Film | Vergebung (Kritik)

Filmplakat Vergebung

Handlung: Lisbeth Salander und ihr Vater werden nach ihrem brutalen Kampf beide schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Während sie sich nur langsam erholt schwebt sie bereits schon wieder in großer Gefahr, denn der Geheimdienst möchte nichts lieber als die junge Frau die zuviel weiß, aus dem Weg zu räumen. Auch ihr Vater Zalaschenko hat nicht die Absicht mit Lisbeth Frieden zu schließen, sondern will sie tot sehen. Doch stattdessen trifft es ihn selbst: Als er sich gegen seine ehemaligen Kumpanen stellt, erklärt sich ein Mitglied, das wegen schwerer Krankheit selbst nicht mehr lange zu leben hat, bereit ihn umzubringen. Er scheitert daran auch noch Lisbeth ins Jenseits zu befördern und richtet sich schließlich selbst bevor die Polizei ihn festnehmen kann. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist, Redakteur beim „Millennium“ unter Hochdruck daran, die Geschichte der Lisbeth Salander, zusammen mit allen Verschwörungen und dunklen Machenschaften der schwedischen Regierung, zu veröffentlichen. Die Verantwortlichen dieser Dinge hingegen stecken die Köpfe zusammen, um ihre Straftaten irgendwie doch noch unter Verschluss zu halten. Dabei schrecken sie vor nichts zurück, denn ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit. Sobald Lisbeth genesen ist, wird der Prozess gegen sie beginnen, in dem sie die Möglichkeit hat alle Fakten auf den Tisch zu legen. Der Plan ihres ehemaligen Therapeuten, der sie selbst missbrauchte und misshandelte, ist es, ein Gutachten zu fälschen, das die junge Frau unglaubwürdig macht und schnell wieder in die Psychiatrie schickt. Wer wird den Wettlauf mit der Zeit gewinnen?

Kritik: Nach „Verblendung“ und „Verdammnis“ findet die Trilogie der Stieg Larsson-Reihe mit dem Film „Vergebung“ einen Abschluss. Regisseur Daniel Alfredson, der bereits den zweiten Teil verfilmte, inszenierte erneut ein Mammutwerk, das mit einer Spielzeit von 146 Minuten wieder das Sitzfleisch strapaziert. Nachdem Teil 1 stolze 153 Minuten dauerte, der 2.Teil dann aber wieder „nur“ 129 Minuten, findet „Vergebung“ zwar einen Mittelweg, aber das ändert nichts daran, dass dieser finale Teil eine Menge an Spannung verloren hat. Während es in „Verblendung“ noch um einen komplizierten Mordfall geht und in „Verdammnis“ vor allem um die Enthüllungen rund um Lisbeth Salander, die in einem Kampf auf Leben und Tod mit dem Vater und dem Bruder gipfeln, bleibt in „Vergebung“ nicht viel mehr übrig, als die Aufarbeitung der bereits bekannten Fakten. Ob dazu ein mehr als zwei Stunden andauernder Filmmarathon nötig ist, bleibt fraglich denn die Spannung ist im Großen und Ganzen aus dem Geschehen heraus. Es gibt zwar noch ein paar fesselnde Handlungsstränge, aber das reicht nicht um den Film zu einem Knaller zu machen. Die Synchronisation lässt stellenweise stark zu wünschen übrig und auch die schauspielerischen Leistungen sind nicht überragend. Die Dynamik der Figuren, wie sie im ersten Teil noch da war, als Mikael und Lisbeth gemeinsam den Mordfall auflösen, ist verloren gegangen. Während sie im zweiten Teil ja schon gar nicht mehr aufeinander treffen, agiert er auch diesmal auf einer anderen Handlungsebene und lässt ihr lediglich über Mails oder SMS Hilfe zukommen. Der unterschiedliche Kampf der beiden Figuren, der zwar auf dasselbe Ziel hinausläuft aber doch aus so unterschiedlichen Positionen heraus verläuft, ist zwar interessant aber es fehlt ihm auf die dargestellte Weise etwas an Biss. Einige Logikfehler sind zusätzlich in der Handlung zu finden und wenn haufenweise alte Männer zusammenhocken und böse Pläne schmieden, fällt es schon mal etwas schwer, den Überblick zu behalten. Warum der Film dann auch noch „Vergebung“ heißt bleibt zusätzlich unklar, denn hier vergibt niemand etwas Wesentliches. Falls es in der Romanvorlage einen Grund für die Benennung gab, so wurde er im Film vergessen und macht den Titel damit fragwürdig. Alles in allem ist der Film sicherlich in gewissem Maß sehenswert, da er die Trilogie nun einmal abschließt und zum Rest der Handlung dazugehört. Aber abgesehen davon ist der Film einfach zu lang, für die wenigen Dinge, die er noch hergibt.

Fazit: Der letzte Teil der schwedischen Trilogie gehört für Interessierte der Reihe sicherlich als Pflichtprogramm dazu, um die Handlung abzuschließen. Aber er stellt den schwächsten aller Teile dar, bietet kaum noch Neues oder echte Spannung. Die Hauptfiguren agieren wieder getrennt voneinander und das lässt die gelungene Dynamik aus dem ersten Teil mehr denn je vermissen. Ein zu langer Film für das Wenige an Quintessenz.

Der Film läuft seit dem 03. Juni 2010 in den deutschen Kinos.

2.5 Sterne

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6 Antworten zu Film | Vergebung (Kritik)

  1. Lisbeths Schatten sagt:

    …und wieder jemand, der Filme nur der Action wegen schaut und unfähig ist, die verborgene Message zu lesen… Der dritte Teil ist der wichtigste, wenn man Lisbeths Art zu sein und zu handeln wirklich zu verstehen trachtet. Ich will mich nicht erdreisten zu behaupten, ich wüsste was Stieg Larsson uns mit diesem Werk sagen wollte, aber für mich ist die Action nur Nebenhandlung, eigentlich geht es um Lisbeth. Ich würde sagen 2 von 6 Sternen deiner Kritik und 6 von 6 dem Film!!!

    • cap82 sagt:

      Wenn du den Film gut fandest, dann ist das ja auch völlig in Ordnung. Aber ich bin nun mal etwas anderer Meinung, dabei bemängel ich nicht fehlende Actionszenen oder Blut und Gemetzel (darauf liegt bei allen drei Filmen nicht der absolute Fokus) sondern vielmehr, dass im Vergleich zu den vorherigen Teilen wenig passiert, was eine solche Filmlänge rechtfertigen würde. Außerdem gibt es gewisse Logikfehler die auch noch den Prozess betreffen. Ich kann meine Punktevergabe daher gut rechtfertigen und wenn du dir anschaust welche Filme ich in meinem Blog noch rezensiere, sollte klar sein, dass es mir bei Filmen defenitiv NICHT nur um Action geht.

  2. JAn sagt:

    Der Roman heißt im Original „Gesprengtes Luftschloss“: Lisbeth lässt sich von den Plänen von Salachenko und der ‚Sektion‘ nicht unterkriegen und zerstört diese innerhalb des Rechtssystems, obwohl nichts dafür spricht, sie sogar wegen vers. Mordes angeklagt ist. Logikfehler sehe ich keine, außer dass Annika auch über Monate immer gleich schwanger aussieht. Und wenn der Herr Rezensent drei ältere Männer nicht voneinander unterscheiden kann, muss Golden Girls ja die Hölle gewesen sein🙂

    • cap82 sagt:

      Wer in diesem Film keine Logikfehler sieht, der hat wohl beide Augen zugedrückt. Außerdem bedeutet meine Review ja keine Kritik an der Romanvorlage. Die habe ich nicht gelesen und daher kann ich diese auch nicht bewerten. Was ein Regisseur aus einem Stoff macht, hat mit dem Romanautor meist wenig zu tun. Danke aber für deine Meinung, Frau Rezensentin freut sich über alle Kommentare.🙂

  3. Agora sagt:

    Mich würden allerdings mal einige Beispiele für die Logikfehler interessieren, wenn du schon davon sprichst, die Kritik gut rechtfertigen zu können..

  4. […] die “Millennium”-Trilogie mit “Verblendung”, “Verdammnis” und “Vergebung” vor wenigen Jahren eindrucksvoll. Auch bei uns waren die Filme ein großer Erfolg. Bevor die […]

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