Film | Nowhere Boy (Kritik)

Nowhere Boy Filmposter

Handlung: John Lennon ist ein Teenager, der seine Sturm- und Drangphase in den 50er Jahren erlebt. Rauchen, trinken und Mädchenherzen erobern gehört für den jungen Mann einfach dazu und wenn zu Hause auch noch einiges schief läuft, dann geht der Respekt vor den Erwachsenen mehr und mehr verloren. Nach dem Tod des geliebten Onkels setzt sich John mit seiner familiären Vergangenheit auseinander. Er will seine Mutter, die ihn als Kleinkind bei ihrer Schwester und deren Mann ließ, kennen lernen. Was so harmonisch anfängt wird für den Teenager immer mehr zur Zereißprobe, denn seine strenge Tante weiß von dem neuen Kontakt zur Mutter nichts, und ist umso geschockter, als sie davon erfährt. Von seiner extrovertierten und lebensfrohen Mutter lernt John auch den Umgang mit dem Benjo und entwickelt ein immer größeres Musikinteresse. Mit seiner ersten Gitarre im Gepäck gründet er mit einigen Schulkameraden eine Band und lebt mittels der Musik das aus, was ihm durch die familiären Konflikte auf dem Herzen liegt.

Kritik: Passend zum Todestag von Beatles-Mitglied John Lennon, der am 8. Dezember 70 geworden wäre und vor 30 Jahren einem Attentat zum Opfer fiel, kommt nun ein Film in die Kinos, der Lennon einmal anders unter die Lupe nimmt. Regisseur Sam Taylor-Wood konzentriert sich auf die schwere Jugend des Mannes und lässt seinen Weg zum großen Musiker und Mitglied der kommerziell erfolgreichsten Band des 20. Jahrhunderts nur am Rande erahnen. In „Nowhere Boy“ ist John Lennon, gut gespielt von Aaron Johnson, ein Teenager mit Wünschen und Macken wie jeder in seinem Alter. Die Elvis-Manie macht aus ihm eine Tollenträger und weckt in ihm ein Musikinteresse wie bei vielen jungen Männern seines Alters, die sich in der 50er Jahren wünschten, mit Elvis tauschen zu dürfen. Damit ist der junge Lennon einer unter vielen und seine Karriere ist nur selten zu erahnen. Dabei üben gerade solche Filme über bekannte Persönlichkeiten, ihren Reiz ja vor allem dadurch aus, dass sie geschickt zeigen, wo das Talent desjenigen seinen ersten Ausdruck fand oder wie es zum Tragen kam. Eigentlich wirkt Lennon hier nicht wie ein überdurchschnittliches Talent, das kann man nun einschätzen wie man will. Wer sich auf Beatles-Musik freut, wird enttäuscht, denn diese Töne werden nur ganz vereinzelt angeschlagen. Stattdessen wird Lennons Jugend beleuchtet und zwangsläufig stellt sich die Frage, wie viel von dem, was da gezeigt wird, authentisch ist. Kristin Scott Thomas und Anne-Marie Duff spielen Tante Mimi und Mutter Julia, die um die Gunst von John buhlen herausragend gut, dennoch wirkt dieses Drama gegen Ende so aufgebauscht, das es schon weh tut. Damit wirkt die Geschichte zu künstlich und man wünscht sich doch, es wäre mehr um Lennons musikalische Entwicklung gegangen. Taylor-Wood hat sich bei seinem Themenschwerpunkt sicherlich etwas gedacht und wollte weg von den puren Lobhudeleien auf die einstigen Beatles-Mitglied und mehr hin zum Menschlichen, aber so ganz geglückt ist das leider nicht. Nur hin und wieder glückt das Eintauchen in die damalige Welt von John Lennon, seine Freude an der Musik und wie der private Balast sich auf diese Freude auswirkte. Dann hat „Nowhere Boy“ durchaus Potential zu überzeugen. Doch insgesamt handelt es sich um ein Drama, das nicht besonders hervor sticht, noch dazu wirkt Lennon eher unsympathisch und die ständige Qualmerei aller Beteiligten geht zusätzlich auf die Nerven. Die geplante Hommage an Lennon, der nicht nur als Sänger und Songschreiber, sondern auch als überzeugter Friedensaktivist Bekanntheit erlangte, glückt nicht, sondern lässt eher die Frage offen: Wieso wurde gerade dieser Teenager zu einem Megastar? Vom Zauber und der Genialität, die Lennon offensichtlich umgaben, wird hier wenig deutlich und das ist schade.

Fazit: Mehr Beatles und weniger Zigaretten hätten dieser John-Lennon Biografie gut getan. Der Film endet, wo es spannend würde und lässt den Zuschauer mit einer gekünstelten Geschichte über einen zerissenen jungen Mann zurück, dem eigentlich nicht anzumerken ist, dass er auf dem Weg ist, ein Weltstar zu werden.

Der Film läuft ab dem 9. Dezember 2010 in den deutschen Lichtspielhäusern.

2.5 Sterne

weitere Filmkritiken

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s