Film | Gainsbourg – Der Mann der die Frauen liebte (Kritik)

Filmposter Gainsbourg

Handlung: Ein Junge sitzt zusammen mit einem Mädchen am Strand. Er fragt ob er ihre Hand halten darf, doch sie erwidert nur kühl: „Nein, du bist mir zu hässlich.“ Von da an ist für den kleinen Lucien klar, dass er eine hässliche „Fresse“ hat, die sich in seiner unbändigen Phantasie zu einem selbstständigen Wesen entwickelt. Das hält den Jungen aber nicht davon ab sich frech und ungeniert den hübschesten Frauen zu nähern und sie in erotischen oder obszönen Zeichnungen zu verewigen und gleichzeitig noch seine Klassenkameraden damit zu unterhalten. Die Leidenschaft für Frauen hält an auch als Lucien ein junger Mann ist, seine Liebe zum Malen hingegen verliert sich mehr und mehr. Stattdessen verdingt er sich als Pianist in kleinen Bars seinen Lebensunterhalt und entwickelt Spaß am Singen von Chansons. Trotz seiner markanten Gesichtszüge und unsicheren Art hat er ein glückliches Händchen mit Frauen. Obwohl er inzwischen verheiratet ist bekommt er ständig Angebote und lässt sich die zahlreichen Liebesbriefe einfach an sein Elternhaus schicken um nicht auf zufliegen. Während der Erfolg als Sänger kommt wird Lucien zu Serge Gainsbourg und liebt zunehmend das exzessive Leben: Rauchen, Alkohol und Frauen bestimmen seinen Ruhm und sein Scheitern.

Kritik: Chanson-Sänger, Schauspieler, Komponist und Schriftsteller – Serge Gainsbourg war ein Universalist, aber einer der nicht nur positive Schlagzeilen machte. Nicht nur sein Frauenverschleiß und seine Sucht nach Zigaretten und Alkohol waren Kritik ausgesetzt, sondern auch seine provokanten Songtexte in denen er schon mal Obszönität oder Homosexualität thematisierte oder die französische Nationalhymne neu interpretiert. All das verpackte der Regisseur Joann Sfar in einer zweistündigen Biografie über die schillernde Persönlichkeit Gainsbourg. Er setzt bei seiner Kindheit an und zeigt einen extrovertierten, rauchenden Jungen, der auf Konfrontation aus ist und sich dem weiblichen Geschlecht bereits sehr hingezogen fühlt. Auch als Lucien, der sich später nur noch Serge nennt, erwachsen ist, taucht sein kindliches Ich noch in einzelnen Szenen auf und verdeutlicht seine andauernden Konflikte mit sich selbst. Die leibhaftig gewordene „Fresse“ begleitet ihn ein Leben lang und lässt seine Spleens durchscheinen. Eins wird schnell klar: Gainsbourg tat nichts in seinem rasanten Leben um anderen zu gefallen oder es ihnen recht zu machen. Dennoch ist er ständig auf der Suche nach Liebe und Zuwendung. Es handelt sich nicht bloß um eine schnöde Biografie, in der die Stationen im Leben der Figur abgegrast werden. Es ist vielmehr ein Psychogramm eines vielfältigen Menschen. Dabei kommt Gainsbourg keineswegs immer nur sympathisch herüber. Vielmehr kommt seine gequälte Seele und sein Selbstzerstörungstrieb zum Vorschein. Ein idyllisches, ruhiges Leben passte einfach nicht zum schrillen Musiker und genau das vermittelt auch der Film. Der Schauspieler Eric Elmosnino sieht Gainsbourg nicht nur verblüffend ähnlich, er spielt das Multitalent auch noch grandios gut. Dank ihm wird der Film nicht langweilig, es ergeben sich wenig Längen. Gerade die Mischung aus phantastischen Elementen und realistischen Begebenheiten zeigen Gainsbourg als eine undurchsichtige Persönlichkeit zwischen Wahn und Talent, zwischen Selbstzweifel und Selbstverwirklichung. Das Leben eines Menschen auf zwei Stunden zusammen zuschneiden bringt es allerdings mit sich, dass die Handlung gelegentlich etwas sprunghaft wirkt und wie aus dem Nichts eine Ehefrau neben Gainsbourg auftaucht. Hier hätte noch etwas mehr auf einen schlüssigen Aufbau geachtet werden müssen. Wie viel an so einer Biografie wirklich wahr ist und wie viel dazu gesponnen wurde bleibt offen, muss dennoch den Filmgenuss nicht schmälern.

Fazit: Die Biografie über Serge Gainsbourg ist eine vorwiegend gelungene Mischung aus dem was der Künstler erlebte und dem was sich in seiner Gedankenwelt abspielte. Sein exzessives Leben wirkt zeitweise genauso anstößig wie es vermutlich wirklich war. Für Fans von Gainsbourg sowieso ein Muss, aber auch für alle Anderen ein interessanter Einblick in das Wirken einer vielseitigen Persönlichkeit.

Der Film läuft ab dem 14. Oktober 2010 in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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