Film | Lincoln (Kritik + Trailer)

Lincoln Poster

Handlung: Ende 1864: Abraham Lincoln ist gerade erst in eine weitere Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt worden. Leicht hat er es auf seinem hohen Posten nicht, denn seit nunmehr drei Jahren tobt der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten. Einer der Gründe ist die Sklaverei und genau da setzt Lincoln an: Er will sie abschaffen. Doch damit stößt er auf große Ablehnung, sogar bei den Parteigenossen. Doch der Präsident setzt sich unermüdlich dafür ein, dass Schwarze endlich freie Menschen sind und nicht mehr das Eigentum der Weißen. Nur wenige Wochen bleiben ihm für eine Mehrheit im Parlament. Um überhaupt eine Chance zu haben, schreckt er auch vor unerlaubten Mitteln nicht zurück. Hinter den Kulissen der denkwürdigen Abstimmung muss Lincoln all seine Kraft und Überzeugungsarbeit aufwarten und sogar das vorzeitige Ende des Krieges abwenden. Daneben macht ihm auch die Familie das Leben nicht leicht: Sein Sohn Robert möchte unbedingt Kriegsdienst leisten, Lincolns labile Frau will das aber nicht zulassen und setzt ihren Mann zusätzlich unter Druck.

Kritik: Vor mehr als zehn Jahren plante Regisseur Steven Spielberg bereits, einen Film über Lincoln, den 16. Präsident der USA zu machen. Nach vielen Verzögerungen und genauer Terminauswahl kommt das historische Politdrama nun endlich ins Kino – zufällig so, dass es für die Jurys des Golden Globe und des Oscars ins Blickfeld geriet. Im Fokus stehen nicht so sehr die Kriegshandlungen (auch wenn man nach Spielberg-Filmen wie „Der Soldat James Ryan“ darauf hätte spekulieren können) und der Zustand des Landes, sondern Lincolns Kampf um die Abschaffung der Sklaverei. Dazu wird der Zuschauer umgehend in das Weiße Haus geschickt, der Haupthandlungsort dieses Filmes. Der gealterte und zerbrechlich wirkende Präsident, authentisch gespielt von Daniel Day Lewis, nutzt sein Talent zum Reden, um sowohl die Republikaner, als auch die gegnerischen Demokraten zu überzeugen. Doch er scheint gegen Windmühlen zu kämpfen, denn ständig bläst ihm harter Wind ins Gesicht. Die Gestaltung dieses Konflikts ist keine leichte Kost und vor allem der prompte Einstieg in das Lamentieren wirkt zunächst ermüdend und dröge. Erst allmählich bekommt man ein ungefähres Gefühl für die problematische Lage, wobei der Handlungsverlauf für US-Amerikaner und bewanderte Historiker sicher noch einen größeren Reiz ausmacht, als für diejenigen, der sich in US-amerikanischer Geschichte nicht so gut auskennen.

Sachlich gesehen, arbeitet Spielberg ein wichtiges Stück amerikanischer Geschichte auf, denn wie es dazu kam, dass die Sklaverei 1865 abgeschafft wurde, ist sicherlich interessant. Ein filmisches und durchgehend packendes Meisterwerk ist dem Routinier hinter der Kamera allerdings nicht gelungen. Auch wenn Daniel Day Lewis dem abgekämpften und dennoch gutherzigen Menschenfreund Lincoln viel Ausdruck verleiht und Tommy Lee Jones in seiner mürrischen Nebenrolle echte Glanzpunkte setzt, hapert es ein wenig an der Dramaturgie. Lincoln soll offenbar nicht nur als Politiker, sondern auch als Familienoberhaupt zur Geltung kommen. Allerdings wird dieser Aspekt dazu viel zu stiefmütterlich behandelt und es ist schade, dass Joseph Gordon-Levitt („500 Days of Summer“) dabei als Sohn Robert nur kleine Auftritte bekommen hat. Sally Field legt ihrerseits alle Hingabe in die Rolle der Ehefrau Molly, die immer wieder am Rand des Wahnsinns wandelt und sich theatralisch vor ihrem Mann gehen lässt. Weniger wäre hier letztlich mehr gewesen. „Lincoln“ ist die Charakterstudie eines einzelnen Menschen und das zu einer Zeit, als er seinen wichtigsten aber auch am schwersten zu erreichenden politischen Triumph hatte. Inhaltlich ist das zwar bedeutsam, aber für ein packendes Kinoabenteuer hapert es doch an der einen oder anderen Stelle. Ein Oscarregen am 24. Februar wäre daher wohl nicht gerechtfertigt und ist angesichts der Schlappe beim Golden Globe (ein Gewinn bei sieben Nominierungen) wohl sowieso schon etwas in die Ferne gerückt.

3.5 Sterne

Kinostart: 24. Januar 2013

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: 20th Century Fox

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2 Antworten zu Film | Lincoln (Kritik + Trailer)

  1. [...] will be blood“ auf sich aufmerksam und verhalf Daniel Day Lewis (dieses Jahr mit seiner Rolle in „Lincoln“ im Oscar-Rennen dabei) damit zum Oscar für die beste männliche Hauptrolle. Mit seinem neusten [...]

  2. […] Scorsese produzierte, in den Hauptrollen sind Robert de Niro als Ex-Mafioso und Tommy Lee Jones („Lincoln“) als mürrischer Agent sowie Michelle Pfeiffer („Dark Shadow“) als „Gangsterbraut“ zu […]

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