Film | Das Kabinett des Dr. Parnassus (Kritik)

Handlung: Abend für Abend versucht der geheimnisvolle Dr. Parnassus das Publikum auf der Straße zu verzaubern. Zusammen mit seiner Tochter Valentina, dem Gehilfen Anton und dem kleinwüchsigen Percy betreibt der alte Mann eine klapprige Wanderbühne. Doch das dürftige Programm schafft es inzwischen nicht mehr, die Menschen zu begeistern. Stattdessen ernten die Gaukler Spott und Hohn. Dabei befindet sich auf der Bühne ein magischer Spiegel: Wer diesen durchschreitet landet in seiner ganz eigenen Phantasiewelt. Doch diese birgt auch Gefahren, wie einige Menschen, die in den Spiegel hineingehen, erfahren müssen. Eines Abends rettet die Truppe den jungen Mann Tony, der am Strick von der Brücke baumelt. Nachdem er wieder zu sich kommt, kann er sich nicht mal mehr an seinen Namen erinnern. Parnassus willigt ein, den Unbekannten aufzunehmen. Schnell entpuppt er sich als wahrer Charmeur und lockt so viele Menschen wie selten an die Wanderbühne. Das kommt dem alten Parnassus sehr gelegen, denn er hat gerade eine Wette mit dem Teufel abgeschlossen. Eigentlich muss er seinem dunklen Gegenspieler seine schöne Tochter überlasse, wenn sie in wenigen Tagen 16 Jahre alt wird. Doch wenn er es nun vor dem Teufel schafft, fünf Seelen zu fangen, darf er seine geliebte Tochter behalten. Kann er die Wette mit Tonis Hilfe gewinnen?

Kritik: Das Erste, was in Zusammenhang mit Terry Gilliams neuem Film zur Sprache kommt, ist der Tod des Hauptdarstellers Heath Ledger, der genau in den Zeitraum der Dreharbeiten fiel. Gilliam war schwer erschüttert und stand bereits kurz davor, das Projekt zu begraben. Wie sollte ein Film auch ohne Hauptdarsteller fertig gestellt werden? Doch das Filmteam war kreativ, offensichtlich gab es die Überlegungen Heath durch ein ähnliches Double oder eine Computeranimation zu ersetzen. Glücklicherweise kam es nicht dazu, denn die mit Ledger befreundeten Schauspieler Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law sprangen ein. Ohne Gage sondern um Heath die letzte Ehre zu erweisen, schlüpfen sie in seine Rolle immer dann, wenn er das Spiegelkabinett des Dr. Parnassus betritt. Das bot sich deshalb an, weil die Szenen außerhalb fast vollständig abgedreht waren, als Heath verstarb, die Spiegelszenen hingegen noch weitgehend fehlten. So konnte das Filmprojekt beendet werden und das Ergebnis kann nun auf der Kinoleinwand begutachtet werden.

Wer den Film mit hohen Erwartungen ansieht wird aber höchstwahrscheinlich etwas enttäuscht wieder heraus kommen. Die märchenhaft und phantastisch anmutende Geschichte um den alten Parnassus und seinen Kampf gegen den Teufel, ist leider gar nicht so rund und mitreißend wie man hofft. Es gibt viele einzelne Handlungsstränge, die den Film leider überfrachten. Die Geschichte von Parnassus, sein ständiger Kampf gegen den Höllenfürst, das Geheimnis um seine Tochter, die phantastische Spiegelwelt und dann auch noch Tony und das Geheimnis um seine Identität und Bedeutung für die Handlung. Das alles kann gar nicht ausgereift sein, auch nicht bei zwei Stunden Filmlänge, und mixt sich stattdessen zu einem Gesamtkomplex der wenig Gelegenheit bietet, die Geschichte zu genießen. Die Special Effects in der Spiegelwelt überzeugen auch nicht, sondern erscheinen zu bunt und unecht. Die kleinen Auftritte von Depp, Law und Farrell sind zwar gelungen, aber gegen Ende fehlt der anhaltenden Transformation dieser Figur leider die Schlüssigkeit.

Dennoch darf man natürlich nicht vergessen, dass es eine Herausforderung war, den Film unter den herrschenden Bedingungen fertig zu stellen und kein Kritiker kann nun wissen, was Regisseur Gilliam durch den tragischen Vorfall am Drehbuch und Filmkonzept notgedrungen ändern musste. Geblieben ist ein Film mit guten Ideen und Ansätzen, engagierten Darstellern (wobei Johnny Depp trotz kleinster Ersatzrolle noch die beste Figur macht) und einer Menge Wehmut wegen Heath Ledger. Doch eine echte Perle ist dieser Film nicht geworden, dazu gibt es einfach zu viele Kritikpunkte. Das Engagement von Ledgers Schauspiel-Kollegen und Freunden, sowie der Einsatz von Regisseur Gilliam bleibt dennoch zu honorieren.

Das Kabinett des Dr. Parnassus läuft ab dem 07.Januar in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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