt trotz dieses Mankos in dieser Rolle. Oskarpreisträgerin Helen Mirren sticht mit ihrer gefühlvollen Inszenierung der kämpferischen Ehefrau Sofia besonders aus dem Cast heraus.
Jungschauspieler James McAvoy gibt den unerfahrenen Walentin überzeugend, kann als oft unentschlossener und zwischen den Stühlen sitzender Bewunderer aber ebenfalls keine Glanzrolle spielen. Seine ersten Liebeserfahrungen stehen in einem gelungenen Kontrast zu der seit Jahrzehnten währenden Liebe zwischen Tolstoi und seiner Frau.
Tolstois zwischenmenschliche Beziehungen stehen in der Handlung klar im Vordergrund. Während er in Erinnerungen an sein Leben schwelgt, zeigt sich kaum eine Verbindung zu dem, was die erklärten Tolstoianer unweit entfernt Tag für Tag zelebrieren. Genau das führt auch zu einigen Fragezeichen: Würde Tolstoi falsch verstanden, hat sich seine Überzeugung von Gesellschaft, Leben und Religion zu stark verselbstständigt oder ist dem müden, alten Mann das Lebenswerk immer mehr aus den Händen geglitten? Tolstoi-Kenner wissen die Antwort vielleicht, aber bei einem nicht ganz so mit Vorwissen beseelten Zuschauer, führt diese Darstellung möglicherweise zu einigen Verwirrungen.
Abgesehen davon ist „Ein russischer Sommer“ ein Drama, das vor allem gegen Ende punkten kann. Die guten bis herausragenden Darsteller bringen emotionalen Genuss und der Sprung 100 Jahre in die Vergangenheit ist durchaus gelungen. Dennoch fragt man sich als Zuschauer was dieser Film genau vermitteln soll. Denn ein eindrucksvolles Bild des großen Literaten Tolstoi entsteht nicht. Geht es um die Bürde des Alters, um die Liebe, um das was übrig bleibt wenn das Lebenswerk fast vollendet ist oder den zu großen Erfolg eines Autors, der ihm beinahe zum Verhängnis wird? Es ist schwer entscheidbar, aber für Literaturkenner und Fans von biografischen Dramen wird dieser Film sicher ein paar interessante Einblicke geben.
Fazit: Ein bewegender Blick in die letzten Lebensmonate des weltberühmten Schriftstellers Tolstois mit überzeugender schauspielerischer Leistung. Dabei wirft der Film einen Blick auf diese Persönlichkeit, der nicht ganz unproblematisch ist. Als alter Mann, der sich vielfach beeinflusst sieht und seine eigenen Ideale kaum vertritt, bleibt er doch ein etwas blasser Charakter. Die Botschaft dieses Filmes steckt daher zu sehr im Verborgenen.
Ein russischer Sommer läuft seit dem 28. Januar in den deutschen Lichtspielhäusern.
4 von 6 Sternen (****)
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Januar 24, 2010 von cap82

Der junge C.J. ist ein aufstrebender Fernsehjournalist. Mit seiner Dokumentation über eine drogenabhängige Schwarze, die unentdeckt ein Kind zur Welt bringt, gewann er einen begehrten Nachwuchspreis. Das brachte ihn zwar raus aus der Provinz, zu einem bekannten Fernsehsender, doch das reicht dem ehrgeizigen Mann noch nicht. Die Berichte und Reportagen über günstigen Kaffee und den neusten Hundewettbewerb langweilen ihn und seinen Kollegen, den Kameraassistenten Corey. Daher plant C.J. den großen, Ruhm und Erfolg bringenden Coup. Er will dem überheblichen Anwalt Hunter nachweisen, dass er forensische Beweise im Gerichtsverfahren fälscht, um Angeklagte, deren Schuld eigentlich nicht vollständig beweisbar ist, hinter Gittern zu bringen. Dieser Methode soll es Hunter zu verdanken haben, dass er schon seit 17 Gerichtsverhandlungen „ungeschlagen“ und dadurch zum umjubelten Staranwalt aufgestiegen ist. Sogar als nächster Gouverneur ist er im Gespräch. C.J. hat einige Prozesse mitverfolgt und ist sich ganz sicher, dass Hunter die entscheidenden Beweise fälscht. Nachwuchsanwältin Ella ist Hunters Schützling und besorgt C.J. wertvolles Informationsmaterial zu den Fällen ihres Bosses. Doch der Chefredakteur schenkt C.J. keinen Glauben und will von den schwerwiegenden Vorwürfen nichts hören, geschweige denn eine Story dazu machen. So schmiedet C.J. einen gefährlichen Plan: Er gibt sich als Täter eines Mordes an einer Prostituierten aus, indem er gezielt Verbindungen zu sie sich herstellt, die aber noch keine klaren Beweise sind: Das gleiche Outfit wie der Täter, das gleiche Messer, ein entsprechender Hundebiss am Bein. Das alles lässt er von Corey filmen, der bei der Sache mitmacht. Nachdem C.J. einen Köder für die Polizei ausgelegt hat, geht alles ganz schnell: Er wird verhaftet und für den Mord an der Prostituierten angeklagt. Seine Schuld muss niemand geringeres als Hunter beweisen.
Originelle Geschichten sind es, die einen Film oftmals ausmachen. Aber sind sie auch ein Garant für einen rundherum gelungenen Streifen? Wie „Gegen jeden Zweifel“ beweist ist das wohl nicht so, und das obwohl es sich diesem Fall sogar um eine Zweitverwertung handelt. Denn das Ganze ist ein Remake des gleichnamigen Justizthrillers von 1965. Mit moderneren Mitteln für Aufklärung von Straftaten versucht dieser Film in die heutige Zeit zu passen, aber leider bleibt offen welchen Anspruch er dabei erhebt. Altstar und Könner Michael Douglas lässt mit seiner Präsenz auf einen hochkarätigen Justizthriller hoffen, die Jungstars Jesse Metcalfe, Amer Tamblyn und Joel Moore agieren aber eher, wie in einem zweitklassigen Teeniefilm. Obwohl die Handlung in ihren Grundzügen durchaus spannend und interessant ist, rutscht die Darstellung zeitweise ins Absurde oder Alberne an. Gute Beispiele dafür sind eine nervige Verfolgungsjagd in einer Tiefgarage und der merkwürdige Schlussdialog, der einen allzu bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Auch die Schnitte und Kameraführungen wirken des Öfteren etwas unbeholfen und lieblos. Diese Stolpersteine verderben dem Zuschauer einen runden Filmgenuss. Der Regisseur wollte in diesen Film wohl für alle etwas einbringen: Liebe, Herzschmerz, Action, Drama und Thriller – und das alles auch noch ansprechend für junge Zuschauer (dazu die jugendlichen, frechen und verliebten Darsteller) und ebenso für den anspruchsvollen Kinogänger, der sich dank Michael Douglas gut aufgehoben fühlen soll. Dass so ein Mix aber auch problematisch sein kann, zeigt sich immer mal wieder: Nicht alles passt zusammen und manchmal weiß man nicht, ob man lachen, weinen oder Angst bekommen soll. „Gegen jeden Zweifel“ hat durchaus Potential einen spannenden Kinoabend zu gestalten, aber völlig ohne Abzüge bleibt dieser Kinobesuch nicht. Dazu gibt es einfach zu viele Ungereimtheiten und Kontraste, die den Film unausgewogen erscheinen lassen. Wer die Original-Geschichte nicht kennt, wird den Streifen wahrscheinlich mit einem brauchbaren Maß an Interesse verfolgen und im Großen und Ganzen unterhalten werden. Wer aber eine durchstrukturierte und runde Handlung mit viel Raffinesse und Gefühl für die entsprechende visuelle Darstellung erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht aus diesem Film heraus kommen.
Fazit: Eine gute Grundgeschichte wird leider überschattet von einigen Mängeln: Zu wenig packendes Justizdrama und zuviel Teeniethriller mit zum Teil mißglückten Szenen und Kameraführungen. Daher nur eingeschränkt zu empfehlen.
Gegen jeden Zweifel startet am 04. Februar in den deutschen Kinos
3 von 6 Sternen (***)
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Januar 22, 2010 von cap82

Indem sie eine Einbrecherbande überführten, gelangte die Jugendbande Vorstadtkrokodile zu erstem Ruhm und einer Menge Anerkennung seitens der Erwachsenen. Inzwischen gehören Hannes und Kai fest zum Team und machen sich nun mit ihrer neuen Clique daran, ein neues Hauptquartier zu finden. Etwas cooles und ausgefallenes soll es für die Krokodile schon sein und daher sind sie Feuer und Flamme als sie eine alte Mine entdecken. Trotz einstürzender Hängebrücke und explodierendem Dynamit ist für die Bande klar: Das ist unser neues Versteck. Doch die Freude darüber wehrt nicht lange, denn die Firma in der die Eltern von Olli und Maria arbeiten, kämpft mit herben Rückschlägen. Immer wieder gehen die teuren Maschinen kaputt, Geld für neue fehlt. Als sie erneut lahm liegen steht es fest: Das Unternehmen ist pleite, die Eltern sitzen auf der Straße und das Haus in dem sie wohnen müssen sie ebenfalls schnellstens räumen, da es im Besitz der Firma ist. Die Vorstadtkrokodile wissen gar nicht wie ihnen geschieht, würde ein Wegziehen der Geschwister gleichzeitig das Aus für die Bande bedeuten. Doch sie wären nicht die Vorstadtkrokodile, wenn sie nicht einen Plan hätten: Am letzten Abend, an dem die Maschinen in der Fabrik noch liefen, haben sie zufällig ein paar zwielichtige Gestalten beobachtet. In der örtlichen Disko wollen sie diese aufspüren und herausfinden ob an der ganzen Geschichte nicht doch etwas faul ist. Aber wie kommen 14 und 15-jährige am Türsteher vorbei? Da kann nur Kais ältere und selbstbewusste Cousine Jenny helfen und so gelingt es den Krokodilen einem Komplott auf die Spur zu kommen.
Fast jeder hat schon einmal etwas von den Vorstadtkrokodilen gehört, schon allein deshalb weil es in einer Reihe von Schulen zur Pflichtlektüre für den Deutschunterricht erklärt wurde. Während sich der erste Teil der kinotauglichen Verfilmung noch auf die Romanvorlage von Max von der Grün stützen könnte und somit automatisch eine Story parat hatte, ist die Fortsetzung lediglich „von den Figuren des Romans inspiriert“ wie es im Abspann heißt. Im Klartext: Die Filmmacher mussten sich diesmal selbst etwas ausdenken, was Kinder und Jugendliche unterhält und einen gewissen Moralcharakter hat, wenn auch nur ganz unterschwellig. Ob die Handlung von „Vorstadtkrokodile 2“ sonderlich originell ist, sei dahin gestellt, aber ein Maß an Unterhaltsamkeit bringt dieser abenteuerliche Jugendfilm schon mit sich. Die Figuren wurden von der Welt des Romanautors (immerhin aus dem Jahre 1976) in die Gegenwart geholt und so geht es nicht ohne coole (fast schon zu erwachsene) Sprüche, den heißersehnten ersten Diskobesuch und erste Annäherungsversuche an das weibliche Geschlecht. Jorgo ist hier der Ausländer, der sich für sein späteres Leben vor allem eins wünscht: Arbeitslos zu sein. Ob solche Klischeeerfüllung etwas in einem Jugendfilm zu suchen hat, ist fraglich. Aber vielleicht hatten die Filmemacher Angst, dass die anspruchsvollen Teenies von heute einen Film dröge finden, wenn sie nicht sich, ihre Freunde oder immerhin den blöden Außenseiter darin wieder finden können. Aber vielleicht kann man den jungen Erwachsenen heutzutage schon etwas mehr zutrauen.
Die raffinierte Kombinationsgabe einer geheim agierenden Jugendbande lässt im Film allerdings auf sich warten, denn besonders ausgeklügelt ist der Plot des Streifens nicht. Auch hier hätte man den Jugendlichen wohl etwas mehr zutrauen dürfen. Teilweise werden sie (im Film und folglich auch in der Realität) auf wenige Attribute reduziert: Immer scharf auf das andere Geschlecht und in allen Lebenslagen möglichst cool und frech sein. Immerhin wird auch noch ein bisschen Moral im Geschehen platziert, und zwar die elementare Bedeutung von echter Freundschaft, die dann eben doch auch mal über Coolness hinausgeht. Die Vorstadtkrokodile bestehen nämlich vorwiegend nicht aus coolen, beliebten Jungs sondern aus denen, die auf dem Schulhof gehänselt werden würden. Doch in der Gruppe zeigen sie Stärke. So ist doch nicht alles von Max von der Grüns Vorlage und Grundgedanke verloren gegangen.
3 von 6 Sternen (***)
Vorstadtkrokodile 2 läuft seit dem 21. Januar in den deutschen Kinos.
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Januar 15, 2010 von cap82

Walter Vale führt ein trostloses Leben. Seit dem Tod seiner Frau lebt er alleine in einem großen Haus, geht seiner Professur an der Uni leidenschaftslos nach und hat wenige Hobbys. Seine hartnäckigen Versuche Klavier zu spielen enden lediglich in einem ständigen Wechsel der Klavierlehrer, da sie einfach keinen Fortschritt erkennen. Dieser isolierte Alltagstrott nimmt ein jähes Ende als Walter für einen Vortrag nach New York reist. Als er seine Zweitwohnung betritt, stellt er fest, dass es neben ihm noch weitere Mieter gibt: Das Pärchen Tarek und Zainab. Nach der ersten Verwirrung nimmt Walter die beiden bei sich auf, da sie nicht wissen wohin und lebt fortan mit ihnen zusammen in der Wohnung. Während Zainab bewusst Distanz zu Walter hält, geht Tarek offen auf ihn zu und bringt ihm schließlich das trommeln bei. Walter bekommt langsam ein völlig neues Lebensgefühl und verspürt ungeahnte Freude an der Musik und dem geselligen Beisammensein. Doch auch das hat ein abruptes Ende, als Tarek in einer U-Bahn Station verhaftet wird. Da er sich illegal in den Vereinigten Staaten aufhält, wird er sofort in Abschiebehaft gesteckt. Seine Freundin ist ebenfalls illegal im Land, daher kann sie ihn nicht besuchen. Walter beschließt, die Beiden nicht im Stich zu lassen und für die Freilassung seines neuen Freundes zu kämpfen.
Die Geschichte rund um den einsamen Walter entwickelt sich in diesem bewegenden Drama Stück für Stück. Zunächst erlebt der Zuschauer einen isolierten und vor sich hin lebenden Mann, dem die Herausforderungen fehlen. Seine scheiternden Versuche Klavier spielen zu lernen, erscheinen zunächst fragwürdig, erhalten jedoch einen Kontext wenn aufgedeckt wird, dass seine verstorbene Frau eine meisterhafte Klavierspielerin war. Auf diese Weise versucht er lediglich an ihr und dem Leben mit ihr festzuhalten oder zumindest die Musik wieder zu beleben. Durch das Aufeinandertreffen mit Tarek und Zainab ändert sich Walters Leben schlagartig. Plötzlich konzentriert sich sein Interesse an Musik auf eine exotische Trommel und endlich kehren Freundschaft, Verbundenheit und Freude in sein Leben zurück. Die Verhaftung Tareks stürzt diesen in einen Abgrund, in die Isolation die dem lebensfrohen und offenen jungen Mann bisher fremd war. Walter hingegen schöpft aus dieser Situation Ungeahntes: Endlich hat er wieder eine Aufgabe, ein Ziel vor Augen und als Mouna, die Mutter von Tarek vor seiner Tür steht, auch noch jemanden um den er sich kümmern kann.
Diese Lage zeigt wie nah Glück und Leid beieinander liegen können. Mit der Groteske, dass sich auf die Unglückslage von Tarek eine zarte Liebesgeschichte zwischen Walter und Mouna aufbaut wird feinfühlig umgegangen. So hat dieser Film eine Menge bewegender und unter die Haut gehender Momente. Macht sich in der einen Sekunde noch Ohnmacht und Ausweglosigkeit breit, so gibt es in der Nächsten wieder romantische Gefühle zwischen zwei einsamen Menschen die selbst nicht genau wissen, wie ihnen geschieht. Nicht zuletzt geht es auch um den Umgang mit illegalen Einwanderern in den USA. Während diese in einem unscheinbaren Gebäude unter großen Sicherheitsvorkehrungen festgehalten werden, und weder Angehörige noch der Anwalt über eine Verlegung oder gar eine Abschiebung rechtzeitig informiert werden, sind die US-Flagge und weitere Wahrzeichen für das Land allgegenwärtig. Ein Leben zwischen amerikanischem Traum und der ständigen Angst dort nicht mehr willkommen zu sein, scheinen viele Menschen zu führen, die keine gebürtigen Amerikaner sind. Der Film balanciert gekonnt zwischen Systemkritik und menschlichem Drama, das sich auch unabhängig von der Staatsbürgerschaft entwickeln kann. Denn das Gefühl des fremd seins kann auch den treffen, der sein Heimatland nie verlassen hat. Es entsteht durch Einsamkeit und das Fehlen einer Aufgabe. Hauptdarsteller Richard Jenkins erhielt für die gekonnte Darstellung des Walter Vale im letzten Jahr eine Oscarnominierung als bester Schauspieler. Aber auch den anderen Darsteller gelingt ein einfühlsames und überzeugendes Spiel der Charaktere, von denen jeder sein Bündel zu tragen hat. Aus allem ergibt sich ein ergreifender und sehenswerter Film, dessen Ausgang an dieser Stelle nicht verraten werden soll. Einfach reingehen und selbst in Erfahrung bringen.
Ein Sommer in New York läuft seit dem 14.01. in den deutschen Lichtspielhäusern.
5 von 6 Sternen (*****)
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Januar 8, 2010 von cap82
Was bringt mir das neue Jahr? Viele stellen sich die Frage zurzeit. Während es für die Einen schon den ersten Dämpfer gab, starten die Anderen mit einem enorm guten Gefühl in die Zukunft. Für beide Seiten habe ich Beispiele erfahren, mich selbst muss ich wohl in der Mitte dessen einordnen. Die Katastrophen und Depressionen zum Jahresstart sind ausgeblieben, genauso die totalen Freudenkracher. Von guten Vorsätzen halte ich sowieso nicht viel, daher fallen die bei mir auch weg. Ich starte fleißig und zuversichtlich in 2010, das ganz sicher ein paar Highlights bringen wird. Aber ist das nicht immer so?
Nach den Feiertagen kehrt der alte Trott langsam wieder ein und eh man es sich versieht steckt man schon wieder mitten in seinen alltäglichen Aufgaben und Arbeiten ohne sich noch viele Gedanken darüber zu machen, was das neue Jahr so alles für einen bereithält. Von nichts kommt nichts, also bemühe ich mich um alles, was ich 2010 erreichen und schaffen möchte. Wenn ich hin und wieder ins Kino gehen und schreiben kann ist das für mich schon die halbe Miete. Eine Erholung der Wirtschaft und damit auch eine Erholung der Arbeitsmarktsituation würden mich daneben auch sehr glücklicht stimmen. Und auch wenn unser Leben in gewissem Maß von äußeren Umständen beeinflusst wird, ist dennoch jeder seines Glückes Schmied und sollte aus den Gegebenheiten immer noch das Beste herausholen. Lassen wir uns überraschen, was 2010 so alles zu bieten hat und was wir daraus machen können.
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Januar 3, 2010 von cap82

Abend für Abend versucht der geheimnisvolle Dr. Parnassus das Publikum auf der Straße zu verzaubern. Zusammen mit seiner Tochter Valentina, dem Gehilfen Anton und dem kleinwüchsigen Percy betreibt der alte Mann eine klapprige Wanderbühne. Doch das dürftige Programm schafft es inzwischen nicht mehr, die Menschen zu begeistern. Stattdessen ernten die Gaukler Spott und Hohn. Dabei befindet sich auf der Bühne ein magischer Spiegel: Wer diesen durchschreitet landet in seiner ganz eigenen Phantasiewelt. Doch diese birgt auch Gefahren, wie einige Menschen, die in den Spiegel hineingehen, erfahren müssen. Eines Abends rettet die Truppe den jungen Mann Tony, der am Strick von der Brücke baumelt. Nachdem er wieder zu sich kommt, kann er sich nicht mal mehr an seinen Namen erinnern. Parnassus willigt ein, den Unbekannten aufzunehmen. Schnell entpuppt er sich als wahrer Charmeur und lockt so viele Menschen wie selten an die Wanderbühne. Das kommt dem alten Parnassus sehr gelegen, denn er hat gerade eine Wette mit dem Teufel abgeschlossen. Eigentlich muss er seinem dunklen Gegenspieler seine schöne Tochter überlasse, wenn sie in wenigen Tagen 16 Jahre alt wird. Doch wenn er es nun vor dem Teufel schafft, fünf Seelen zu fangen, darf er seine geliebte Tochter behalten. Kann er die Wette mit Tonis Hilfe gewinnen?
Das Erste, was in Zusammenhang mit Terry Gilliams neuem Film zur Sprache kommt, ist der Tod des Hauptdarstellers Heath Ledger, der genau in den Zeitraum der Dreharbeiten fiel. Gilliam war schwer erschüttert und stand bereits kurz davor, das Projekt zu begraben. Wie sollte ein Film auch ohne Hauptdarsteller fertig gestellt werden? Doch das Filmteam war kreativ, offensichtlich gab es die Überlegungen Heath durch ein ähnliches Double oder eine Computeranimation zu ersetzen. Glücklicherweise kam es nicht dazu, denn die mit Ledger befreundeten Schauspieler Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law sprangen ein. Ohne Gage sondern um Heath die letzte Ehre zu erweisen, schlüpfen sie in seine Rolle immer dann, wenn er das Spiegelkabinett des Dr. Parnassus betritt. Das bot sich deshalb an, weil die Szenen außerhalb fast vollständig abgedreht waren, als Heath verstarb, die Spiegelszenen hingegen noch weitgehend fehlten. So konnte das Filmprojekt beendet werden und das Ergebnis kann nun auf der Kinoleinwand begutachtet werden.
Wer den Film mit hohen Erwartungen ansieht wird aber höchstwahrscheinlich etwas enttäuscht wieder heraus kommen. Die märchenhaft und phantastisch anmutende Geschichte um den alten Parnassus und seinen Kampf gegen den Teufel, ist leider gar nicht so rund und mitreißend wie man hofft. Es gibt viele einzelne Handlungsstränge, die den Film leider überfrachten. Die Geschichte von Parnassus, sein ständiger Kampf gegen den Höllenfürst, das Geheimnis um seine Tochter, die phantastische Spiegelwelt und dann auch noch Tony und das Geheimnis um seine Identität und Bedeutung für die Handlung. Das alles kann gar nicht ausgereift sein, auch nicht bei zwei Stunden Filmlänge, und mixt sich stattdessen zu einem Gesamtkomplex der wenig Gelegenheit bietet, die Geschichte zu genießen. Die Special Effects in der Spiegelwelt überzeugen auch nicht, sondern erscheinen zu bunt und unecht. Die kleinen Auftritte von Depp, Law und Farrell sind zwar gelungen, aber gegen Ende fehlt der anhaltenden Transformation dieser Figur leider die Schlüssigkeit.
Dennoch darf man natürlich nicht vergessen, dass es eine Herausforderung war, den Film unter den herrschenden Bedingungen fertig zu stellen und kein Kritiker kann nun wissen, was Regisseur Gilliam durch den tragischen Vorfall am Drehbuch und Filmkonzept notgedrungen ändern musste. Geblieben ist ein Film mit guten Ideen und Ansätzen, engagierten Darstellern (wobei Johnny Depp trotz kleinster Ersatzrolle noch die beste Figur macht) und einer Menge Wehmut wegen Heath Ledger. Doch eine echte Perle ist dieser Film nicht geworden, dazu gibt es einfach zu viele Kritikpunkte. Das Engagement von Ledgers Schauspiel-Kollegen und Freunden, sowie der Einsatz von Regisseur Gilliam bleibt dennoch zu honorieren.
Das Kabinett des Dr. Parnassus läuft ab dem 07.Januar in den deutschen Kinos.
4 von 6 Sternen (****)
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Dezember 31, 2009 von cap82

Tiana ist jung, hübsch und warmherzig – aber eines ist sie nicht: eine Prinzessin. Ihre beste Freundin Charlotte ist zwar auch keine, aber lebt zumindest so. Während der reiche Vater Big Daddy ihr jeden Wunsch von den Augen abliest, muss Tiara hart arbeiten um ihren bescheidenen Verhältnissen zu entkommen. Sie schuftet Tag und Nacht und spart dabei jeden Cent um den Traum des verstorbenen Vaters zu verwirklichen: Ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Charlotte strebt nach ganz anderen Dingen: Ein waschechter Prinz kommt in die Stadt und sie wünscht sich nichts mehr, als ihn zu heiraten. Tatsächlich besucht der stattliche Prinz Naveen eine Party auf dem Anwesen von Charlottes Vater und scheint angetan. Keiner ahnt dass der echte Prinz kurz vorher einem hinterlistigen Vodoomeister aufgesessen ist und in einen Frosch verwandelt wurde. Erlösen kann ich nur der Kuss einer Prinzessin. Also setzt er alles daran seine menschliche Gestalt wieder zu erlangen. So sitzt er nun vor der überraschten Tiana, die er aufgrund eines Kostüms für die Prinzessin hält. Da er ihr anbietet, ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, überwindet sie sich zu einem Kuss und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie dadurch selbst in einen Frosch verwandelt wurde. Nun stehen zwei tollpatschige Frösche vor der Herausforderung ihres Lebens – den Zauber brechen und wieder zu Menschen werden…
Zwischen Animationen und computergenerierten Helden hat sich Disney Pictures, pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsfest, auf seine Wurzeln zurückbesonnen: Den traditionellen Trickfilm, wenn auch nicht mehr im Stil von Schneewittchen und Cinderella, sondern mit eingestreuten, eindrucksvollen Effekten. Pate steht die Geschichte vom Froschkönig, aber mit vielen Abwandlungen und neuen Elementen. Dabei bleibt die Geschichte überschaubar für Kinder, fächert sich gleichzeitig aber auch komplexer für Erwachsene auf. Fast schon einen Tick zu stark präsentiert sich die Moral der Geschichte. Es geht darum sich selbst zu erforschen, erwachsen zu werden, sein Glück zu finden und sich dabei nicht von unwichtigen Dingen täuschen zu lassen. Gleichzeitig wird illustriert dass Faulheit in Probleme führt und sich harte Arbeit auszahlt. Fast etwas viel des Guten, aber Disney bleibt sich eben treu wenn es darum geht, dass die Filme auch pädagogisch wertvoll sein sollen.
„Küss den Frosch“ ist gleichzeitig sehr unterhaltsam und zeigt einen schönen Humor – wieder sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Der Schauplatz New Orleans und die Abwesenheit einer waschechten Prinzessin bringen modernen Charme in die Handlung. Altbewährte Mittel sind die helfenden Gefährten, die den eigentlichen Helden mit Witz und kleinen Eigenheiten zur Seite stehen. In diesem Fall sind das ein Alligator, das gerne ein Mensch sein will um mit den „Großen des Jazz“ musizieren zu können und ein lispelndes Glühwürmchen, das glaubt in einem Morgenstern die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. An Ideen fehlt es den Filmemacher bei Disney also eindeutig nicht. Auch ein böser Gegenspieler, der böse Dr. Facilier, darf nicht fehlen, die Helden sind auf der anderen Seite nicht so vollkommen und immer gut wie in den klassischen Märchengeschichten. Der Prinz und auch Tiana müssen noch einiges lernen bevor sie in ihrem Leben wirklich glücklich und zufrieden werden können. Dass dies dann auch wirklich klappt, ist im wahren Leben nicht so sicher wie hier, aber das ist nun mal die märchenhafte Magie der Disneyfilme. Das alles wird gespickt mit Gesangs- und Tanzeinlagen in denen auch ein paar der bereits erwähnten Animationen und Effekte eingestreut werden.
Mit dieser neuen Produktion wurde ein modernes Märchen geschaffen, das ein altes Erfolgsrezept mit zeitgemäßen Elementen mixt um eine bezaubernde Geschichte zu schaffen. Für Groß und Klein eine wunderbare Gelegenheit sich für etwa 90 Minuten in den Kinosessel zu kuscheln und in eine andere Welt entführen zu lassen.
Küss den Frosch läuft bereits seit dem 10.Dezember in den deutschen Kinos.
5 von 6 Sternen (*****)
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