Drive (Kritik)

Januar 20, 2012

Filmplakat Drive

Handlung: Driver ist ein verschlossener Kerl, der sowohl die gefährliche Arbeit als Stuntman, als auch den illegalen Job als Fahrer bei Raubüberfällen ohne sichtbare Emotionen erledigt. Erst als er seine attraktive Nachbarin Irene und deren Sohn kennenlernt, taut er ein wenig auf. Er verliebt sich in sie, sieht sich aber bald damit konfrontiert, dass ihr Mann aus dem Gefängnis zurückkommt. Genau damit fängt der Ärger an, denn Driver kommt damit einem gefährlichen Komplott auf die Spur und gerät plötzlich in die Schusslinie.

Kritik: Was zunächst nach einer überschaubaren und simplen Handlung aussieht, verarbeitet der Regisseur Nicolas Winding Refn zu einer poetischen Bilderreise durch die Welt eines geheimnisvollen Helden. Doch so ganz geht das Konzept nicht auf: Im Mittelpunkt steht letztlich eine klassische Liebesgeschichte, die vielmehr über Bilder, als über Worte erzählt wird. Die 80er Jahre Musik bringt diese Bilder, oft mit wunderbar anzusehenden Kameraperspektiven und Kompositionen, gut herüber. Aber die ständige Sprachlosigkeit und die ausschweifenden Zeitlupensequenzen nehmen dem Film so viel Tempo, dass es stellenweise ins langweilige abgleitet und aller Natürlichkeit entbehrt. Allzu oft wünscht man sich etwas mehr Konversation, etwas mehr Kontext und auch etwas mehr Geschehnisse, denn als reines Kunstprodukt funktioniert der Film nicht – zumindest nicht durchgehend. Ryan Gosling scheint mit seinem melancholischen Blick perfekt für die Rolle des verschlossenen Eigenbrödler, der für die Liebe immer weiter geht. Doch dass er während der gesamten Handlung vielleicht zehn Sätze sagt, wird ihm doch nicht gerecht und fordert sein schauspielerisches Können nicht sonderlich. Auch die weibliche Hauptdarstellerin Carey Mulligan muss vor allem zuckersüß grinsen. Vielleicht liegt die Kunst hier im gekonnten Schweigen und angemessen gucken.
Die Handlung verspricht zunächst einen Actionfilm mit Verfolgungsjagden und Stunts ohne Ende. Dass es dann doch „nur“ auf ein paar harte Gewaltszenen hinausläuft, muss kein Nachteil sein, aber dafür hätte das Vorgeplänkel eigentlich gar nicht sein müssen. Auch der Nebenstrang mit Drivers möglicher Rennfahrer-Karriere ist wohl nur dazu gedacht, anzudeuten, was er opfert, um Irene zu beschützen. Andererseits schien ihm an dieser zweiten Karriere sowieso nicht viel zu liegen (oder er konnte es einfach nicht zeigen). Ebenfalls ungewohnt für den Zuschauer ist der oft sehr plötzliche Wechsel zwischen künstlerisch gehaltvollen Bildkompositionen und unvermittelter Gewalt, was sich gegen Ende immer mehr ballt. Denn Letzteres hat dann so gar kein Esprit mehr, sondern ist von niveaulosem Rumgeschimpfe geprägt. In eben diesen Szenen darf sich dann Hellboy-Darsteller Ron Perlman austoben. Vielleicht hat Winding Refn das genauso beabsichtigt, aber es hinterlässt einfach ein komisches Gefühl und die unbeantwortete Frage, was dieser Film nun vermitteln soll.
Sicherlich hat „Drive“ ein paar sehenswerte, schöne Szenen und Bilder zu bieten, aber andere Dinge überzeugen wieder gar nicht. Wenn ein Film und die Hauptfigur schon „Drive“(r) heißen, dann sollte der Film genau das auch besitzen. An dem mangelt es aber immer wieder und da ändert auch ein Ryan Gosling nichts dran, der ähnlich einem einsamen Cowboy auf der Durchreise, Härte und Sanftheit vereint, wie es so manche Filmfiguren bereits berühmt gemacht hat. Man denke nur an Auftragskiller „Leon der Profi“. Der Regisseur wollte einfach etwas zuviel und hätte sich vielleicht auf eines konzentrieren sollen: Das künstlerisch ansprechende Filmkunstwerk oder einen harten Actionfilm, mit einer stringenten Handlung. „Drive“ ist eine inkonsequente Mischung daraus mit klugen und sehenswerten Ansätzen, aber auch ein paar gravierenden Mängeln, die das Filmerlebnis schmälern.

3 von 6 Sternen ***

„Drive“ startet am 26. Januar 2012 in den deutschen Kinos


Ziemlich beste Freunde (Kritik)

Januar 5, 2012

Filmplakat Ziemlich beste Freunde

Handlung: Der Millionär Phillippe ist seit einem Sportunfall vom Hals abwärts gelähmt. Nun sucht er einen neuen Pfleger, der rund um die Uhr für ihn da ist und sich um seine Belange kümmert. Aus den Bewerbern sticht einer heraus: Driss ist ein Schwarzer mit losem Mundwerk, der nur kommt, um sich eine Unterschrift für das Arbeitsamt abzuholen. Doch Phillippe stellt ihn ein – auf Probe, und er merkt schnell was er an dem jungen Mann hat: Endlich mal jemand, der kein Mitleid mit ihm hat und ihn behandelt, wie einen Freund, nicht wie einen armen Patienten.

Kritik: Der Film „Ziemlich beste Freunde“, der im Produktionsland Frankreich bereits ein enormer Erfolg geworden ist, findet nun auch den Weg in die deutschen Kinos. Nach Filmen wie „Willkommen bei den Sch´tis“ oder „Nichts zu verzollen“ geht es hier aber nicht um landestypische Probleme oder Schauplätze, sondern um eine Geschichte, die sich überall auf der Welt abspielen könnte und noch dazu auf wahren Begebenheiten beruht. Die Freundschaft zwischen dem Millionär und dem Schwarzen aus bescheidenen Verhältnissen, der gerade frisch aus dem Gefängnis kommt, wird als wunderbare Komödie aufbereitet. Wer Angst davor hat, dass ständig auf die Tränendrüse gedrückt wird, weil eine der Hauptfiguren mit seinem schweren Schicksal hadert, der sei beruhigt: Denn darum geht es ganz und gar nicht. Stattdessen versprühen die beiden Protagonisten, hervorragend gespielt von Francois Cluzet und dem Neustar Omar Sy, Lebensfreude, was gerade in Hinblick auf ihr schwieriges Leben, bewundernswert ist. Während Phillippe ohne fremde Hilfe völlig aufgeschmissen ist, versucht Driss auf seine Geschwister zu achten – obwohl seine Mutter sich enttäuscht von ihm abgewandt hat. Dennoch meistern die beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihre Situation. Dabei entstehen viele komische Situationen, zum Teil auch mit soviel Galgenhumor, dass einem das offene Lachen schwer fällt. Denn über eine schwere Behinderung lacht man nicht, so denkt man zumindest. Der Film lehrt etwas anderes und ändert damit die Perspektive. Die eigentliche Botschaft ist, dass jeder, egal in welcher Lage er sich befindet, etwas aus seinem Leben machen kann. Schöner, witziger und warmherziger wurde eine solch einfache Lehre selten filmisch verpackt, wie in „Ziemlich beste Freunde“.

Der Film startet am 5. Januar 2012 in den deutschen Kinos.

5 von 6 Sternen. (*****)

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Shark Night 3D (Kritik)

Dezember 4, 2011

Filmposter Shark Night 3D

Handlung: Eine Truppe junger, hübscher und gut gelaunter Leute macht sich auf den Weg an einen einsamen Ort. Was sie wollen: Party machen und eine lockere Zeit ohne Sorgen verbringen. Doch was sie erwartet, ist der blanke Horror. Diese Beschreibung der Grundhandlung passt zu einer ganzen Menge von Filmen. Der, um den es sich hier dreht, heißt „Shark Night 3D“ und erfreut die Zuschauer, wie der Titel schon verrät, mit 3D-Technik.

Kritik: Der Handlung ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer dass sich der Horror hier in Form von blutrünstigen Haien entfaltet. Die schwimmen in einem großen See umher – warum das so ist, wird im Laufe des Filmes noch enträtselt – und minimieren die jungen Party-People nach und nach immer mehr. So Splatter-lastig wie beispielsweise in „Piranha 3D“ geht es hier allerdings nicht zu, was vielleicht an der FSK 16-Freigabe liegt. Außer blutigem Wasser und hektischer Kamerafahrt beim Hai-Angriff gibt es nicht viel zu sehen. Auch an der Story hapert es und die Wirksamkeit des 3D-Effekts wird dadurch geschmälert, dass die Haie ziemlich animiert aussehen und daher wenig Angst machen. Alles in allem also kein besonders sehenswerter Film, sondern eher ein unter dem Durchschnitt liegender und harmloser Teenie-Horrorstreifen.

Der Film startete am 1. Dezember 2011 in den deutschen Kinos.

1 von 6 Sternen (*)

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Jane Eyre (Kritik)

November 30, 2011

Filmplakat Jane Eyre

Handlung: Die kleine Jane hat es nicht leicht: Als Waisenkind lebt sie bei ihrer strengen Tante und dessen Sohn, der seine Cousine Jane am liebsten tyrannisiert. Schließlich reicht es der ignoranten Tante und Jane kommt in ein Waisenhaus, wo Strenge und Gewalt vorherrschen. Doch das Mädchen lässt sich nicht unterkriegen und träumt auch als junge Erwachsene von Selbstbestimmtheit und davon, die ganze Welt zu sehen. Als Frau hat sie es mit diesen Wünschen aber wesentlich schwerer als ein Mann und kommt daher als 19-jährige zunächst als Gouvernante auf das Anwesen des reichen Landlord Edward Fairfax.

Kritik: Um diese schwierige Liebe dreht sich nun die neuste Verfilmung des alten Romanstoffes von Regisseur Cary Fukunaga. Die Hauptrolle spielt Mia Wasikowska. Wem sie bekannt vorkommt: Sie spielte bereits die „Alice im Wunderland“ mit Johnny Depp als verrücktem Hutmacher an ihrer Seite. Ihre Darstellung der gebeutelten Jane Eyre ist gar nicht mal so schlecht, und auch Michael Fassbender gibt den geheimnisvollen Lord glaubwürdig. Woran es in dieser Literaturverfilmung vor allem hapert, ist die Geschichte: Zunächst begegnet die Hauptfigur dem Zuschauer als kämpferische Frau, die in einer Szene davon spricht, dass sie tun will, was zu der gegebenen Zeit nur Männer durften.
Doch im weiteren Filmverlauf – insgesamt handelt es sich immerhin um zwei Stunden – bleibt davon leider nicht viel übrig.  Stattdessen geht eine Liebesgeschichte los, bei der man sich schnell zu fragen beginnt: Hat das den Weg auf die Filmleinwand verdient? Denn etwas außergewöhnliches ist dieses Hin und Her nicht. Dazu kommt dann auch noch ein dunkles Geheimnis, dass sich erst mit der Zeit offenbart und noch mehr Fragwürdigkeiten heraufbeschwört. Wenn der Roman das alles so vorsieht, dann kann das dem Film natürlich nur indirekt angelastet werden. Andererseits spricht auch nichts dagegen sich dem Stoff von Autorin Charlotte Bronte aus dem 19. Jahrhundert neu zu widmen, ihm eine klarere Richtung zu geben.
Doch stattdessen ist daraus ein Liebesfilm mit enttäuschenden Mysterie-Elementen geworden, der nicht die Emanzipation einer jungen Frau zeigt – so wie es anfangs den Eindruck erweckt – sondern lediglich, wie sich gerade jene naiv einer Liebschaft hingibt, die sie wegführt von allem was sie als selbstständige Frau hätte auszeichnen können. Zugute halten kann man „Jane Eyre“ eine düstere Grundstimmung, gepaart mit einer trüben Kulisse, die die eingeschränkte und verlassene Welt der Hauptfigur prima abbildet. Mia Wasikowska, der die kindlich unschuldige Optik einfach in die Wiege gelegt wurde, kann dieser Rolle nicht mehr viel anfügen und so fällt der Gang aus dem Kino hinaus sehr ernüchternd aus.

Der Film „Jane Eyre“ startet am 1. Dezember in den deutschen Kinos.

2 von 6 Sternen (**)

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Der Gott des Gemetzels (Kritik)

November 22, 2011

Filmplakat Der Gott des Gemetzels

Zwei Jungs sind im Park aneinander geraten, einer von ihnen holt Schwung und erwischt den anderen mit einem Stock. Er schlägt ihm zwei Zähne aus. Diese Szene eröffnet den neuen Roman-Polanski Film und bietet die Grundlage, auf der sich vier New Yorker kennen lernen. Penelope und Michael Longstreet sind die Eltern des verletzten Jungen, Nancy und Alan Cowan die Eltern des Kindes, das den Stock geschwungen hat. Zunächst scheint es eine gütliche und ruhige Einigung für den Vorfall zu geben, doch nach und nach erhitzen sich die Gemüter immer weiter. Kate Winslet, Jodie Foster, John C. Reilly und Hollywoods neuer Liebling Christoph Waltz entfalten in diesem Reigen, dass fast ausschließlich in der Wohnung der Longstreets spielt, eine wunderbar unterhaltsame Kontroverse. Die höfliche Fassade der Paare bröckelt immer mehr, und als dann auch noch Alkohol ins Spiel kommt, fallen die Hemmungen zusehends. Die schauspielerische Leistung der vier einzigen Darsteller wird hier besonders deutlich, denn das allein trägt den Film. Es ist dem Plot anzumerken, dass er auf ein Theaterstück beruht, doch auch auf der Leinwand funktioniert diese einfache Geschichte, die doch eine Menge Gesellschaftskritik offenbart. Zur Sache geht es vor allem bei den Ehepaaren untereinander, die immer mehr aneinander auszusetzen haben. Doch sicherlich finden sich viele auch ein Stück weit selbst in den Figuren wieder, denn ins Absurde driftet „Der Gott des Gemetzels“ nie ab. Vor allem Waltz als Dauertelefonierer könnte nicht mehr aus dem Leben gegriffen sein und wenn die übrigen geduldig darauf warten, dass er sein Gespräch beendet und wieder mit von der Partie ist, dann ist das Situationskomik vom Feinsten.

„Der Gott des Gemetzels“ startet am 24. November in den deutschen Kinos

5 von 6 Sternen (*****)

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Midnight in Paris (Kritik)

August 10, 2011

Filmplakat Midnight in Paris

Handlung: Das amerikanische Pärchen Gil und Inez verbringt einen Urlaub in Paris. Während die verwöhnte Inez vor allem shoppen, gut essen und feiern gehen will, zieht es Gil vor allem in die versteckten Ecken, wo er die Schönheit der Stadt erkunden will. Als Inez dann auch noch zwei alte Bekannte trifft, mit denen Gil wenig anfangen kann, macht er alleine einen Spaziergang durch die Straßen von Paris. Plötzlich hält ein altes Auto vor ihm und bringt ihn auf wundersame Weise in das Paris der 20er Jahre. Der verdutzte Gil lernt berühmte Persönlichkeiten wie Hemingway, die Fitzgeralds und Picasso kennen. Er verliebt sich immer mehr in die alte Welt des blühenden Paris und entfernt sich immer weiter von seiner Verlobten und der Gegenwart.

Kritik: 50 Filme, 21 Oscarnominierungen und drei Oscargewinne – das ist die bisheriger Bilanz die Woody Allen aus seinem filmischen Schaffen ziehen kann. Ein unumstrittener Regisseur ist er nicht gerade und dennoch – oder gerade deshalb – gilt es in Hollywood als Ehre, für einen seiner Filme ausgewählt zu werden und eine Hauptrolle übernehmen zu können. Dieses Glück hatten nun Owen Wilson – eher bekannt für Komödien und Klaumaukstreifen – und Rachel McAdams, die in „Midnight in Paris“ als Pärchen auftreten dürfen. Wilson wurde offensichtlich bewusst gewählt, denn seine schelmische Art gibt dem Film eine ungeahnte Leichtigkeit. Allen entwirft ein filmisches Loblied auf Paris und vermischt dazu Phantasie mit Realität. Dadurch entsteht ein witziger und sehr unterhaltsamer Film, in dem auch eine Menge Gaststars Platz finden wie Kathy Bates als Gertrud Stein und Adrien Brody als Salvador Dali. Marion Cotillard ist bezaubernd als Adriana, die Gil mit ihrer süßen Art in einen Bann zieht. Die nächtlichen Reisen ins vergangene Paris stehen im Kontrast zu den Tagen in der Gegenwart – dieses Spiel wird noch erweitert, durch einen Besuch von Gil und Adriana in einer noch weiter zurückliegenden Pariser Epoche. Erst dadurch sieht Gil klarer und findet endlich zu sich selbst. Woody Allen schuf mit „Midnight in Paris“ eine sommerlich, leichte Komödie, die zwar Denkanstösse gibt, die sich aber niemandem aufzwingen. Hier wird kein Drama inszeniert und niemand stürzt ins Unglück. Das kann man als oberflächlich bezeichnen – immerhin ist auch die Suche einer Filmfigur nach sich selbst nichts neues. Dass die Figuren erst begreifen, was der Zuschauer schon nach den ersten 15 Minuten raus hat, ist auch eher gewöhnlich, wird hier aber so unterhaltsam und nett verpackt, dass es nicht weiter stört. Die Hommage an die Stadt der Liebe ist gelungen und bietet wunderbaren Filmgenuss.

„Midnight in Paris“ startet am 18. August in den deutschen Kinos

5 von 6 Sternen (*****)

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