Film | Moonrise Kingdom (Kritik + Trailer)

moonrise kingdom poster

Handlung: 1965 auf der kleinen Insel New Penzance vor der Küste Neuenglands: Sam Shakushky ist in seiner Pfadfinder-Gruppe der unverstandene Außenseiter. Daher fällt an jenem Morgen die Trauer über sein Verschwinden gering aus. Nur der Leiter des Lagers Scout Master Ward gibt keinen seiner Pfadfinder verloren, wie unbeliebt er in der Gruppe auch sein mag. Sams hinterlassene schriftliche Kündigung als Pfadfinder hält ihn nicht davon ab, eine Suchaktion zu starten. Was er nicht ahnt: Sam ist nicht allein, sondern mit Suzy Bishop unterwegs. Die Beiden sind verliebt und planen schon länger in Briefen ihre Flucht von zuhause. Suzy fühlt sich in ihrer Familie unverstanden und nicht zugehörig, Sam hält als Waise, der von den Adoptiveltern ins Pfadfinder-Lager abgeschoben wurde, sowieso nichts mehr auf der Insel. Doch ihre Flucht gestaltet sich alles andere als einfach.

Kritik: Kauzige Figuren in unwirklicher Kulisse – das scheint Regisseur Wes Anderson zu liegen. Nach Filmen wie „The Royal Tenenbaums“ und „Darjeeling Limited“ (und fünf Jahren ohne Realverfilmung, sondern als Regisseur eines Stop-Motion-Animationsfilms namens „Der fantastische Mister Fox“) schickt er in seinem neusten Film „Moonrise Kingdom“ zwei Verliebte auf eine Reise. Die sind nicht mehr ganz Kind, sondern auf der Schwelle zum Teenager-Alter. Ihre junge Liebe ist skurril, aber so ehrlich zugleich; ihre Flucht von zuhause, das eigentlich keines für sie ist, so inbrünstig aber auch so naiv. Sie wollen weg, aber Suzy trägt Kniestrümpfe und Lackschuhe wie zu einem Sonntagsausflug und schleppt einen Koffer voller Lieblingsbücher mit sich herum.

In der bunten Welt der 60er Jahre, in die Anderson seine Figuren versetzt, sind die beiden Kinder die Stars, auch wenn echte Hollywood-Größen mit an Bord sind. Die überzeugen zwar – sowohl Bruce Willis als gutherziger Inselpolizist, Edward Norton als pflichtbewusster Pfadfinderleiter und Bill Murray in der Rolle des ehemüden Familienvaters – sind aber eigentlich nur schmückendes Beiwerk. Sie gehören zur Schar der Verfolger, die sich langsam formiert und Sam und Suzy droht, aus ihrer selbstbestimmten Welt herauszuholen. So arbeiten in „Moonrise Kingdom“ Liebe gegen Vernunft und Unschuld gegen Lebensweisheit. Die reifste Liebe zeigen Sam und Suzy, die Erwachsenen hingegen sind viel zu nüchtern und abgestumpft um das Glück der Beiden verstehen zu können. Gebettet ist die Verfolgungsjagd in die Erwartung eines nahenden Sturms, der sich scheinbar zeitgleich entwickelt und zusammen mit der Handlung gipfelt.

Entstanden ist eine spannende Reise zweier Fast-Teenies über eine bunte Insel und durch den Sturm der ersten großen Liebe, gegen viele Widerstände. Dabei gibt es für den Zuschauer viel Anlass zu schmunzeln, mitzufiebern und sich an eigene Erlebnisse erinnert zu fühlen. Anderson zeigt, was er am besten kann: Welten schaffen, die anders sind, aber letztlich doch ganz nah am Leben und an allgemeingültigen Dingen. So wie die Moral, dass es hin und wieder nicht schadet, sich an der Unschuld und Naivität von Kindern ein Vorbild zu nehmen.

Kinostart: 24. Mai 2012

4 Sterne

Trailer:

Copyright Trailer und Poster: Tobis Film

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2 Antworten zu Film | Moonrise Kingdom (Kritik + Trailer)

  1. kulii sagt:

    hört sich nach sanftem Familienkino an. Sowas brauch ich mal wieder😉

  2. Ein total charmanter Film, den man auch mehrmals sehen kann, weil es so viele Details zu entdecken gibt (meine Kritik hier: http://www.leselink.de/filme/coming-of-age-filme/moonrise-kingdom.html).

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