Film | A Single Man (Kritik)

Filmplakat "A Single Man"

Handlung: Ein ganz normaler Tag beginnt, aber für den alternden Universitätsprofessor George Falconer gibt es keinen wirklichen Grund aufzustehen. Vor einem halben Jahr starb sein Lebensgefährte Jim bei einem tragischen Autounfall, seitdem steckt er in einer tiefen Trauer. Nicht mal zur Beerdigung konnte George fahren, da die Familie des Verstorbenen, die Homosexualität nicht akzeptieren und erst recht nicht in die Öffentlichkeit tragen wollte. So bleibt George allein mit seinem Verlust, nur seine alte Freundin Charly fängt ihn auf, nicht ohne den Hintergedanken selbst gerne glücklich mit ihm zu sein, wenn er ein heterosexueller Mann wäre. Diesen neuen Tag begeht George wie jeden anderen: Er steht auf, duscht, zieht sich an und fährt zur Uni um seine Vorlesung vor den Studenten zu halten. Das alles tut er ohne Leidenschaft und Freude, nur das Gespräch mit dem jungen Studenten Kenny erregt sein Interesse für eine Zeit. Was keiner ahnt: George ist vom Verlust seines Partners – mit dem er 16 Jahrelang zusammen gewesen ist – so gezeichnet, dass er mit dem Leben abgeschlossen hat. Im Stillen plant er bereits sein Ableben und dieser ganz normale Tag soll sein letzter sein.

Kritik: Homosexualität ist inzwischen kein Tabuthema mehr – oder sollte es zumindest nicht mehr sein. In den frühen 1960ern inmitten des Spießbürgertums der USA sieht das noch etwas anders aus. Zwischen gemähten Vorgärten, spielenden Kindern und vorbildlichen Hausfrauen die ihre hart arbeitenden Männer morgens mit einem Kuss bis zum Auto begleiten, passen Schwule überhaupt nicht hinein. Sie werden gemieden, hinter vorgehaltener Hand beschimpft oder als Perverse angesehen. Mit solchen Dingen muss auch George kämpfen, doch erst jetzt, wo sein Lebensgefährte gestorben ist, scheinen ihm diese Dinge wirklich zuzusetzen. Regisseur Tom Ford inszeniert einen Tag im Leben des schwulen Universitätsprofessors in einer Kombination aus Tagtraum und alltäglichem Trott. Dank intensiver Erinnerungsszenen hat der Zuschauer Teil an Georges Vergangenheit teil, angefangen bei der schockierenden Nachricht über Jims Tod bis hin zum Kennen lernen der Beiden. Immer wieder wird George in die Gegenwart zurückgeholt, die mit tristen Farben markiert, wie gefühlskalt und trist sein Leben inzwischen geworden ist. Das Thema der Homosexualität wird dabei sehr vorsichtig angegangen, es geht nicht um provokante Sexszenen, sondern vielmehr darum den schwulen Mann als liebenden Menschen darzustellen. Die stille Verzweiflung von George, der seine Trauer mit niemandem so recht teilen kann, und das vor allem weil seine gleichgeschlechtliche Liebe ein absolutes Tabuthema ist, verdeutlicht Colin Firth herausragend gut. In diesem Jahr wurde seine Darstellung zu Recht mit einer Oscarnominierung gewürdigt. Die Einsamkeit eines Menschen, der in einer strengen Zeit als Minderheit leben muss und doch das Bild eines „ganz normalen“ Mannes aufrecht zu erhalten versucht, wird nicht nur durch die gute schauspielerische Leistung deutlich, sondern auch durch die Inszenierung. Zeitlupenaufnahmen, intensive Musik und sehr feine Nahaufnahmen von Kleinigkeiten wie einem Auge oder einem Mund geben dem Film eine gewisse Eleganz und Feinfühligkeit. Fast wie ein kleines Kunstwerk. Trotz allem schafft es „A Single Man“ nicht so ganz, längerfristig im Gedächtnis hängen zu bleiben, dazu fehlt es einfach ein wenig an Überzeugungskraft. Das Drama fesselt nicht vollkommen, in manchen Szenen droht es sich sogar in die Länge zu ziehen. In diesen Momenten fragt man sich als Zuschauer schon mal: Wo führt uns das hin? Trotz dieser Schwachstellen zeigt „A Single Man“ eine sensible Herangehensgehensweise an eine wichtige Thematik, die leider auch in der heutigen Zeit stellenweise ein Tabuthemen geblieben ist. Die Darsteller überzeugen in den Rollen der gebrochenen Persönlichkeiten, denen die Lebensfreude abhanden gekommen ist. Und die Erkenntnis, dass Liebe unabhängig von Geschlecht und Vorliebe ihren Stellenwert hat macht den Film auf jeden Fall sehenswert.

Fazit: „A Single Man“ ist eine poetisch angehauchte Visualisierung der Themen Homosexualität, Liebesschmerz und Einsamkeit und punktet mit exzellenten und prämierten Darstellern sowie dem Aufmerksam machen auf die (bis heute) fehlende Akzeptanz für Minderheiten. Kleine Schwächen ergeben sich dennoch in dem Erzählen der Geschichte, die an nur einem Tag spielt. Sehenswert ja, aber sonderlich lang im Gedächtnis haftend: leider nein.

A Single Man startet am 8. April in den deutschen Kinos.

3 Sterne

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Eine Antwort zu Film | A Single Man (Kritik)

  1. […] arrogante und stylische Großstädterin herumstolziert und Matthew Goode, bekannt aus Filmen wie „A single man“ und „Wiedersehen in Brideshead“. Abgesehen davon, dass die Hauptfiguren Rollen spielen, die […]

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