Das Kinoabenteuer abseits des Filmes

Kino ist immer wieder ein Erlebnis – und das auch wenn man den Film, der auf der Leinwand spielt, mal vollkommen außen vor lässt. Denn wer sich umschaut oder zuhört, der bekommt genug andere unterhaltsame, nervige oder irritierende Dinge mit. Plötzlich aufleuchtende Handys, knisternde Tüten und Popcorn-Mampf-Geräusche sind da schon Routine und immer anzutreffen. Auch die vielen kleinen Unterhaltungen und Kommentare zum Filmgeschehen sind nahezu unerlässlich geworden. Was wäre schon eine Komödie ohne den wertvollen Satz: „Das ist ja witzig“ oder ein Horrorfilm ohne „Bah, wie ecklig“.

Irgendwie kommt es immer wieder vor, dass Frauen in Splatterfilme gehen obwohl sie kein Blut sehen können, bei Thrillern nur noch wegsehen weil ihnen alles zu unheimlich ist oder den neusten Hollywood-Action-Kracher viel zu brutal und oberflächlich finden. Andererseits verirren sich Männer auch gerne mal in Romantik-Filme und stellen fest, wie schnulzig und überflüssig sie die Handlung finden. Plötzliche Schnarchgeräusche einsamer Kinogänger oder Heulattacken bei kleinen Kindern, denen der Zeichentrickfilm doch zu unheimlich ist – alles schon erlebt.
Jüngst packten meine Sitznachbarn Gläser – um nicht zu sagen kunstvolle Karaffen – und eine Sektflasche aus, um zu Filmbeginn erstmal auf den schönen Abend anzustoßen. Regelmäßig geräuschvolles Nachschenken mit Gläser klappen und sprudelndem Prickelwasser inklusive. Nun ja, wer will sich nicht auch im Kino fühlen wie ein Promi. Manche sehen den Saal da schon eher als vergrößertes Wohnzimmer, wo Beine hochlegen und Schuhe ausziehen zur Normalität gehört. Egal wenn die stinkenden Käsefüße den Zuschauern in der Reihe davor ins Gesichtsfeld ragen.

Aber ob nun schicke Feiergesellschaft oder lümmelnde Normalos – wer ein und denselben Film zur gleichen Zeit im gleichen Kino besucht muss sich mit den Mitzuschauern arrangieren und dabei auch hinnehmen wenn er allerhand Geräusche oder Gerüche dabei ertragen muss. Wenn die Person hinter einem auch noch fehlende Beinfreiheit und einen gleichzeitigen Drang zu häufig wechselnder Sitzposition hat, kommt auch noch hinzu, dass man in regelmäßigen Abständen dumpfe Schläge in den Rücken abbekommt. Auch eine Art sich ständig vergewissern zu können, dass man nicht alleine im Kinosaal ist. Wer sich beschwert ist überempfindlich, also hinnehmen und den gezeigten Film trotz all der Nebeneffekte genießen. Erweist dieser sich als all zu schlecht, bietet das Drumherum vor der Leinwand aber jede Menge Ablenkungsmöglichkeiten. Zuletzt ein Tipp: Mal weit vorne im Kino Platz nehmen und während des Filmes nach hinten in die Scharr der Zuschauer sehen. Wahlweise Grimassen schneiden oder mit dem Finger auf Einzelne zeigen. Das merkt garantiert keiner, stattdessen schaut man in völlig vertiefte Gesichter, die wie gebannt auf den gleichen Punkt blicken. Das ist (fast) jede nervtötende Begleiterscheinung des Kinobesuches wert.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s