Film | Headhunters (Kritik + Trailer)

Headhunters Plakat

Handlung: Roger Brown ist zwar einer der erfolgreichsten Headhunter Norwegens (heißt er sucht für Firmen den bestqualifizierten Mitarbeiter auf eine freie Stelle), aber dennoch hadert er mit seiner Körpergröße von nur 1,68 Meter. Um seine attraktive Frau, die Galeristin Diana zu halten, macht er ihr teure Geschenke am laufenden Band. Um diese und das luxuriöse Leben des Paares finanzieren zu können, reicht der Job nicht aus. Daher ist Roger als Kunstdieb aktiv, sein Komplize Ove hilft ihm dabei, die Coups mit wertvollen Gemälden abzuwickeln. Doch dann taucht Clas in seinem Leben auf. Zunächst glaub Roger in ihm ein neues Opfer gefunden zu haben, doch plötzlich wendet sich das Blatt und er wird selbst zum Gejagten.

Kritik: Dass sich das skandinavische Kino ebenso gut auf spannende Thriller versteht wie Hollywood, bewies die „Millennium“-Trilogie mit „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ vor wenigen Jahren eindrucksvoll. Auch bei uns waren die Filme ein großer Erfolg. Bevor die Begeisterung wieder vollkommen abebbt, dachte sich die „Millennium“-Produktionsfirma Yellow Bird wohl, dass sie besser nachlegt und präsentiert nun eine neue Bestseller-Verfilmung aus heimatlichen Gefilden. Aus Jo Nesbos Roman „Headhunters“ machte Regisseur Morten Tyldum einen Film, der vor allem mit einem überzeugenden Hauptdarsteller punktet: Aksel Hennie passt perfekt in die Rolle des aalglatten Geschäftsmannes, der erst zufrieden ist, wenn er sein Umfeld unter Kontrolle hat. Doch dafür hat „Headhunters“ ein Problem: Er weiß nicht so recht, was er will. Los geht es mit der locker-flockigen Vorstellung der Hauptfigur Roger, der schnellstens in die Unsympathisch-Schublade fällt – er lügt, betrügt und meint, sich mit Geld alles kaufen zu können, auch die Liebe seiner Frau. Dann entspinnt sich flugs ein Thriller, rund um den geheimnisvollen Clas, und mit einem Mal sieht man sich in eine zum Teil sehr groteske Verfolgungsjagd versetzt, in der Roger einen tiefen Fall erlebt. Aber auch nur, um am Ende wie Phoenix aus der Asche wieder aufzuerstehen; nicht nur stärker, sondern auch geläutert.
Einige überraschende Wendungen und spannende Szenenfolgen hat „Headhunters“ dabei zweifelsohne zu bieten, aber es will sich einfach kein homogener Film daraus ergeben. Was der Zuschauer mit dem äußerst präsenten Protagonisten anfangen soll, ist dabei ein großer Knackpunkt: Sollen wir nach der Einleitung seiner Figur als Schweinehund nun Mitleid mit ihm haben, wenn er in Todesangst vor dem Ex-Marine Clas davonläuft? Oder sollen wir uns wünschen, dass er geschnappt wird? Genauso ergeht es einem mit der Handlung: Soll man lachen oder Angst haben, wenn Roger beispielsweise mit einer Dogge um sein Leben ringt und ihn schließlich auf einen Traktor aufspießt? Der Film gibt da keine Richtung vor und wenn Roger später – schwer gezeichnet von der andauernden Hetzjagd auf ihn – vor seiner Frau sitzt und ihr kleinlaut erklärt, dass er bisher keine Kinder mit ihr wollte, da er sie nicht mit jemand anderem teilen will, dann fällt „Headhunters“ wirklich aus jeder Einordnung heraus.
Dass Roger aus den irrwitzigen Geschehnissen, die mit blutigen Gewaltszenen und Ekelfaktor garniert sind, als gewievter Sieger hervorgeht, macht den Plot noch unglaubwürdiger. Haben den Headhunter für rund 1 Filmstunde alle Menschenkenntnis verlassen, so fasst er sich dank der Liebe zu seiner Frau wieder, und dreht den Spieß um. Merkwürdiger geht es kaum. So bleibt zu sagen, dass „Headhunters“ (für dessen Remake sich Hollywood übrigens schon die Rechte gesichert hat) mit einem starken Hauptdarsteller kurzweilig unterhält und durchaus mal spannend wird, aber einen doch nicht vollkommen überzeugt. Dazu ist die Geschichte zu konstruiert und der Genremix zu seltsam und uninspiriert zusammengewürfelt. So als wollte Regisseur Tyldrum sich nicht entscheiden, ob sein Film nun in Ernsthaftigkeit schockieren oder mit einem Augenzwinkern amüsieren will. Das ständige Hin- und Her tut „Headhunters“ in vielen Situationen nicht gut und lässt den Zuschauer etwas überfragt zurück.

Der Film startete am 15. März in den deutschen Kinos.

2.5 Sterne

Trailer:

Copyright Trailer: NFP Kino

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