Film | Plastic Planet (Kritik)

Filmposter Plastic Planet

Handlung: Es gab die Steinzeit, die Bronzezeit und Eisenzeit –alle drei Perioden wurden nach dem Material benannt, aus dem der Mensch in der jeweiligen Zeit die meisten Werkzeuge hergestellt hat. Heute sind wir wieder in einer solchen kennzeichnenden Periode und der Dokumentarfilmer Werner Boote nennt sie die Plastikzeit und geht diesem Phänomen einmal kritisch auf den Grund. Denn den meisten Menschen ist gar nicht klar, wie stark Plastikprodukte sie umgeben und wie häufig sie damit in Kontakt kommen. Gefertigt aus Rohöl und nach geheimen Verfahren entstehen Produkte von denen keiner weiß, wie gefährlich die Inhaltsstoffe sind. Erst in jüngster Zeit haben unabhängige Tests ergeben, dass viele Plastikstoffe wie Polycarbonat oder Polyvinylchlorid eine schädliche Wirkung auf den Menschen haben können – und das auf erschreckend vielfältige Weise. Regisseur Boote reist um die ganze Welt um zu ergründen, welchen Einfluss Plastik auf die Menschen hat. Egal ob in den USA, Japan oder Indien: Überall auf der Welt haben Familien ihren Haushalt voll von diesem Material und nutzen es ständig. Die Konzerne, die mit der Produktion von Plastik als Rohstoff oder Gebrauchsgegenständen aus Plastik jedes Jahr Milliardenumsätze machen zeigen sich unzugänglich für die kritischen Stimmen, zu denen sich Werner Boote ebenfalls zählt.

Kritik: Seit Michael Moore mit Dokumentationen wie „Fahrenheit 9/11“ und „Bowling for Columbine“ brisanten Themen wie die Waffengesetzen in den USA oder die Hintergründe zum Irakkrieg äußerst erfolgreich und gekonnt in den Fokus rückte, scheinen sich auch andere Filmemacher zu trauen in diese Fußstapfen zu treten. Bei Werner Boote handelt es sich dennoch nicht um einen „Trittbrettfahrer“ der mal eben ein aktuelles Problem der Menschheit verwurstet und dafür Lobeshymnen erwartet. Der gebürtige Österreicher recherchierte 10 Jahre (!) um die Bedeutung und Auswirkungen des hohen Einflusses von Plastikprodukten auf Erde und Menschheit zu dokumentieren und Eindrücke dazu auf der ganzen Welt zu sammeln. Sein Großvater war selbst ein Pionier der Plastikindustrie und gibt den Nachforschungen von Boote noch einmal einen anderen Hintergrund. Der Regisseur geht fast wie „einer von uns“ an das Thema heran, zunächst ohne riesige Vorurteile, festgesetzte radikale Meinungen oder Schimpftiraden –zumindest lässt er so etwas außen vor und tastet sich vernünftigerweise langsam an die bestehende Problematik heran. Daher lässt er sich von dem Geschäftsführer einer der führenden Plastikhersteller auch ganz in Ruhe erklären, wie wichtig und unerlässlich Plastik für die heutige Gesellschaft sei. Und das um diese Feststellung mit abwechslungsreichen und oft auch amüsanten Bildern zu unterstreichen, aber auch kritisch zu beleuchten. Wissenschaftler erklären ihm beispielsweise die Gefahren von Plastik und letztlich liegt Boote selbst beim Arzt und lässt an sich exemplarisch untersuchen, wie viel Plastik der Durchschnittsmensch sogar im eigenen Blut hat. Auf diese Weise macht er gekonnt auf eine Gefahr aufmerksam die stetig wächst und von den meisten Menschen gar nicht wahrgenommen wird. Die wissenswerten Fakten und bisherigen Erkenntnisse werden dabei gelungen mit witzigen Szenen und sogar Comicepisoden vermischt um einen gewissen Unterhaltungswert zu schaffen. Nur wie Boote gegen Ende des Filmes mit einem Megaphon in einem Supermarkt steht und die vorbeikommenden Menschen vor Plastik warnen möchte, wirkt ein bisschen zu aufgesetzt und schreit geradezu nach „Ich machs mal genau wie Michael Moore, denn so was kann ich auch“. Immerhin steht der Österreicher in einem japanischen Supermarkt und kann die Konsumenten sowieso nicht mit seinen Ausrufen erreichen. Doch abgesehen davon ist seine Reise durch das Plastikzeitalter durchaus gelungen und sehenswert. Auf dem Filmplakat zu „Plastic Planet“ heißt es: „Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken.“ Ganz so wirksam ist das Filmerlebnis zwar nicht – was auch daran liegt, dass einem im Alltag immer wieder Plastik in die Finger gerät und man es gar nicht vermeiden kann damit in Kontakt zu kommen – aber dass man ab nun mit einem unguten Gefühl aus der Plastikflasche trinkt, das kann schon sehr gut sein, zumindest war es bei mir der Fall.

Fazit: Eine Thematik die auf den ersten Blick gar nicht so brisant erscheint wie sie es tatsächlich ist wird unterhaltsam und gleichzeitig sehr informativ zu einer Dokumentation verpackt. Das sehenswerte Material macht durchaus nachdenklich und gibt auch für den weiteren Alltag mitten im Plastikwahnsinn Grund sich zu sorgen. Nur kleine „Ausreißer“ wirken etwas zu inszeniert und abgeschaut vom Doku-Profi Michael Moore.

Der Film feierte bereits am 24. Februar seine Deutschlandpremiere.

3 Sterne

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Eine Antwort zu Film | Plastic Planet (Kritik)

  1. Wirklich eine sehr gute Dokumentation. Habe Sie erst kürzlich bei Arte gesehen. Hat mir die Augen geöffnet. Auch wenn man sagen muss, dass es eine von diesen Dokumentation ist, von denen ich Zukunftsängste bekomme!

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