Studium – und nun?? Der ungeahnt harte Kampf der Uniabsolventen auf dem Arbeitsmarkt

Wirtschaftskrise ist dieses Jahr das große Zauberwort, da es in irgendeiner Hinsicht alle was angeht. Vom Konzernchef bis zur Hausfrau. Ich bin weder das Eine noch das Andere, sondern ich bin Uni-Absolventin mit dem klangvollen Titel „Magistra Artium“ kurz M.A. Nach einigen Jahren büffeln und noch mal büffeln habe ich es geschafft – und mit mir noch eine Reihe anderer Mitstudenten, jetzigen Mitabsolventen. Auch wenn das Klischee vom gemütlichen Langzeitstudenten, der sich ganz viel Zeit zum Studieren nimmt und mit 6 SWS schon arg ausgelastet ist, auf einen gewissen Prozentsatz zutreffen mag, es gibt auch Gegenbeispiele: Eine Hausarbeit nach der Anderen, Referate halten, auf Seminare vorbereiten, zum Ende hin der Prüfungsstress und zwischendurch viel nebenbei arbeiten um sich den teuren Spaß auch leisten zu können – da bleibt wenig Zeit für Gemütlichkeit, Faulheit oder Party ohne Ende. Tja, und wozu der Ehrgeiz? In unserem Fall um mitten in der Wirtschaftskrise zu landen – und auch Absolventen machen in dieser Zeit viele bedenkliche Erfahrungen.

Beim Arbeitsamt

Ein fürsorglicher Besuch beim Arbeitsamt gibt einem zunächst das Gefühl an einem schlimmen Ort zu sein. Man fühlt sich fast wie ein Schwerverbrecher weil man etwas Hilfe in Anspruch nehmen will – aber nun gut, dafür können die Mitarbeiter dieser Einrichtung nichts. Mit Vorliebe erstellt ein zugewiesener Berater ein detailliertes Profil mit Fähigkeiten, Werdegang und Arbeitswünschen. Das alles aber nur, damit man schließlich gesagt bekommt (mehr hinter vorgehaltener Hand) dass es für diesen speziellen Bereich gar keine Angebote hier gibt. Na danke schön.

Stellenanzeigen

Also heißt es Zeitungen und Internetportale nach Stellenangeboten durchforsten. Unerwarteterweise bewerben sich auf diese heißbegehrten Jobs wahre Fluten von Bewerbern – und Einer besser als der Andere. Denn aufgrund der schlechten Lage bewerben sich nun auch Menschen auf Jobs, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Getreu dem Motto: „Jeder nimmt was er kriegen kann“ beginnt eine wahre Schlacht auf die wenigen brauchbaren Stellen und dementsprechend bleiben Neulinge, die frisch von der Uni kommen, total auf der Strecke. Da bringen auch erste Praktika und Nebenjoberfahrungen im Bereich nichts. Traurig aber wahr.

Vorstellungsgespräche

Wenn es dann ausnahmsweise doch mal zu einem Vorstellungsgespräch reicht erwarten einen nur selten lockere Gespräche. Es geht hart zur Sache. Da muss der Werdegang auch dreimal hintereinander verschiedenen Kollegen erzählt werden, weil nicht alle auf einmal Zeit für dich haben oder man sitzt direkt mit 3 Mitbewerbern am Tisch. Natürlich vollkommen ohne Konkurrenzdruck muss jeder für sich in begrenzter Zeit schriftliche Aufgaben lösen.
Eine wunderbare Situation – wohlgemerkt sind wir damit nur eine von 4 Bewerbergruppen.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Während ich bei der Suche nach richtigen Vollzeitjobs geblieben bin, sieht es bei meinen ehemaligen Studienkollegen schon anders aus. Aufgrund diverser Horrorgeschichten bewerben Sie sich von vorneherein lediglich auf Praktika. Aber selbst da sieht es düster aus und man wird aufgrund der starken Konkurrenz tatsächlich dazu gezwungen völlig unentgeldlich zu arbeiten und nicht mal hohe Fahrtkosten erstattet zu bekommen. Wenn dann die berechtigte Frage kommt, ob man wenigstens mal frei haben oder früher gehen dürfte um in einem Nebenjob etwas Geld zum überleben zu verdienen, erwarten einen große Augen und wenig bis gar kein Verständnis.

Andere Bekannte erhalten nicht einmal auf Bewerbungen für kleine Praktika-Stellen eine Reaktion. Eine zutiefst beunruhigende Situation. Niemand von uns wird wohl verlangen sofort nach dem Studium der Großverdiener zu werden, dem die Jobangebote nur so zufliegen – Konkurrenz gab es schließlich immer. Aber die Tatsache, dass man trotz eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums kaum einen Chance auf einen Praktikumsplatz geschweige denn auf einen festen Job in dem Bereich hat, in dem man gerne arbeiten möchte, sollte stark zu denken geben. So steckt man in einer Lücke, denn ohne den Status eines Studenten hat man kein Anrecht auf einen vergünstigten Krankenkassenbeitrag, die Befreiung von der GEZ und das Semesterticket fällt ebenfalls flach. Ebenso ist die Suche nach Nebenjobs arg erschwert wenn man nicht mehr immatrikuliert ist. Die aufgebauten Ersparnisse machen Arbeitslosengeld unmöglich und so steckt man in der Falle – sofern man keine reichen Eltern hat.
Wie sind wir auch nur auf die Idee gekommen, dass wir nach jahrelanger Investition ins Studium nun auch mal ein bisschen Geld verdienen und dabei ins Berufsleben einsteigen wollen. Es ist ein großes Dilemma, dass mich nicht nur deprimiert, sondern auch richtig wütend macht!

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