Film | Coco Chanel und Igor Stravinsky (Kritik)

Filmposter Coco Chanel & Igor Stravinsky

Handlung: 1913: Im Théâtre des Champs-Élysées in Paris findet die Uraufführung von Igor Stravinskys “Le sacre du printemps” statt. Der russische Komponist, seine Frau und sein engagiertes Team fiebern der Aufführung entgegen, die unter anderem auch von der Designerin Coco Chanel besucht wird. Doch die Veranstaltung gerät zum Eklat: Die Besucher – allesamt aus der Oberschicht – sind schockiert von Stravinskys experimentellem Stil und verlassen bereits nach kürzester Zeit den Saal. Nur Chanel ist fasziniert von dem Können des russischen Komponisten, der durch die Reaktionen des Publikums allerdings am Boden zerstört ist. Sieben Jahre später treffen Stravinsky und Chanel zufällig aufeinander, sie erinnert sich sofort an sein verkanntes Talent und fühlt sich außerdem zu dem Mann hingezogen. Da er inzwischen ein verarmter Exilant ist, dem die Mittel zum Komponieren und Inszenieren fehlen, lädt Chanel ihn und seine Familie ein, in ihrem großen Anwesen mitzuwohnen. Dort hat Stravinsky die Möglichkeit neue Stücke zu schreiben, seine kranke Frau kann sich währenddessen von ihrer Krankheit erholen. Doch Chanel scheint nicht so selbstlos zu sein wie es wirkt, denn langsam kommt sie dem verheirateten Komponisten immer näher, bis ihre Zuneigung zueinander in einer Affäre endet.

Kritik: Sowohl Coco Chanel als auch Igor Stravinsky waren ihrerzeit bekannte Persönlichkeiten, die durch einige Zufälle „zusammenfanden“. Es gilt zumindest als belegt dass die Beiden sich kannten und der russische Vertreter der „Neuen Musik“ eine Zeit lang im Haus von Modeschöpferin Coco Chanel lebte. Doch die Affäre der Beiden, die auch im Film ganz klar im Vordergrund steht, ist nur eine Andichtung, seitens des Autors Chris Greenhalgh. In seinem gleichnamigen Roman thematisiert er die Liebesgeschichte, die er durch Nachforschungen über die Beiden bestätigt sah. Doch letztlich bleibt es ein Geheimnis was diese beiden Persönlichkeiten miteinander verband. Der holländische Regisseur Jan Kounen zeigt Chanel und Stravinsy – gespielt von Anna Mouglalis und Mads Mikkelsen – vor allem von der menschlichen Seite außerhalb des Ruhmes, der Bekanntheit und des Genies, dass sie auf so unterschiedliche Weise ausmachte. Die Frage ist dabei natürlich, wie gut noch herauskommt, dass es sich eben nicht nur um eine Affäre eines verheirateten Mannes mit einer für ihn viel spannenderen Frau als der eigenen handelt, sondern um eine skandalöse Liaison zwischen Chanel und Stravinsky. Coco Chanel kommt in diesem Film nicht gerade gut weg, denn sie wirkt zumeist sehr arrogant, gefühlskalt und dominant. Getreu dem Motto: Was sie will bekommt sie auch. Stravinsky, der immer wieder mit Chanel ins Bett steigt (meist ist es nicht mal das Bett) während seine kranke Frau nur wenige Meter weiter das Bett hütet oder die vier Kinder im Garten spielen, ist auch nicht gerade ein Sympathieträger. Die Affäre hat einen so bitteren Beigeschmack, dass man als Zuschauer kein Mitleid mit den Beiden bekommt, die sich danach sehnen einmal eine ganze Nacht miteinander zu verbringen. Auch die Besonderheit der beiden Persönlichkeiten, die sowohl die Musik als auch die Mode so nachhaltig beeinflusst haben, bleibt auf der Strecke und so bleibt „Coco Chanel und Igor Stravinsky“ ein etwas zu gewöhnlicher Film über Liebe und Leidenschaft. Die Aufnahmen sind zum Teil allerdings ganz gut gelungen, Stravinskys ausgefallene Musikstücke begleiten viele Passagen des Filmes, während die Kulisse – Chanels Haus – ihr Gefühl für Stil hervorhebt. Wie unterschiedlich die Beiden dennoch sind, zeigt sich beispielsweise wenn Stravinsy sich weigert, Chanels Arbeit als gleichwertig mit seiner anzusehen. Doch solche interessanten Momente bleiben etwas zu dürr gesät. Größter Kritikpunkt am Film ist allerdings das Ende, in dem Stravinsky und Chanel ziemlich schlecht und grotesk wirkend auf alt getrimmt wurden und sich nun noch einmal an die einstige Affäre erinnern. Das regt eher zum Schmunzeln an, als zum Mitfühlen.

Fazit: Der Film ist durchaus nett anzusehen, lässt die Eigenheiten von Coco Chanel und Igor Stravinsky aber so sehr im Hintergrund, dass sich lediglich eine freche Affäre entfaltet, bei der einem vor allem die kranke Ehefrau leid tut. Die großen Persönlichkeiten werden vernachlässigt zu Gunsten eines Beziehungsdramas, das nur durch gute Aufnahmen und bekannte Namen nicht richtig überzeugen kann.

Der Film läuft seit dem 15. April 2010 in den deutschen Lichtspielhäusern.

2.5 Sterne

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Eine Antwort zu Film | Coco Chanel und Igor Stravinsky (Kritik)

  1. […] – zwar gewissenhaft, aber doch wenig innovativ. Mads Mikkelsen (bekannt aus „Die Tür“ und „Coco Chanel & Igor Stravinsky“) gibt dem deutschen Arzt Struensee zwar ein markantes und charismatisches Gesicht, doch scheint er […]

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