Film | Die Eleganz der Madame Michel (Kritik)

Filmplakat "Die Eleganz der Madame Michel"

Handlung: Madame Michel ist Concierge in einem Wohnhaus voller Gutverdiener. Sie erfüllt alle Klischees einer Hausdame: Eigenbrödlerisch, kratzbürstig und ein bisschen wie eine alte Jungfer. Daher wird sie von den Mietern der geräumigen Wohnungen auch kaum wahrgenommen. Gleichzeitig scheut Madame Michel aber auch den näheren Kontakt zu den wohlhabenden Bewohnern, da sie glaubt nichts mit ihnen gemein zu haben. Bei der 11-jährigen Paloma wirkt es auf den ersten Blick auch genauso. Das hochbegabte Mädchen nervt ihre Familie mit besserwisserischen Kommentaren und ständigem Filmen mit der alten Videokamera des Vaters. Das eigensinnige Mädchen hat klammheimlich beschlossen ihrem jungen Leben zum nächsten Geburtstag ein Ende zu setzen. In dieser Situation zieht ein neuer Mieter in eine frei gewordene Wohnung ein: Kakuro Ozu, der mit seiner freundlichen und offenen Art schnell Zugang findet, sowohl zu Paloma als auch zu Madame Michel. Er erkennt hinter ihrer Fassade eine belesene und intelligente Frau, die sich seit dem Krebstod ihres Mannes lieber zurückgezogen hat. Die Beiden treffen sich und nähern sich langsam einander an – und die Concierge entwickelt eine ganz neue Freude am Leben.

Kritik: Das Leben ist nicht leicht, vor allem wenn man das Gefühl hat, es ganz alleine beschreiten zu müssen. Genauso ergeht es Madame Michel, Monsieur Ozu und Paloma. Sie leben allerdings im gleichen Haus und treffen in diesem Film aufeinander. Als Vorlage dazu diente der Roman „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery, der bereits mit Preisen ausgezeichnet wurde. Der an den Roman angelehnte Film „Die Eleganz der Madame Michel“ schlägt ruhige, zum Teil poetische Töne an und stellt die unterschiedlichen Einzelgänger in den Fokus. Madame Michel wird dabei recht schnell sympathisch und Kakuro Ozu ist sowieso eine grundgute und liebenswerte Persönlichkeit. Nur bei der exzentrischen Paloma klappt das mit der Sympathie nicht so recht, da sie für ihr Alter doch ziemlich altklug ist. Genau genommen wirkt sie überhaupt gar nicht wie ein Kind, sondern überrascht mit breit gefächertem Wissen, Sarkasmus und sogar Japanischkenntnissen. Erst am Ende des Filmes veranlassen die Ereignisse sie dazu, endlich auch mal zerbrechlich und unsicher zu wirken. Ein weiterer kleiner Stolperstein ist, dass Madame Michel zwar die „Titelheldin“ darstellt, doch zu Filmbeginn ziemlich stark vernachlässigt wird. Vielleicht sollte sie zunächst nur aus der Perspektive der Hausbewohner gezeigt werden, aber diese Variante hat einen Nachteil: Die Wandlung der Concierge wird nicht besonders deutlich, denn wir erleben Sie recht schnell im Wandel: Sie lässt sich die Haare abschneiden und färben, macht sich schick und verlässt die Wohnung um sich mit Ozu zu treffen. Das wirkt fast so, als wäre es nie anders gewesen. Doch trotz dieser kleinen Schwachstellen ist „Die Eleganz der Madame Michel“ ein warmherziger und überzeugender Film geworden, mit dem gewohnten Charme den französische Filme meist auf natürliche Art und Weise einfach mit sich bringen. Es zeigen sich viele humorvolle und auch nachdenklich stimmende Momente, aber es gibt immer Grund die Handlung interessiert weiter zu verfolgen. Außerdem sind einige schöne Effekte eingefügt, die sehr schön anzusehen sind. So zeichnet Paloma den japanischen Nachbarn beispielsweise auf und plötzlich wird diese Figur lebendig und verlässt das Bild scheinbar. „Die Eleganz der Madame Michel“ ist ein Film der vielleicht nicht die Welt verändert, aber der eine ganz nette Botschaft übermittelt und diese ganz ansehnlich und unterhaltsam verpackt.

Fazit: Ein französisches Erfolgsbuch wird als Inspiration für einen leisen Film genommen, der durchaus unterhält und amüsiert. Doch dass die Titelrolle zu Anfang noch so verborgen bleibt und die kleine Paloma so unrealistisch daher kommt trüben den Filmgenuss ein wenig. Fans von feinsinnigen französischen Streifen zwischen Lachen und Weinen werden jedoch auch hieran ihre Freude haben.

Der Film läuft seit dem 06. Mai 2010 in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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3 Antworten zu Film | Die Eleganz der Madame Michel (Kritik)

  1. Agora sagt:

    Hallo,
    finde die Kritik an diesem Film sehr unpassend. Zum einen ist Madame Michel keine “Titelheldin” – ich würde in diesem Zusammenhang überhaupt nicht von Helden oder Hauptfiguren sprechen wollen – im Fokus steht hier eindeutig die Interaktion dreier Personen, die sich als Menschen zu schätzen wissen, die etwas verbindet – eine sarkastische Feinfühligkeit für schöne und schlechte Dinge im Leben. Daher finde ich Paloma auch nicht unrealistisch gelungen. Ich finde den Film auf subtile und unterschwellige Weise schön – sonderlich viel gelacht hab ich allerdings nicht.

  2. Josefine Carlotta sagt:

    Mich hat der Film erst gar nicht interessiert (weitergezappt), dann berührt und nach und nach, Szene für Szene einfach umgehauen. Das liegt an dem typisch faranzösischem Stil, der einfach langsam aber subtil erzählen kann. Man ist es nicht mehr gewohnt, man muss sich darauf einstellen. Der Film ist voll von so intelligenten und kreativen Einfällen, das ich ihn nach dem Ende zurückgespult habe und noch einmal gesehen habe (auch wenn mir leider der Anfang fehlte) …

    • cap82 sagt:

      Ich mag solche Filme auch. Sie haben eben einen Stil, den man bei anderen Produktion – vor allem den häufig gekünselt wirkenden Hollywood-Blockbustern – meist nicht findet. Wenn einem danach ist, kann so ein Filmerlebnis, genau das Richtige sein. Fern ab von Spezialeffekten und übertriebener Gefühlsachterbahnfahrt. Gruß, CaPo

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