Film | Greenberg (Kritik)

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Handlung: Phillip Greenberg steht mitten im Leben und kann sich wirklich nicht beschweren: Verheiratet, zwei bezaubernde Kinder, ein Familienhund und eine Villa inklusive Pool als Eigenheim. Da ist der Urlaub in Vietnam bloß noch das I-Tüpfelchen – Haushaltshilfe Florence kümmert sich unterdessen um den Hund und alles was so anfällt. Dazu gehört dann wohl auch Roger, Phillips Bruder, der während des Familienurlaubs in der schicken Hütte leben darf. Der Ex-Musiker hält sich inzwischen mit Tischlerarbeiten über Wasser und versucht sich gerade Mal im Nichts tun. Der allein stehende Vierzigjährige hat so einige Marotten und war nach einem Zusammenbruch bereits im Krankenhaus, von seinen zahlreichen Therapien ganz abgesehen. Am meisten dreht er auf wenn er Beschwerdebriefe an diverse Unternehmen formuliert, doch im Umgang mit seinen Mitmenschen hält er sich entweder total zurück oder bekommt unverständliche Wutausbrüche. Auch die wesentlich jüngere Haushaltshilfe Florence bekommt Rogers Eigenheiten zu spüren. Doch die Einsamkeit und die Sorge um den kranken Haushund lassen die Beiden immer wieder aufeinander treffen und sich näher kommen. Roger ist dabei nur leider kein leichter Zeitgeselle. Dennoch kommt Florence nicht umhin Gefühle für den Kauz zu entwickeln.

Kritik: Wer den Namen Ben Stiller hört, denkt wahrscheinlich sofort an seine unterhaltsamen Rollen in Filmen wie „Zoolander“, „Tropic Thunder“ oder „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“. Für Komödien scheint Stiller einfach prädestiniert zu sein. Die tragische Figur der Titelfigur Roger Greenberg ist da mal was ganz anderes, aber gar nicht so gewöhnungsbedürftig wie man glauben mag. Stiller kann seine Grimassen und Sketch-Einlagen völlig außen vorlassen und verkörpert die schwierige Persönlichkeit sehr gekonnt. Manchmal reicht ein Blick, eine Geste um seinen Spleen durchscheinen zu lassen. Regisseur Noah Baumbach versteht es außerdem ein unterhaltsames Porträt von seiner Hauptfigur zu zeichnen. Mal lustig, mal traurig und deprimierend stakst Roger ohne richtiges Ziel und Perspektive durch seine alte Heimat, trifft einstige Freunde und fühlt sich reichlich deplatziert auf dem zur Kinderparty mutierten Gartenfest der ehemaligen Bekannten. Mit der Studentin Florence läuft auch nicht alles glatt, das findet seinen komischen Höhepunkt als Roger spontan und etwas unbeholfen seinen Kopf zwischen ihren Beinen vergräbt. Kurze Zeit später haben es die zwei schon wieder aufgegeben mit der Annäherung und gehen lieber auf Abstand. Im weiteren Verlauf wird die Handlung leider etwas holprig und verliert an Charme. Auch die besondere Wirkungsweise der Aufnahmen mit raffinierten Einstellungen und der Konzentration auf Rogers Eigenheiten geht flöten. Was „Garden State“ beispielsweise durchhält, wandelt sich bei „Greenberg“ zu einer etwas ziellosen Weiterspinnung der Geschichte. Die drogenlastige Party im Haus und der Beinahe-Tripp nach Australien gliedern sich leider nicht so recht in den restlichen Film ein und daher wirkt das Gesamtprodukt nicht so richtig rund. Dennoch überzeugt Ben Stiller mit einer guten schauspielerischen Leistung und macht sich auch für weitere ernstere Rollen attraktiv. Es gibt eine Reihe von witzigen Momenten, deren Humor sich erst durch diese spezielle Situation und den Kontext ergibt. Das macht Spaß und wäre besser noch etwas konstanter erhalten geblieben.

Fazit: Klamaukexperte Ben Stiller überzeugt in einer sehr untypischen Rolle als spleeniger Greenberg. Anfangs überzeugt der Film mit gelungenen Aufnahmen und einer spar- aber wirksamen Zeichnung eines skurrilen Charakters, der sich so durchs nicht so leichte Leben schlägt. Doch im weiteren Verlauf verliert „Greenberg“ von diesem Zauber und überzeugt daher nicht als Gesamtpaket.

Der Film läuft ab dem 01. April 2010 in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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Eine Antwort zu Film | Greenberg (Kritik)

  1. […] Dass der inzwischen 48-Jährige aber auch anders kann, bewies er bereits mit der Tragikomödie „Greenberg“, in der er sich als neurotischer Musiker unglücklich verliebt. Nun beweist er erneut, was er […]

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