Film | The Rum Diary (Kritik + Trailer)

 The Rum Diary Poster

Handlung: Paul Kemp ist New Yorker Journalist, der sich um eine Stelle bei der Tageszeitung „The San Juan Star“ in Puerto Ricos Hauptstadt beworben hat. Er bekommt den Job und hat vor, ein paar heiße Geschichten an Land zu ziehen. Stattdessen muss er die Horoskope verfassen und ergibt sich zudem schnell  dem Lebensstil der dortigen Reporter, die ihm selbst sehr entgegen kommt: Es wird vor allem getrunken – nicht in der Redaktion, sondern in der nächstgelegenen Bar und so endet fast jeder Abend verkatert. Als sich Paul dann auch noch in eine hübsche Unbekannte verliebt, die sich später als die Verlobte des reichen Unternehmers Sanderson entpuppt, greift der desillusionierte Journalist erst recht zu jedem Drink, der sich ihm bietet. Doch dann schlägt ihm ausgerechnet Sanderson ein Geschäft vor und mit einem Mal steckt Paul mitten drin in einer heißen Geschichte…

Kritik: Ein bisschen ungewohnt ist es schon, Johnny Depp so völlig ohne Maskerade zu sehen: Keine schwarze Prinz-Eisenherz-Frisur, die ihn in den dauergrinsenden Willy Wonka verwandelte, keine weiße Haut und spitzen Eckzähne, durch die er den wiedererweckten Vampir Barnabas verkörperte und auch keine filzigen Haare, Kayal und Goldzahn, was ihn zum unverwechselbaren Captain Jack Sparrow machte. Nein, diesmal ist Depp pur zu sehen und kann in der Rolle des Journalisten Paul Kemp glänzen. Zwar ist er mit tatsächlich schon 49 Lenzen auf dem Buckel für die Rolle des jungen, unerfahrenen Reporters, der im exotischen Puerto Rico nach der bisher ausgebliebenen Anerkennung sucht, nicht die passendste Wahl. Mögliche Zweifel räumt er aber mit seinem schauspielerischen Können aus, und das macht deutlich: Depp muss sich nicht hinter einer skurrilen Maske verstecken, er hat es auch so drauf. Dass er die Hauptrolle in dieser Mischung aus Drama und Comedy erhielt, liegt aber auch an den Hintergründen, denn er scheint wohl geradezu prädestiniert: Der Film basiert auf den gleichnamigen Roman von Hunter S. Thompson, der auch die Geschichte zu „Fear and loathing in Las Vegas“ erdacht hat. Hier spielte Depp bereits vor nunmehr 14 Jahren die Hauptrolle. Bis zu Thompsons Tod im Jahr 2005 waren er und der Hollywood-Schauspieler außerdem dicke Freunde. So trieb Johnny Depp auch die Umsetzung des Romanstoff voran, produzierte gleich munter mit und nun können Filmfreunde sich das Ergebnis auf der großen Leinwand ansehen. Wahrscheinlich ist dem wandlungsfähigen Schauspieler dieses Projekt eine wahre Herzensangelegenheit geworden.

Wenn man die Hintergründe weglässt und den Film für sich betrachtet, dann ist Depp auf jeden Fall ein dicker Pluspunkt von „Rum Diarys“ denn da wo der Film etwas schlapp macht, ist Depp zur Stelle um einiges zu richten. Die Bilder erzählen vom Trinken, vom Kette rauchen sowie von Drogenexperimenten und wandeln zwischen den Extremen: Weißleuchtender Luxus mit Blick aufs brandende Meer auf der einen Seite und dunkle, vor Dreck triefende Armut auf der anderen Seite. Dass sich letztere als lebhafter und harmonischer entpuppt, ist ein netter Nebeneffekt. Kontrastreich ist auch der Wechsel zwischen dem Drama, unterfüttert mit Machtspielen, Geldgier, verschmähter Liebe sowie Rassenunterschieden und den Komödien-Elementen. Wenn Paul mit seinem Fotografen-Freund Sala ihm Mini-Auto vor einer Schlägerei flüchtet oder die Zwei im Drogenrausch durch die Straßen torkeln, dann gibt es viel zu lachen. Doch so ganz wollen sich diese Dinge nicht in ein harmonisches Ganzes zusammenfügen. Große Spannung kommt im Verlauf des 2-Stunden-Werkes nicht auf, man fragt sich eher immer mehr, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Hervorzuheben sind vor allem die Darsteller, die ihre Sache gut machen. Neben Depp ist das vor allem Giovanni Ribisi als abgehalfterter Ex-Reporter. Immer wenn er auftaucht ist man als Zuschauer heilfroh, dass es noch kein Duftkino gibt. Eine Frau (gespielt von der nur aus kleineren Rollen bekannten Amber Heard) ist auch im Spiel, aber eigentlich erfüllt sie lediglich die Aufgabe gut auszusehen und für Stress unter den Männern zu sorgen, nicht aber in eine wichtige Charakterrolle zu schlüpfen.

Somit ist „Rum Diary“ zwar hübsch anzusehen mit seinem detailverliebten 60er Jahre-Flair, den starken Kontrasten zwischen bescheiden lebenden Einheimischen und ausländischen Luxushungrigen sowie einem gut aussehenden Johnny Depp, aber es fehlt einfach etwas: Eine echte Handlungskurve, die Spannung und die Entscheidung ob nun Kapitalismuskritik geübt oder doch eher geblödelt wird. Tragisch sind die Figuren allemal, aber man weiß als Zuschauer dennoch nicht so recht, was man mit ihnen anfangen soll: bemitleiden, auslachen oder doch beurteilen? Stattdessen begleiten wir das Alter-Ego des bereits verstorbenen Romanautors Hunter S. Thompson bei einer Episode seines Lebens und fragen uns am Ende, warum gerade dieser Ausschnitt so sehenswert sein und was er uns mit auf den Weg geben soll.

Kinostart: 2. August 2012

2.5 Sterne

Trailer:

Copyright Trailer + Poster: wildbunch germany

weitere Filmkritiken

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s