Film | Sherlock Holmes (Kritik)

Poster Sherlock Holmes

Handlung: Sherlock Holmes, der berühmteste Detektiv Englands, steckt in einer Krise. Seit Monaten kein Auftrag mehr und ohne kniffelige Fälle, die Holmes einmalige Beobachtungs- und Kombinationsgabe fordern, verfällt der brillante Denker in einen vereinsamten Kauz. Zu allem Überfluss plant sein einziger „Verbündeter“, der bodenständigere Dr. Watson mit dem zusammen er die Kriminalfälle löst, seine Freundin Mary zu heiraten. Das gefällt Holmes ganz und gar nicht, denn was wird dann aus dem Traumgespann, das Englands Hauptstadt von Verbrechern säubert und die linke Hand von Scotland Yard geworden ist? Plötzlich wartet dann doch eine neue Herausforderung auf das ungleiche Gespann: Eine Serie von Ritualmorden hält die Stadt in Atem, mit etwas Glück gelingt es Holmes und Watson ein weiteres Opfer zu retten. Außerdem wird der Täter gestellt: Es handelt sich um den mysteriösen Lord Blackwood, der wegen der grausamen Morde zum Tode verurteilt wird. Zunächst scheint der Fall damit geklärt, doch ganz im Gegenteil gehen die Rätsel hier erst richtig los. Denn nachdem der inhaftierte Blackwood die Gefängniswärter und die Mitgefangenen gedanklich zu beeinflussen scheint, wartet nach seiner Hinrichtung die nächste Überraschung: Seine Leiche verschwindet aus der Gruft, stattdessen liegt ein als vermisst geltender Kleinwüchsiger im Sarg. Was ist mit Blackwood geschehen, ist er tatsächlich in der Lage von den Toten wieder aufzuerstehen? Auf Holmes wartet ein spannender Fall, in den auch seine Verflossene Irene verwickelt ist und die ihn neben Scotland Yard ebenfalls um Hilfe bittet, die Geschehnisse aufzuklären.

Kritik: Sherlock Holmes ist eigentlich eine Romanfigur die Ende des 19. und Beginn des frühen 20. Jahrhunderts als Detektiv tätig war, geschaffen von dem britischen Autor Sir Arthur Conan Doyle. Doch der Erfolg dieser Figur, die Kriminalfälle dank besonderer Beobachtungsgabe und logischem Denken auf höchstem Niveau löst, spricht für sich. Sowohl im Fernsehen als auch auf der Kinoleinwand, erwacht Holmes zu visuellem Leben, der jüngste Versuch sich an den weltbekannten Detektiv heranzuwagen stammt von Guy Richie. Der eigenwillige Regisseur machte in der Vergangenheit bereits aus dem smarten Brad Pitt einen ungehobelten Haudegen mit markantem Sprachfehler im Erfolgsfilm „Snatch“ und gab seiner damaligen Frau Madonna die Hauptrolle im Flop „Swept Away“. Bei Richie liegen Erfolg und Pleite also dicht beieinander, daher gehen die Blicke umso neugieriger zu seiner Neuinterpretation von Sherlock Holmes. Zunächst hat er Robert Downey Jr. für die Titelrolle ausgewählt, womit er alles richtig gemacht hat. Der Charakterdarsteller verkörpert vor allem die Spleens des Detektivs hervorragend und lässt ihn zeitweise zum menschenunfreundlichen Irren mutieren. Ihm zuzusehen ist in jedem Fall ein Fest. Jude Laws Rolle des Dr. Watson gibt zugegebenermaßen nicht ganz so viel her, ist er doch der vernünftige und bodenständige Arzt, der seinen verlorenen Partner wacker begleitet und ihm beisteht. Richie legt in dieser modernen Variante viel Gewicht auf den Unterhaltungswert der Geschichte. Action, Humor und Rätselraten wechseln sich gelungen ab, besonders die Zeitlupensequenzen, beispielsweise von kleinen Explosionen oder einem geplanten Boxangriff, sind besonders schön anzusehen. Wer den traditionellen Sherlock Holmes erwartet, der mit kariertem Jackett und passendem Hut vor sich hin kombiniert, könnte hingegen enttäuscht sein, denn dieser Sherlock tritt gerne ins Fettnäpfchen, testet allerlei Mittelchen an seinem gebeutelten Hund und in seiner Freizeit verdient er sich etwas Geld mit Boxkämpfen dazu. Doch für Liebhaber der alten Romanfigur bleiben ein paar Anlehnungen: Die Pfeife ist ständiger Begleiter und immerhin spielt das Ganze immer noch im ausgehenden 19. Jahrhundert. Richie erfindet die Figur Holmes nicht neu, zeichnet sie aber gekonnt nach, gibt ihr Witz, Selbstironie, Kraft und die richtige Portion Kombinationsgabe mit. Wer Action, Gags und Rätsel sehen will, ist im neuen „Sherlock Holmes“ genau richtig, wer hingegen in der Nostalgie der alten britischen Tradition schwelgen möchte, der greift vielleicht doch lieber auf die alten Romane oder Spielfilme zurück.

Fazit: Der coole Robert Downey Jr. verkörpert den modernen Sherlock Holmes bravourös. Der kauzige Detektiv arbeitet sich zusammen mit Dr. Watson durch einen mysteriösen Fall voller Action, Witz und schräger Gegenspieler. Gespickt mit Spezialeffekten und tollen Kamerafahrten ergibt sich daraus ein unterhaltsames Abenteuer. Bei Fans des traditionellen Holmes, könnte sich bei dieser Umsetzung hingegen etwas Enttäuschung breit machen, denn die Handlung bleibt doch etwas zu oberflächlich, um all zu nachhaltig zu beeindrucken.

Sherlock Holmes startete am 28. Januar in den deutschen Kinos.

3 Sterne

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5 Antworten zu Film | Sherlock Holmes (Kritik)

  1. christiansfoyer sagt:

    Downey jr. an sich, aber auch sein Zusammenspiel mit Jude Law sind auf jeden Fall die unbestreitbaren Höhepunkte des Films. Die Story fand ich auch nicht gerade „nachhaltig beeindruckend“, da hoffe ich in der sicheren Fortsetzung auf mehr. Immerhin mag die nicht allzu ausgeklügelte Geschichte und auch der ziemlich schwache Bösewicht (Mark Strong) ihren Sinn haben, wenn es Ritchie zuerst darum ging, seinen „Holmes“ zu etablieren

  2. graval sagt:

    Hat mir nicht so sehr gefallen, der Film, aber unterhaltend ist er trotzdem. Aber Downey gefiel mir irgendwie nicht so :S Wie auch immer… nettes Blog hier! Schön hergerichtet und viele, ausführliche Reviews – Grosses Kino, um es in schönen Worten zu sagen ;D

    • cap82 sagt:

      Vielen Dank für das Kompliment, ich gehe nun mal für mein Leben gern ins Kino und das sieht man meinem Blog vielleicht ein bißchen an.. ;o) Gruß, CaPo

      • graval sagt:

        Ist doch prima! Ich gehe auch sehr gern ins Kino, war grade zum zweiten Mal Alice schauen😉 Ist jedenfalls sehr spannend, regelmässig gute Filmreviews im Feed zu entdecken😀 Night-Night
        Graval

  3. […] Angesichts dieser Leistung rücken die übrigen Darsteller etwas in den Hintergrund. Jude Law („Sherlock Holmes“) kann sich noch recht gut als smarter und gutherziger Psychologe behaupten, was aber auch daran […]

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