Film | Tannöd (Kritik)

Handlung: Abgelegenen im tiefsten Tannenwald liegt ein kleines Dorf und noch etwas weiter abseits liegt der Tannödhof. Eines Nachts ereignet sich dort eine wahre Horrortat: Alle Familienmitglieder sowie die neue Magd werden mit der Spitzhacke ermordet – der Täter entkommt unerkannt. Seitdem ist der Hof verwaist und das Dorf gilt als Ort, in dem ein brutaler Mörder auf neue Opfer lauert. Zwei Jahre später kommt die 26-jährige Altenpflegerin Kathrin in das Dorf. Ihre Mutter, Magd am Hof neben dem Tannödanwesen, ist kürzlich verstorben und wird nun beerdigt. Kathrin bekommt schnell mit, dass die Tannödmorde immer noch ein großes Thema unter den Bewohnern sind, Beschuldigungen und wilde Spekulationen inklusive. Gleichzeitig deckt sie aber auch immer mehr Details zur Tannödfamilie und den Mordtag auf. Der Hofbesitzer war ein geiziger Tyrann, der mit niemandem auskam und angeblich sogar der Vater von den beiden Kindern seiner Tochter Barbara war. Die Morde haben daher nur die wenigsten berührt – was die Suche nach dem Täter nicht gerade erleichtert. Viele hätten ein Motiv gehabt, aber wer wäre zu so einer Bluttat fähig? Diese Frage stellt sich auch Kathrin, die nach und nach auf immer mehr Geheimnisse stößt.

Kritik: Ein dunkler Wald, ein abgelegenes Haus und Geheimnisse in jeder Ecke. Erinnert an ein düsteres Märchen? Auf den ersten Blick ergeben sich da sogar Assoziationen: Kathrin ist wie das tapfere Rotkäppchen, das sich durch ein gefährliches Dickicht kämpft und den bösen Wolf gibt es auch. Allerdings ist er – der Tannödhof-Besitzer – bereits tot. Also kann er dem Rotkäppchen nichts mehr anhaben. Oder etwa doch? Regisseurin Bettina Oberli inszenierte mit „Tannöd“ einen atmosphärisch dichten Krimi mit einer gelungenen, düsteren Atmosphäre, die von Anfang bis Ende anhält. Nachdem sich in den ersten Minuten des Films die Morde am Tannödhof ereignen, springt die Handlung zwei Jahre weiter und setzt bei der Ankunft Kathrins wieder ein. Ab nun pendelt der Zuschauer zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her und dabei beantworten sich langsam alle Fragen. Wie bei einem Puzzle fügen sich die Stücke langsam zusammen. Das ist hier nicht nur spannend, sondern auch gut umgesetzt. Julia Jentsch spielt ordentlich, allerdings wird ihr in dieser Rolle nicht allzu viel abverlangt. Monika Bleibtreu ist hier in Ihrem letzten Film als resolute Traudl Krieger zu sehen, die mit ihren wilden Verdächtigungen Unmut stiftet. Da es deutschen Produktionen erfahrungsgemäß schwer fällt im Genre Thriller zu punkten, ist dieser hervorzuheben. Trotz bayerischem Dialekt und Provinzflair schafft es dieser Film die Romanvorlage von Andrea Maria Schenkel gelungen umzusetzen. Die Tatsache dass es sich um einen wahren Mordfall handelt, der nie aufgelöst wurde, macht die Geschichte nur noch geheimnisvoller. Wer also Lust auf einen Kinoabend mit Rätsel raten, erschrecken und ein wenig Blut hat und sich nicht am bayrischen Dialekt stört, dem sei Tannöd ans Herz gelegt.

Tannöd läuft ab morgen in den deutschen Kinos.

4 Sterne

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2 Antworten zu Film | Tannöd (Kritik)

  1. spanksen sagt:

    Was, hab gar nicht mitbekommen das der Roman verfilmt wurde. Na, das ist doch mal ne Überraschung

  2. Michaela sagt:

    So toll und spannend wie der Roman gehandelt wurde, war er gar nicht. Und wenn man bedenkt, dass es Recherche und keine eigene Idee war, wirkt er sogar ziemlich arm. Beim Film kann man sich wahrscheinlich wenigstens mit Julia Jentsch und Monica Bleibtreu trösten.

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