Film | Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (Kritik + Trailer)

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Handlung: Dodge ist doppelt arm dran: Nicht nur, dass wegen eines riesigen Asteroiden das Ende der Menschheit bevorsteht, er sieht den letzten Wochen auch noch alleine entgegen. Denn seine Frau hat ihn Hals über Kopf verlassen. Während er sich gerade damit abfindet, die noch verbleibende Zeit mit arbeiten und gemütlichen Abenden vor dem Fernseher zu verbringen, in dem eine Sondersendung den Countdown bis zum Asteroiden-Aufprall runterzählt, sitzt seine Nachbarin Penny heulend vor seinem Fenster: Alles was sie wollte, war zur Familie zu reisen, doch sie hat den letzten Flug dorthin verpasst. Dodge tröstet sie und als einige Tage später Plünderer in das Appartement-Haus einfallen, rettet er sie. Sie beschließen, gemeinsam zu reisen: Die quirlige Penny will zu ihrer Familie, Dodge zu seiner ersten großen Liebe Olivia. Auf dem Weg dorthin erlebt das ungleiche Paar eine ganze Menge.

Kritik: Der Weltuntergang ist angesichts der Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung und Atomwaffen kein völlig abwegiges Thema. Daher fühlen sich auch immer wieder Regisseure dazu berufen, diese Bedrohung zu visualisieren. Fernab von Science-Fiction und Horror ist nun eine ganz andere Variante in die Kinos gekommen: Die Regisseurin Lorene Scafaria nimmt die letzten Wochen der Menschheit in den Blick und erzählt dabei eine herzerwärmende und dennoch nie zu kitschige Liebesgeschichte. Das ungleiche Paar, das eigentlich so ziemlich nichts gemeinsam zu haben scheint, wird von Steve Carell (aktuell auch in der Liebeskomödie „Wie beim ersten Mal“ zu sehen) und Keira Knigtley („Fluch der Karibik“) dargestellt. Er ist der etwas biedere und unauffällige Versicherungs-Agent, den das Ende der Welt offensichtlich nicht sonderlich schrecken kann. Sie hingegen ist die quirlige und lebensfrohe Träumerin, die bei der Flucht auf jeden Fall ihre Lieblingsplatten retten will. Die beiden spielen ihre Parts wunderbar und der Roadtrip zu den vermeintlich wichtigsten Menschen in ihrem Leben, ist eine Mischung aus Komödie und Drama.

Sie treffen dabei Menschen, die symbolisch für die unterschiedlichen Varianten stehen, wie man mit dem baldigen und unverrückbaren Weltende umgehen kann: Vom vorzeitigen Tod, über wilde Orgien inklusive hemmungslosem Drogenkonsum bis hin zum Rückzug in einen Bunker, um das Inferno zu überstehen und danach die Gattung Mensch neu aufzubauen. Dabei werden all diese Modelle so sanft, fast beiläufig eingestreut, dass sich ihre Bedeutung erst im Nachhinein entfalten. Gastauftritte gibt es durch diese Nebenhandlungen beispielsweise für Martin Sheen, Adam Brody („Mr. & Mrs. Smith), Melanie Lynskey (die Rose aus „Two and a half men“) sowie Patton Oswalt (Spence aus “King of Queens”). Im Mittelpunkt steht aber die Beziehung zwischen Dodge und Penny. Dabei schwingt die Ironie mit, dass sie erst angesichts des Weltendes und der damit verbundenen Ausnahmesituation zueinander finden. Ohne diese Katastrophe wären sie wohl Nachbarn geblieben, die nie auch nur ein Wort miteinander gesprochen hätten. Doch das schmälert die Reinheit dieser Liebesgeschichte kein bisschen. Stattdessen lässt sie einen immer wieder vergessen, dass es keine Zukunft für die Beiden und keine Rettung für sie oder einen anderen Menschen gibt.

Wenn es einem dann doch wieder bewusst wird, rührt es zutiefst und zwangsläufig kommt der Gedanke in einem hoch, wie man selbst in so einer Situation handelt würde. Wo will man die letzten Wochen verbringen und mit wem? Was will man unbedingt noch erleben, bevor es zu Ende ist? Das Regiedebüt von Lorene Scafaria ist eine durch und durch gelungene Endzeitromanze. Sie vereint komödiantische Road-Trip-Elemente mit Drama und Liebesfilm und schafft damit einen äußerst berührenden Film. Von der ersten Minute an ist klar, worauf dieser Film hinausläuft und dennoch gibt es reichlich Möglichkeiten, was den Figuren bis dahin noch passiert. Vor allem Steve Carell in seiner tragischen Rolle, genießt das späte aber für ihn vollkommene Glück auf eine zurückhaltende und dennoch wirksame Weise. Trotz – oder gerade wegen – des tragischen Hintergrunds, entfaltet sich in „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ eine der schönsten Liebesgeschichten seit langem und wenn die Leinwand schwarz wird, hält es einen für eine Weile noch verzaubert auf dem Sitz.

Kinostart: 20. September 2012

5 Sterne

Trailer:

Copyright Poster+ Trailer: Universal Pictures

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4 Antworten zu Film | Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (Kritik + Trailer)

  1. Ich fand den Film auch wunderbar und saß genau wie beschrieben, „für eine Weile verzaubert im Sitz“. Freut mich, dass es andern genauso ging.

    • cap82 sagt:

      Schön, dass du meine Meinung teilst. Während ich so verzaubert dasaß, eilte ein Typ schnellen Schrittes aus dem Kino und war schon mit dem Handy beschäftigt. Der schien eher froh zu sein, dass es vorbei war. So verschieden sind die Geschmäcker. Bei so nem Film muss halt der Funke überspringen. ;o)

      • Haha, das ist lustig, weil bei mir waren auch zwei Typen im Kino, die danach rausgesprintet sind und sich sehr aufgeregt haben (sie waren eindeutig im falschen Film) aber immerhin habe sie ihn den ganzen Film durchgehalten ;D

      • cap82 sagt:

        Die meisten Männer denken wahrscheinlich, dass sie actionreiche Untergangs-Szenarien und Massenpanik zu sehen bekommen. Solche Erwartungen werden bei diesem Film natürlich enttäuscht, denn darum geht es ja gar nicht. Aber ich finde, wer sich auf das Gebotene nicht einlässt, hat wirklich was schönes verpasst. ;o)

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