Film | The Artist (Kritik + Trailer)

Filmposter The Artist

Handlung: 1927: George ist ein gefeierter Stummfilmstar, das Publikum liegt ihm zu Füßen. Als er die Jungschauspielerin Peppy kennenlernt, ist er hingerissen von ihr. Er hilft ihr, eine kleine Rolle in seinem aktuellen Film zu bekommen – für sie ist das der Beginn einer steilen Karriere. Bei ihm hingegen sieht es düster aus: Die Erfindung des Tonfilms macht George zu schaffen, denn er will sich dieser Erneuerung nicht anschließen. Er verliert seinen Produzenten und geht pleite, als sein selbst finanzierter Film floppt. Als ihn dann auch noch seine Frau verlässt, scheint der Abstieg des einstigen Stars unabänderlich.

Kritik: Der Film auf der Leinwand ist zu Ende und das Publikum verfällt in tosenden Applaus. Doch zu hören ist absolut nichts. Diese befremdliche Situation ist eine der ersten Szenen von „The Artist“, einem französischen Stummfilm. Er spielt 1927, doch gedreht wurde er 2011 und ist damit ein gewagtes Filmprojekt. Ein Stummfilm zu Zeiten von digitaler Projektion und 3D-Technik? Das Wagnis hat sich gelohnt: Gerade wurde der schwarzweiß Film mit dem Oscar für den Besten Film ausgezeichnet, dabei hat er Konkurrenten wie den oppulenten 3D-Film „Hugo Cabret“ hinter sich gelassen. In vielen Ländern ist „The Artist“ des französischen Regisseurs Michael Hazanavicius zum Überraschungshit avanciert, nur hierzulande haben sich bisher verhältnismäßig wenig Zuschauer dafür begeistern können. Das sollte sich schleunigst ändern.

Getragen wird die Geschichte rund um den fallenden Filmstar George Valentin von Hauptdarsteller Jean Dujardin, der diese tragische Figur hervorragend verkörpert. Seine Herausforderung: Emotionen an das Publikum vermitteln ohne zu sprechen, ohne die Stimme einzusetzen. Er schafft das wunderbar und spielt den gutgelaunten, gefeierten Sunnyboy ebenso gut wie den am Boden Zerstörten. Seine Leistung wurde ebenfalls mit einem Oscar ausgezeichnet. Ähnlich gut verkauft sich auch Bérénice Bejo in der Rolle der aufstrebenden Peppy. Das interessante ist, dass beide Darsteller authentisch und sympathisch wirken, auch wenn sie ihre Mimik und Gestik durch den fehlenden Ton oft übertrieben und etwas befremdlich einsetzen müssen. Es braucht ein wenig Überwindung, um sich auf diese Art von Film einlassen zu können. Aber wenn man sich erstmal traut, gewöhnt man sich unerwartet schnell daran und schon alleine diese Art einen Film zu sehen, wie wir es heute nicht mehr tun, ist es wert sich „The Artist“ anzusehen.

Dazu kommt noch die Geschichte, die dank der guten Darsteller zu Herzen geht. Einen Stummfilm über die Zeit zu drehen, als der Tonfilm erfunden wurde, wirkt auf den ersten Blick unlogisch, funktioniert aber. Dank interessanter Kameraperspektiven und dem Einsatz von Spiegeln und Schatten entsteht eine dichte Atmosphäre. Dass Ton als Stilmittel an einigen wenigen Punkten des Films seinen Einsatz findet, macht das Filmerlebnis zusätzlich reizvoll. Kurzum: „The Artist“ ist ein wunderbarer Film, der so völlig aus unseren üblichen Sehgewohnheiten der Gegenwart herausfällt und gerade deswegen Aufmerksamkeit erregt. Noch dazu stimmt die Geschichte und die Darsteller hauchen ihr auf faszinierende Weise Leben ein. Mehr Leben, als viele spektakuläre Filme mit großem Sound besitzen. Ein verdienter Oscargewinner, den Filmfans gesehen haben sollten.

Der Film läuft seit 26. Januar in den deutschen Kinos

5 Sterne

Trailer:

Copyright Trailer: Delphi Filmverleih

weitere Filmkritiken

2 Antworten zu Film | The Artist (Kritik + Trailer)

  1. mfis sagt:

    Tja, das Publikum hierzulande schaut halt lieber sowas da:

    http://mfis.wordpress.com/2012/02/29/filmkritik-die-rache-der-wanderhure-2012/

    Was selbstredend schade ist..

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s