Film | The Master (Kritik + Trailer)

The Master Poster

Handlung: Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Freddie Quell ist einer von vielen Ex-Soldaten, die mit einem Mal zurück ins normale Leben geworfen werden. Gezeichnet von den Ereignissen hangelt sich Freddie mit Aushilfsjobs von Tag zu Tag, ohne Alkohol geht gar nichts mehr und am allermeisten sehnt er sich nach einer Frau, die ihm Halt gibt aber auch seine sexuellen Sehnsüchte befriedigt. Doch dann lernt der labile Ex-Soldat eher zufällig den charismatischen Lancaster Dodd kennen. Der hat – vorwiegend zusammen mit seinem Familienclan – eine Glaubensgemeinschaft namens „The Cause“ gegründet, die beispielsweise an Wiedergeburt glauben. Die beiden Männer liegen auf einer Wellenlänge: Während Dodd in Freddie ein wunderbar verirrtes Schaf erkennt, dass es zu retten gilt, fühlt sich der Ex-Marine im Clan des selbsterklärten Anführers mit vielen Talenten, geborgen und gut aufgehoben. Doch mit der Zeit steigert er sich immer mehr in die Lehren von „The Cause“ und wird für die Gruppe zum unberechenbaren Glied.

Kritik: Auf das Konto von Regisseur Paul Thomas Anderson gehen nicht allzu viele Filme. Das liegt angeblich daran, dass er sich seine Projekte sehr genau aussucht und intensiv mit ihnen beschäftigt. Zuletzt machte er mit dem Öl-Drama „There will be blood“ auf sich aufmerksam und verhalf Daniel Day Lewis (dieses Jahr mit seiner Rolle in „Lincoln“ im Oscar-Rennen dabei) damit zum Oscar für die beste männliche Hauptrolle. Mit seinem neusten Regiewerk „The Master“ könnte er das gleiche schaffen: Hauptdarsteller Joaquin Phoenix ist nominiert und das völlig zu Recht. Er spielt den labilen Ex-Soldat Freddie Quell nicht, er ist es für die Dauer des Filmes einfach: ein alkoholkranker, beeinflussbarer Mann, der undeutlich nuschelt, seinen Mund beim Lächeln seltsam verzieht und stets leicht geduckt läuft, als wolle er nicht weiter auffallen. Philip Seymour Hoffman als Sektenführer und Amy Adams als seine Frau Peggy, die im Hintergrund die Fäden zieht, fallen ebenfalls positiv auf und liefern herausragend gute Leistungen ab. Schauspielerisch ist das Drama also eindeutig gelungen.

Die Geschichte hingegen lässt zu wünschen übrig. Über fast 140 Minuten erstreckt sich das Zusammenspiel zwischen den Gegenparts Freddie und Dodd. Schon recht früh stellt sich einem die Frage, was die Beiden eigentlich so fest zusammenhält. Denn aus der eher zufälligen Begegnung wird eine Freundschaft – böswillig eher als Abhängigkeit zu bezeichnen – die eine Menge Widerstände und Probleme überwindet. Schließlich will Dodd Freddie „therapieren“, was zwar die fragwürdigen Methoden der Gemeinschaft entlarvt, aber insgesamt eher wenig Bedeutung hat. Hier wird deutlich, dass „The Master“ eine übergeordnete Moral vermissen lässt. Denn die Sekte – die angeblich Bezüge zu Scientology haben soll – bleibt wie sie ist, und auf der anderen Seite macht auch Freddy kaum eine Entwicklung durch. Somit ist der Film eher eine Parade für schauspielerische Einzelleistungen, aber weniger ein schlüssiges und in sich geschlossenes Drama. Das sorgt über kurz und lang auch dafür, dass sich „The Master“ in die Länge zieht und gegen Ende nicht mehr so recht bei der Stange halten kann. Somit ist Andersons neustes Regiewerk zwar sehenswert was die schauspielerischen Leistungen angeht, aber weniger reizvoll was den Filmverlauf und die dramaturgische Entwicklung betrifft. Schade, denn mit einer besseren Geschichte und einem ordentlichen Spannungsbogen hätte das Drama das Zeug zu einem respektablen Oscaranwärter gehabt.

3.5 Sterne

Kinostart: 21. Februar 2013

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Senator Film

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Eine Antwort zu Film | The Master (Kritik + Trailer)

  1. […] kaschierter Halbglatze, Bradley Cooper („Ohne Limit“) mit albernem Minipli und Amy Adams („The Master“) mit ultra-gewagten Outfits mit Ausschnitten bis zum Bauchnabel. Wenn Stars so etwas machen, dann […]

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