Film | Savages (Kritik + Trailer)

Savages Poster

Handlung: Die beiden Freunde Chon und Ben haben vor einigen Jahren gemeinsam die Droge Marihuana für sich entdeckt. Beim privaten Konsum ist es dabei nicht geblieben. Als Hobby-Botaniker züchteten die Jungs neue, effektivere Sorten und bauten damit ein stattliches Drogengeschäft auf. Seither führen sie ein sorgenfreies Leben im Luxus, dennoch teilen sie sich eine Frau: O (Abkürzung für Ophelia) ist die Dame ihres Herzens und gibt ihrerseits an, dass die Mischung aus den beiden sehr unterschiedlichen Freunden der perfekte und vollkommene Mann für sie sei. Doch die Idylle ist vorbei, als die mexikanische Drogenkönigin Elena Sánchez in die erfolgreichen Geschäfte von Chon und Ben einsteigen will. Denn als die sich heimlich absetzen wollen, um der aufgezwungenen Zusammenarbeit zu entgehen, wird O entführt. Nun haben die beiden Freunde nichts mehr zu verlieren und setzen alles daran, ihre große Liebe unbeschadet zurückzubekommen.

Kritik: Manche Filme führen sanft in die Handlung ein und gehen einen behutsamen Weg mit dem Zuschauer – andere Filme beginnen wie ein Paukenschlag. Eindeutig zu letzterer Sorte gehört „Savages“, das neue Werk von Regisseur Oliver Stone. Schon in den ersten paar Minuten gibt es eine Sexszene sowie einen Internetclip zu sehen, in dem ein ganzer Trupp Männer blutig geköpft wird. Genauso abrupt wie die Sunnyboys Chon und Ben aus ihrem bequemen Leben gerissen werden, so wird auch der Zuschauer regelrecht vor den Kopf gestoßen. Erst danach hilft O als Off-Erzählerin beim Verständnis des großen Ganzen, zeigt die Vorgeschichte und kommentiert auch im weiteren, zumeist rasanten Filmverkauf was passiert. Es ist eine ungewöhnliche Mischung, die sich dort abspielt: Im Kontrast zu Os philosophisch angehauchten Weisheiten und der Freude am Marihuana-Konsum steht die Rohheit der Charaktere, die für ihr persönliches Ziel allesamt über Leichen gehen.

Vor allem Salma Hayek als gefühlskalter Vamp und Benicio Del Toro als ihr Handlanger, der sadistischen Spaß an der Unterdrückung anderer hat, leisten dabei gute Arbeit und sind äußerst präsent in ihren Rollen. Dahingegen wirken Taylor Kitsch als kriegstraumatisierter obercooler Chon und Aaron Johnson („Nowhere Boy“) als sozial engagierter Pazifist Ben fast ein wenig blass und die zuckersüße Blake Lively bleibt noch weniger in Erinnerung. Regisseur Oliver Stone nutzte diesen Drogenfilm wohl vor allem, um Themen aufzuarbeiten, die ihm selbst auf der Seele brannten. So hat er selbst ein Vietnam-Trauma, sieht sich andererseits auch als idealistischer Weltverbesserer. Dem „perfekten Mann“, wie O im Film die Mischung aus Chon und Ben nennt, wäre Stone also nicht unähnlich. Zudem hält der US-Regisseur  Marihuana für ein Gottesgeschenk, in dem er nur positiven Nutzen für die Menschheit sieht. Da verwundert es nicht, dass es im Film nahezu keine kritische Auseinandersetzung mit der Droge gibt. Obwohl sie für den ganzen Ärger sorgt, finden die drei verträumten Protagonisten wieder dorthin zurück. Nur an einer Stelle, nämlich als O mit ihrer Entführerin Elena ins Gespräch kommt und von ihren seit Jahren anhaltenden Konzentrationsschwächen spricht, wird deutlich, dass Marihuana Folgeschäden verursacht und eine Abhängigkeit mit sich bringen kann.

Diese Kritik kommt allerdings eindeutig zu kurz. Stattdessen setzt Stone auf Action und Gewalt, lässt die Konflikte der Parteien dabei mehr und mehr hochkochen und eskalieren. Das ist zwar zumeist spannend und unterhaltsam, aber der tiefere Sinn des Spektakels bleibt einem verborgen – eben weil eine kritischere Auseinandersetzung damit weitestgehend fehlt. Auch die Dreiecksbeziehung zwischen Chon, Ben und O erinnert vermehrt an die sorgenfreien Ideale der Hippi-Ära, und man bekommt das Gefühl, dass sich die Drei gerade wegen ihres vermeintlich erholsamen und befreienden Drogen-Konsums für das fragwürdige Konzept des Zusammenlebens entscheiden. Der Regisseur lässt ihnen die Freiheit und überspielt jede noch so brutale Gewaltszene mit Os geistreichen Gedanken aus dem Off. Einen gewissen Reiz macht dieser Kontrast zwar aus, aber letztlich lässt er das Geschehen auch in einem äußerst fragwürdigen Rahmen stehen. Einen Lerneffekt bietet „Savages“ nicht, dafür können sich die bösen Buben der Handlung wie Del Toro, Hayek und John Travolta austoben und eindrucksvoll zeigen, mit welcher Grausamkeit die Menschen zu handeln in der Lage sind.

3.5 Sterne

Kinostart: 11. Oktober 2012

Trailer:

Copyright Poster+ Trailer: Universal Pictures

weitere Filmkritiken

Eine Antwort zu Film | Savages (Kritik + Trailer)

  1. […] weiteren Rollen sind Zoe Zaldana („Avatar“), Lee Pace, Glenn Close und Benicio Del Toro („Savages“) zu sehen, eine Starriege, die sich also sehen lassen kann. Natürlich ist auch Stan Lee in einem […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s