Film | Angels‘ Share – Ein Schluck für die Engel (Kritik + Trailer)

 Angels Share Poster

Handlung: Robbie sieht aus wie ein schmächtiger Jugendlicher, den kein Wässerchen trüben kann. Doch eigentlich hat er es faustdick hinter den Ohren: Zwei Kerle hat er zusammengeschlagen und für dieses brutale Vorgehen muss er sich nun vor dem Richter verantworten. Er hat Glück: Er muss lediglich Sozialstunden ableisten. Mit ihm im Boot sitzen junge Menschen, die ebenfalls mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind: Die freche Mo kann das Klauen nicht lassen, Rhino erregt gerne öffentliches Ärgernis und uriniert beispielsweise auf Statuen und der dümmliche Albert ist betrunken auf die Bahngleise gefallen. Zum Glück gerät der missratene Trupp an den fürsorglichen Sozialarbeiter Harry. Der versteht Spaß und nimmt die Kids sogar zu einer Whiskey-Verkostung mit. Vor allem Robbie erkennt, dass er ein Faible für die feinen und Jahrzehnte lang gelagerten Tropfen hat. Als die Vier von einem besonders wertvollen Whiskey erfahren, kommt ihnen eine Idee, die das trostlose Leben im grauen schottischen Vorort um einiges erleichtern soll.

Kritik: Es ist ein Phänomen, dass man in vielen Ländern bei einem Teil der jungen Generation beobachten kann: Sie haben keine Lust, wenig Geld, geraten auf die schiefe Bahn und kommen kaum noch davon los. Regisseur Ken Loach widmet vier Exemplaren dieser Sorte einen eigenen Film, sucht sich frische Gesichter für die Rollen und lässt sie durch ein amüsantes Abenteuer schlittern. Im Fokus steht dabei ganz klar Robbie, der einst gewalttätig, nun ein anständiger Familienvater werden will. Doch die Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. Nicht nur in Form der einstigen Opfer, die entweder noch eine Rechnung mit ihm offen haben oder die Konfrontation mit ihm suchen, um das eigene Schicksal besser zu verarbeiten, sondern auch in Form von Vorurteilen: Die Verwandten seiner Freundin sehen in ihm immer noch den Kleinkriminellen und stehen mit ihrem Vorgehen letztlich keinen Deut besser da als Robbie einst.

Eine Spirale aus Gewalt und Rache tut sich in dieser Phase des Films auf und der Zuschauer wird gezwungen, ziemlich tief in das problematische Leben des Protagonisten einzutauchen. Natürlich tut er einem leid, da er jetzt vorwiegend vernünftig und besonnen wirkt, der Schläger von früher blitzt nur durch, wenn er eigentlich nur seine Familie schützen will. Nachdem die lange Einführung in Robbies Person abgeschlossen ist, wird „Angel´s Share“ deutlich leichter. Das Interesse am Whiskey gibt dem Film eine völlig neue Perspektive und erweckt viel Spannung. Einem Roadmovie ähnlich entwickelt der Film nun viele komödiantische Elemente, die die Figuren zum Teil sehr liebenswert, zum Teil aber auch etwas albern erscheinen lassen.

Um den Kontrast zum harten Anfang noch zu erhöhen, kommt das Ende des Filmes eine ganze Spur zu kitschig und märchenhaft daher. Vor allem Hauptfigur Robbie ergeht es – gerade in Hinblick auf die detaillierten Schilderung seines Vorlebens und wie es ihn bis in die Gegenwart beeinflusst – sehr gut und als Zuschauer kommen einem unweigerlich Fragen, die unbeantwortet bleiben. Doch dem Filmgenuss muss das keinen Abbruch tun. Wer darüber hinwegsieht, dass sich harter Anfang und harmonisches Ende nicht vollends zusammenfügen, dem bleibt dennoch ein unterhaltsamer Film mit netten Ideen und einer Menge Augenzwinkern für das Verhalten und die Eigenheiten der kauzigen Figuren. Das macht nicht nur Spaß, sondern berührt auch angesichts der heiklen Thematik, die sich dahinter verbirgt und die trotz aller Komik geschickt mitschwingt.

3 Sterne

Kinostart: 18. Oktober 2012

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Prokino

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