Film | Die Standesbeamtin (Kritik)

standesbeamtin

Handlung: Rahel Hubli vermählt als Standesbeamtin Tag für Tag glücklich verliebte Paare. Doch sie selbst glaubt schon lange nicht mehr an die große Liebe. In dem idyllischen Schweizer Städtchen führt sie einen eintönigen Alltag und kümmert sich so gut es geht um ihren Sohn. Doch in der Ehe mit ihrem Mann Thomas ist schon seit einiger Zeit der Wurm drin. Umso mehr freut sich Rahel über das Wiedersehen mit ihrem Jugendfreund Ben, der inzwischen ein bekannter Musiker geworden ist. Aber nicht nur das: Er hat seine Freundin Tinka – eine prominente Schauspielerin – direkt mitgebracht und die Beiden eröffnen Rahel schon bald was sie vor allem in die Schweiz führt: Eine familiäre Hochzeit abseits der Öffentlichkeit und des Blitzlichtgewitters – und sie soll die Trauung vollziehen. Für die Standesbeamtin nicht leicht, spürt sie doch, dass sie für Ben nicht nur freundschaftliche Gefühle hegt. Als sie auch noch von ihrem Chef, Gemeindepräsident Morger dazu gedrängt wird auch bei den Vorbereitungen mitzuhelfen, gibt es kaum noch eine Möglichkeit dem Jugendfreund aus dem Weg zu gehen. Stattdessen erinnern sich die Beiden an alte Zeiten, in denen sie zusammen als „Raben“ in einer Band gespielt und gesungen haben. Empfindet auch Ben noch mehr für Rahel als er zunächst gedacht hat? Oder wird er sich von ihr lediglich mit seiner Freundin Tinka verheiraten lassen?

Kritik: Nach seinem Regiedebüt „Der Freund“ – ein Drama von 2008 das neben dem Schweizer Filmpreis sogar eine Oskarnominierung erhielt – überrascht Micha Lewinsky sein Publikum dieses Jahr mit einer Liebeskomödie. „Ich hatte schon immer Lust, einmal einen Film dieses Genres zu machen. Diese Filme sehen ganz einfach aus und sind handwerklich doch unglaublich komplex“ sagt er in einem Interview. Die Komplexität der Themen Liebe und Gefühle bringt der Film tatsächlich sehr nahe. Stück für Stück taucht der Zuschauer in das Leben der Hauptfigur Rahel ein und sieht sich mit der harten Realität konfrontiert. Eine Standesbeamtin die jeden Tag von glücklichen Paaren umgeben ist und ihren schönsten Tag begleiten darf, die aber dennoch unglücklich ist. Die bisher eher theatererprobte Marie Leuenberger spielt diese Rolle tadellos. Auch Dominique Jann überzeugt mit seinem Charme des jungen Wilden. Eine zerrüttete Ehe einerseits und eine scheinbar glückliche Beziehung kurz vor dem Weg zum Standesamt, das bietet hier Stoff für ein wahres Gefühlswirrwarr. Was dabei zu erwähnen ist: Die Handlung ist noch lange nicht so vorhersehbar wie viele Hollywood-Kitschfilme. Das mag daran liegen, dass die Geschichte nah am Leben ist und daher nimmt man den Figuren auch ab was sie sagen und wie sie handeln. Dabei gibt es sowohl lustige als auch traurige Momente und unwillkürlich stellt sich die Frage wie das Ganze ausgeht und wer mit wem glücklich wird. Bei einer gut gelungenen Mischung aus Humor, Romantik und Tragik ist „Die Standesbeamtin“ eine erfrischende Komödie ohne Längen. Freunde des Genres werden sich unterhalten fühlen, ohne Untertitel aber vielleicht einige Probleme mit dem Schweizer Dialekt haben.
Der Film startet am Donnerstag, den 29.10. in den deutschen Lichtspielhäusern.

3 Sterne

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