Film | Alice im Wunderland (Kritik)

Alice im Wunderland Poster

Handlung: Viele Jahre sind vergangen, seit Alice als Kind in den Kaninchenbau gefallen ist und damit ins Wunderland gelangte. Inzwischen ist sie eine hübsche, 19-Jährige Frau, die sich an die einstigen Erlebnisse nicht mehr erinnern kann. Nur ihr verträumtes Wesen und ihre fantasievollen Einfälle sind ihr geblieben. Kaum im heiratsfähigen Alter hat ihre Mutter schon große Pläne mit ihr: Ein wohlhabender Lord hat sein Interesse an Alice bekundet, das Fest zu dem sie und ihre Mutter nun fahren soll bereits die Verlobungsparty sein. Vor den längst eingeweihten versammelten Gästen erhält die überraschte Alice einen Heiratsantrag und weiß nicht wie ihr geschieht, zumal der Lord Hamish alles andere als ihr Typ ist. Eingeschüchtert flüchtet die junge Frau und folgt verzweifelt dem weißen Hasen im Anzug, der ihr schon zuvor aufgefallen ist. Wie bereits als kleines Kind, fällt Alice in den Kaninchenbau und landet nach dem richtigen Schrumpfen mitten im bunten, fantasievollen Wunderland. Sie trifft auf wundersame Bewohner, wie Dideldum, Dideldei und die Grinsekatze. Doch sie alle bezweifeln, dass diese Alice die Richtige ist. Immerhin kann sie sich überhaupt nicht mehr erinnern schon einmal da gewesen zu sein. Nur der verrückte Hutmacher zweifelt keine Sekunde die Alice von damals vor sich zu haben. Er will ihr helfen in den Palast der roten Königin zu gelangen, denn Alice hat eine Aufgabe im Wunderland: Die grausame rote Königin stürzen und der gutherzigen weißen Königin zu neuer Macht verhelfen.

Kritik: Gespannt haben wir darauf gewartet, nun ist es endlich soweit: Tim Burtons eigene Interpretation und Weiterführung des Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ kommt auf die große Leinwand, und das auch noch in 3D! Im Gegensatz zu „Avatar, Aufbruch nach Pandora“ habe ich dieses Animationsabenteuer nur in 2D angesehen und kann daher nicht beurteilen, wie viel mehr ich dem Film hätte abgewinnen können, hätte ich ihn in Dreidimensionalität erlebt. Nichts desto trotz, die Handlung bleibt die Gleiche und basiert zwar auf den Romanvorlagen von „geistigem Alice-Schöpfer“ Lewis Carroll, wurde aber von Linda Woolverton neu angepasst. Der eigentliche Besuch der kleinen Alice im absonderlichen Wunderland ist bereits lange her und von ihr bereits vergessen. Doch nun kehrt sie zurück – und das nicht durch Zufall, sondern weil die altbekannten, skurrilen Bewohner sie gesucht und hergelockt haben. Um diese Wesen – egal ob kleine Maus, glubschäugiger Frosch oder gigantischer Feuer speiender Drache – zum Leben zu erwecken, hat Tim Burton seine Phantasie erneut spielen lassen und die PCs der Tricktechniker heiß laufen lassen. Besonders in der ruinenartigen, verdorrten Landschaft, die aus der Schreckensherrschaft der bösartigen roten Königin herrührt, erkennt man Burtons Handschrift wieder. Zur Genüge bewies er in Filmen wie „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier“ oder „Tim Burton´s Corpse Bride“ sein Faible für düstere Schauplätze und Gruselstimmung. Mit den vielen Animationen muss man sich natürlich anfreunden können, denn dass die dicken Plustergesichter von Dideldum und Dideldei oder die rauchende, blaue Raupe Absalom befremdlich und künstlich wirken lässt sich nicht vermeiden. Außerdem ist gerade diese erschaffene Welt zwischen verbrannten Ruinen in der Einöde und dem bunten Wald mit sprechenden Blumenköpfchen und riesigen Pilzen das, was es in diesem Streifen zu bewundern und genießen gilt.

Die Geschichte hingegen wirkt etwas einfallslos und zu konstruiert um richtig mitzureißen oder die Gefühle überschwappen zu lassen. Das überträgt sich auch auf die Charaktere, deren schrullige Art etwas zu skizzenhaft ist. Helena Bonham Carter ist als garstige Königin mit überdimensionalem Kopf sowieso kaum wieder zu erkennen, aber in ihrer Repräsentation des Bösen bleibt sie doch eher eine skurrile „Witzfigur“ die – wie in ihren schwachen Momenten durchkommt – eigentlich doch nur geliebt werden will. Johnny Depp übernimmt in der Rolle des verrückten Hutmachers einen sehr wichtigen Part. Hatte diese Figur in Carrolls Originalen noch eine kleine Rolle, gibt Burton ihm viel mehr Gewicht, was dem Film auch sichtlich gut tut. Depp spielt den schrillen Künstler der Kopfbedeckungen gekonnt gut und hat einfach ein tolles Kostüm – auf seinen Auftritt freut man sich immer wieder aufs Neue. Newcomerin Mia Wasikowska fällt in ihrer Rolle der Titelheldin nicht negativ auf, aber die Darstellung ihre Entwicklung vom naiven und verträumten Teenager zur motivierten jungen Frau – auf die es wohl mit am meisten ankommt – ist nicht sehr geglückt. Hier sind wir wieder bei der holprigen Handlung gelandet, die einfach einige Stolpersteine beinhaltet. Die meiste Zeit des Filmes hindurch, glaubt Alice sowieso in einem tiefen und sehr realen Traum zu stecken aus dem sie bald wieder aufwachen wird. Erst gegen Ende nimmt sie die Herausforderung an und kämpft heroisch und sehr mutig gegen den übermächtigen Drachen. Abgesehen davon, dass dieses Schlachtenfinale nicht zum restlichen Film passt, fehlt hier auch die Verbindung zu Alices Veränderung. Zurück in der normalen Welt gibt sie plötzlich hölzerne Tipps und Ratschläge an die Umstehenden und weiß plötzlich genau was sie will. Doch da uns Alice fast nur im Wunderland präsentiert wird und ihr vorheriges Leben sehr stark komprimiert wurde, wissen wir damit nun auch nicht viel anzufangen.

Außerdem weiß man als Zuschauer nicht so recht ob diese Version von „Alice im Wunderland“ nun kindgerecht verarbeitet ist oder nicht. Einerseits halten sich Drehbuchautorin und Regisseur recht nah an die Vorlage was die Figuren angeht und so ist die böse rote Königin eigentlich wenig Furcht einflößend und wenn der spleenige Hase, die mutige Maus oder die dicken Zwillinge durch die Landschaft wandern hat man das Gefühl, mitten in eine Kinderfilmkulisse geraten zu sein. Der Verleiher Walt Disney Pictures hat da sicher auch einiges zu sagen gehabt. Auf der anderen Seite sind die verbrannte und karge Landschaft sowie der fauchende schwarze Drache nicht gerade optimal für zarte Kinderseelen. Tim Burtons Vorliebe für dunkle oder sogar blutige Filme passt da auch nicht so ganz ins Schema. Doch was man als fehlende klare Linie bezeichnen könnte, ist gleichzeitig auch etwas „für die ganze Familie“ – hier kann man also ein versöhnliches Fazit ziehen. Alles in allem unterhält dieses Abenteuer sicherlich, dazu tragen vor allem der geniale und für solche Rollen prädestinierte Johnny Depp und die guten Animationen in einer fremden Welt bei. Aber es gibt auch einige Wehrmutstropfen die den Filmgenuss trüben. Alice durchläuft ihr Abenteuer so rasch, dass die meisten Figuren Karikaturen bleiben. Auch die Handlung ist in sich nicht ganz schlüssig und begeisternd. Der Zauber der Originalgeschichte konnte trotz der modernen Technik nicht völlig eingefangen werden

Fazit: Die Symbiose von Tim Burtons düsterer Bild-Ästhetik mit Hang zu skurrilen Figuren und die fantastische Geschichte von Autor Lewis Carroll unter dem Verleiher Walt Disney ist nicht vollends geglückt. Eine holprige Handlung mit skizzenhaften Charakteren lässt einen mitreißenden Zauber vermissen. Doch der toll hergerichtete Johnny Depp sowie das faszinierend gestaltete Wunderland geben dem Film dennoch einen gewissen Unterhaltungswert.

Der Film startet am 04. März in den deutschen Kinos.

3 Sterne

weitere Filmkritiken

8 Antworten zu Film | Alice im Wunderland (Kritik)

  1. Kristy sagt:

    Für mich war an dem Film das einzig herausragenden die von Tim Burton umgesetzte Bildgewalt. Alles andere fand ich, als zugegebenermaßen eingefleischter Alice-Fan, eher zum Heulen.
    Ich kenne andere Werke von TB, und somit war mir von vornherein klar, dass hier keine Märchenwelt, sondern ein Schlachtfeld Schauplatz sein würde. Doch am Ende ist der Ort, und wenn er auch noch so prächtig inszeniert wurde, egal, wenn er nicht mit lebendigem Spiel gefüllt wird.
    Ich empfinde die schauspielerischen Leistungen definitiv als gerade noch ausreichend. Von einem Johnny Depp habe ich mehr erwartet. Wieso wurden die Charaktere nicht mit mehr Leben gefüllt? Wer hat die „Oberland“-Geschichte (das Leben Alices außerhalb des Wunderlandes) so erdacht und deren Umsetzung zugelassen?
    Ich bin enttäuscht vom Film. Das konnte kein noch so toller Hut retten.

  2. apoc sagt:

    Bedanke mich hier mit mal für dein Kommentar. Bist ja n ziemlich aktiver Blogger wenn ich mir ansehe wie viele Kritiken du so verfasst. Die Nickname-Verwandschaft ist ebenfalls interessant ^^

  3. marcel sagt:

    hey ich find den film gayl wollt fragen wie heist das dier auf das alice reiten bze das das auge verliert , weil die maus es ihr geklaut hat
    danke
    bitte beantworten sie bitte
    danke

  4. Oliver Joswig sagt:

    Fand den Film ganz unterhaltsam

  5. […] Fukunaga. Die Hauptrolle spielt Mia Wasikowska. Wem sie bekannt vorkommt: Sie spielte bereits die „Alice im Wunderland“ mit Johnny Depp als verrücktem Hutmacher an ihrer Seite. Ihre Darstellung der gebeutelten Jane […]

  6. […] Wenn Tim Burton einen Film macht, ist Johnny Depp nicht weit. Filme wie „Sweeney Todd“ oder „Alice im Wunderland“ sind Beispiele dafür. Nun widmete sich der Regisseur mit Faible für morbide Gruselgeschichten, […]

  7. […] wirkt als weißhaarige Ordensführerin wie eine skurrile Mischung aus der weißen Königin aus „Alice im Wunderland“ mit bösartigen Zügen und einer Elbin aus Mittelerde. Insgesamt ist „Silent Hill Revelation 3D“ […]

  8. […] nicht gerade, aber immerhin durfte sie Mut zur Hässlichkeit beweisen. Um beim Vergleich mit „Alice im Wunderland“ zu bleiben: Bleibt die Handlung hier doch ziemlich flach und vorhersehbar, so ist „Die […]

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