Film | Männer, die auf Ziegen starren (Kritik)

Filmposter Männer, die auf Ziegen starren

Handlung: Bob Wilton ist Journalist bei der Tageszeitung in einem kleinen Provinznest. Die wahren Herausforderungen fehlen dabei zwar, aber dennoch ist er glücklich mit seinem Leben. Das liegt vor allem an seiner attraktiven und über alles geliebten Frau. Da erträgt er sogar die Arbeit an den miesesten Storys wie die über einen Mann, der behauptet in einer Sonderheit der US-Army gearbeitet zu haben, in der paranormale Fähigkeiten genutzt wurden. Doch Bobs Leben ändert sich schlagartig, als seine Frau sich von ihm trennt, um mit dem älteren und einarmigen Chefredakteur des Tagesblattes zusammenzukommen. Nachdem Bob eine Zeit lang in Selbstmitleid zerfließt, reist er in den Libanon wo der Krieg tobt. Trotz länger werdendem Aufenthalt fehlt ihm eine gute Story, die ihn endlich mitten ins Getümmel – in den Irak – bringt. Doch dann begegnet er in seinem Hotel Lyn Cassady – bei dem Namen schrillen sofort Bobs Alarmglocken. Der Mann mit den angeblich paranormalen Fähigkeiten den er interviewte, hatte ihm von einem Lyn Cassady als besten Mann in der Sondereinheit erzählt. Bob wittert seine Chance auf eine große Story und heftet sich an Lyns Fersen. Auf der Reise durch die Wüste erfährt der Journalist immer mehr von der sogenannten First Earth Battalion und gerät selbst in ein rasantes Abenteuer.

Kritik: Angeblich gar nicht so unwahr ist die skurrile Geschichte rund um die Hippie-Spezialeinheit der US-Army. Mit unkonventionellem Denken und besonderen mentalen Fähigkeiten wollen die selbsternannten „Jedi-Krieger“ Konflikte lösen und Gefahren ohne Blutvergießen umgehen. Mit diesen, als Halbwahrheiten identifizierten Handlungselementen, spielt dieser Film, der Züge einer Actionkomödie, eines Dramas aber auch eines Kriegs- und Politthrillers in sich vereint. Die geheimnisvollen paranormalen Fähigkeiten kommen entweder nur in Lyns Erinnerungen zum tragen oder können auch mit Glück und Zufall erklärt werden. So bleibt das Geschehen in der Sondereinheit Auslegungssache, darüber hinaus spielt sich im Film eine Geschichte ab, die etwas von einem anspruchsvollen Roadmovie hat. Was die schauspielerische Leistung angeht, genügt ein Blick auf den Cast: Ewan McGregor, George Clooney, Jeff Bridges und Kevin Spacey liefern sich ein gekonntes Duell, vor allem Clooney sticht mit einer für ihn ungewohnten Rolle heraus. Endlich mal nicht der geschniegelte Womanizer im knitterfreien Anzug sondern mit langen Haaren, tanzend, sich erleuchtend und gleichzeitig als realitätsferner Sonderling, der vollends an seine besonderen Fähigkeiten glaubt und damit sogar eine Ziege zum Tode führt. Hierfür wäre eine Oscarnominierung angebrachter gewesen als für die Rolle in „Up in the Air“.

Ewan McGregor, der tatsächlich schon Erfahrungen als Jedi-Ritter sammeln konnte, spielt den unsicheren Journalisten, der aufgrund falscher Motivation an den richtigen Ort gelangt, ebenfalls gekonnt. Der Film lebt ganz klar von den geschickt eingebauten Erinnerungsepisoden, welche die Vorgeschichte und Hintergründe abwechslungsreich präsentieren. Die eigentliche Handlung hingegen lässt ein wenig zu wünschen übrig. Es gibt zwar immer mal etwas zu Schmunzeln oder zu Lachen, aber man kann sich dem Gefühl nicht erwehren, dass der rasante Trip durch die Wüste vorrangig dazu dient eine Grundlage zu bieten, auf der die weit witzigeren Erinnerungsszenen eingefügt werden können. Auch das Finale verursacht keine Gefühlsausbrüche sondern ist eher Gipfel der Gageinlagen zum irrwitzigen Thema rund um die PSI-Programme und Experimente bei der US-Army. „Männer, die auf Ziegen starren“ gibt vorrangig Unterhaltung für einen Abend und möglicherweise ein paar Denkanstöße zur alternativen Kriegsführung ohne Drill und eingeimpften Kampfwillen. Doch für einen Film der Extraklasse – egal ob als Komödie, Drama oder Kriegsfilm – reicht es leider nicht.

Fazit: Tolles Staraufgebot bei dem vor allem George Clooney endlich mal wieder zeigt was er drauf hat. Die angeblich wahre Geschichte der New-Age-Krieger bietet ein paar schöne Einblicke und Denkanstöße, doch die Highlights des Filmes bleiben die Erinnerungseinschübe. Der Rest schafft es nicht länger im Gedächtnis zu bleiben und ist zu sehr um die witzigen Rückblicke herumkonstruiert um selbst mit Originalität zu überzeugen.

Der Film startet am 04.März 2010 in den deutschen Kinos.

2.5 Sterne

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2 Antworten zu Film | Männer, die auf Ziegen starren (Kritik)

  1. Ich weiss auch nicht, was ich von diesem Film halten soll. Nachdem ich in einem Interview mit Clooney gelesen hatte, dass „[die Ziegen] eine Metapher dafür [sind], was wir mit den Leuten in Guantanamo Bay gemacht haben“, dachte ich, dass es um eine satirische Aufarbeitung des Irak-Krieges und der Geschehnisse in Guatanamo-Bay ginge. Dieser Aspekt der geschichte geht fast völlig unter. Deshalb bleibt nur, dem excellenten Schauspiel der „Männer…“ zuzuschauen (soweit ich mich erinnere taucht tatsächlich keine weibliche Figur im Film auf).

    • kulii sagt:

      ich hab das ganze auch so verstanden, das damit die Kriegsführung lächerlich gemacht werden sollte. Irgendwie war es schon nett und hin und wieder auch lusig anzusehen, aber irgendwie ist bei mir der Groschen nicht gefallen…

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