Film | Schilf – Alles, was denkbar ist, existiert (Kritik + Trailer)

Shilf Filmposter

Handlung: Sebastian und Oskar sind Freunde seit Studienzeiten. Während Oskar im angesehenen Schweizer CERN-Institut arbeitet, ist Sebastian lediglich Professor an der Uni Jena, dafür hat er Frau und Kind. Eigentlich verstehen sich die beiden Männer hervorragend, doch wenn es um ihre wissenschaftlichen Überzeugungen geht, geraten sie regelmäßig aneinander. Sebastian vertritt standhaft die Theorie, dass es Paralleluniversen gibt, Oskar lehnt den Gedanken vollkommen ab. Doch dann wird Sebastians Sohn Nick entführt, um ihn zu retten erhält der Physiker eine seltsame Anweisung per Telefon – er soll einen Arzt aus dem Weg räumen. Von nun an beginnt für Sebastian ein mysteriöser Trip, in dem er seiner Theorie vom Paralleluniversum näher kommt als geahnt.

Kritik: „Schilf“ – wem dieser Filmtitel bekannt vorkommt, der hat ihn vielleicht schon mal in einem Buchladen oder auf einer Bestseller-Liste aufgeschnappt: Julie Zeh gelang 2007 mit ihrem Roman „Schilf“ ein großer Erfolg, verband darin den klassischen Krimi mit einer Physikerreise. Nun brachte Regisseurin Claudia Lehmann diese Geschichte – die in Buchform auch eine Menge negative Kritiker fand – auf die große Leinwand. Die Spannung der Handlung wird schnell auf die Theorie von Paralleluniversen gelenkt, verliert sich dann scheinbar etwas, rückt dann aber wieder in den Mittelpunkt. Wer die Geschichte nicht durch den Roman schon kennt, verfolgt „Schilf“ daher gespannt und erlebt schließlich immer mehr Verwirrungen, die häppchenweise serviert wird. Wer sofort Antworten auf alle Fragen will, ist hier falsch, aber wer sich gern zum Denken und Tüffteln anregen lässt, der findet Futter.

 Ein großer Haken dieser deutschen Produktion ist allerdings das Erzähltempo: Immer wieder wird die (eigentlich spannende) Geschichte durch Szenen voller Schweigen und in die Länge gezogene Dialoge entschleunigt und damit verdirbt sich Regisseurin Lehmann eine große Chance, auf einen mitreißenden Film. Die Schauspieler machen ihre Arbeit gut, stechen aber nicht sonderlich heraus. Vor allem Stipe Erceq als Theorieverfechter Oskar ist kein darstellerischer Glanzpunkt, wirkt oft lust- und emotionslos. Durch diese Merkmale wirkt „Schilf“ leider im größten Verlauf eher wie ein Abendkrimi im Fernsehen. Es fehlt nicht nur an schauspielerischer Präsenz, sondern auch an visuellen Innovationen, die dem außergewöhnlichen Thema der Paralleluniversen auch optisch gerecht würden. Das hätte nicht den kompletten Film umkrempeln müssen, denn gerade die klaren und einfachen Schauplätze, die auch bei uns um die Ecke hätten entstanden sein können, geben „Schilf“ durchaus passende Authentizität. Aber etwas mehr Tempo und ein paar eingestreute Aha-Szenen, würden den Zuschauer sicherlich mehr in den Film ziehen. Nichtsdestotrotz: Wer sich für parallele Welten und Zeitreisen interessiert, findet in „Schilf“ sicherlich ein paar Ansätze zum Nachdenken, und das ist es doch letztlich, was ein Film bewirken sollte.

 Der Film läuft seit 8. März 2012 in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

Trailer:

Copyright Trailer: X Verleih AG

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Eine Antwort zu Film | Schilf – Alles, was denkbar ist, existiert (Kritik + Trailer)

  1. DasNetzInDir sagt:

    Ein sehr passende Einschätzung, da hätte durchaus mehr drin sein können.

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