Film | 72 Stunden – The next three days (Kritik)

Filmposter 72 Stunden

Handlung: John Brannon führt das perfekte Leben: Er hat einen sicheren Job als Universitätsprofessor, eine hübsche Frau und mit ihr zusammen einen süßen Sohn. Alles läuft gut, bis eines Morgens die Polizei das Haus stürmt und Johns Frau Lara verhaftet. Der Vorwurf lautet Mord an ihrer Chefin. Die Beweislast ist erdrückend: Sie trägt Blut des Opfers am Mantel, ihre Fingerabdrücke sind an der Mordwaffe – einem Feuerlöscher – und kurz vor der Tat hatte sie einen Streit mit ihrer Arbeitgeberin. Lara wird wegen Mord zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und ihrem Mann bleibt nichts anderes übrig als weiterhin Tag für Tag die Akten über den Fall zu wälzen und darin etwas zu finden, was seine Frau entlastet. Doch die ersten Jahre vergehen, ohne dass sich etwas ergibt. Schließlich steht fest, dass an dem Urteil nichts zu rütteln ist und auch ein Prozess auf höhere Ebene keine Aussichten auf Erfolg hätte. Für Lara bricht eine Welt zusammen als sie davon erfährt, kurz darauf versucht sie sich sogar das Leben zu nehmen. John, der unerschütterlich an die Unschuld seiner Frau glaubt, wird klar, dass es so nicht weitergehen kann. Heimlich schmiedet er einen verzweifelten Plan, um sein glückliches Leben mit Frau und Sohn zurück zu bekommen.

Kritik: Man stelle sich vor, ein geliebter Mensch wird aus heiterem Himmel ins Gefängnis gesteckt und es gibt keine Möglichkeit, ihn wieder dort herauszubekommen. Wie sich ein solches Schicksal anfühlt beschreibt Regisseur Paul Haggis in seinem Thriller „72 Stunden – The next three days“. Opfer der beschriebenen Situation ist die Figur John Brannon, sehr gut gespielt von Russell Crowe. Sein Leiden und sein Umgang mit der Tatsache, dass seine Frau zu lebenslanger Haft verurteilt wird, stehen in diesem Film im Vordergrund. Genau das macht die Handlung reizvoll, denn die üblichen Schwerpunkte wie der Gerichtsprozess oder das Leben der Verurteilten hinter Gittern wichen einem neuen Aspekt: Der Umgang des Ehemanns mit dem Mordvorwurf gegen seine eigene Frau und der Ausweglosigkeit dieser Situation. Der Umgang mit dem kleinen Sohn der ohne Mutter aufwächst, die Versuche eine neue Spur im Mordfall zu finden und für seine Frau stark sein, wenn er sie im Gefängnis besuchen kann. Durch diese tiefergreifende Problematik entwickelt der Film Tiefe und wird im Verlauf außerdem richtig spannend. Was sich John Brannon einfallen lässt, um der für sich und seine Familie ausweglosen Situation zu entkommen, ist ein Unterfangen mit Hürden und Rückschlägen. Dabei geht es nicht ganz ohne Punkte, an denen man als Zuschauer beide Augen zudrücken oder etwas hinnehmen muss, das im wahren Leben sicher anders gelaufen wäre. Doch das tut dem Unterhaltungswert dieses Filmes keinen Abbruch, in dem auch Elizabeth Banks eine respektable Leistung abliefert. Ihre Zerrissenheit zwischen Verzweiflung und ihren Versuchen für Ehemann und Sohn stark zu sein, macht sie auch deutlich, obwohl auf sie nicht der Fokus gelegt wurde. „72 Stunden“ liefert Spannung und einen interessanten Blickwinkel auf eine nicht unerhebliche Problematik. Unweigerlich stellt man sich im Filmverlauf die Frage, wie gut das Rechtssystem in unserer Welt funktioniert und wie oft es vorkommt, dass jemand unschuldig hinter Gittern sitzt.

Fazit: „72 Stunden“ ist ein spannender Thriller, der mit guten Schauspielern überzeugt. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende interessant und weckt Neugier wie es weitergeht. Es geht nicht um massive Kritik am Rechtssystem oder einen pathetischen Kampf um Gerechtigkeit, sondern um die verzweifelte Bewältigung eines Schicksals mit der spannenden Frage für den Zuschauer ob es klappt oder nicht.

Der Film startete am 20. Januar 2011 in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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