Film | Spring Breakers (Kritik + Trailer)

Spring Breakers Poster

Handlung: Die drei Freundinnen Candy, Brit und Cotty wünschen sich nichts mehr, als zum berüchtigten Spring Break nach Florida zu fahren und dort ordentlich mitzufeiern – Hauptsache weg aus dem immergleichen Alltag mit langwierigen Vorlesungen und dem elendigen Büffeln. Leider hat das Trio nicht sonderlich viel Geld angespart und so überfallen sie kurzerhand einen Diner um ihre Reise finanzieren zu können. Schließlich schnappen sie sich noch ihre weitaus schüchterne Freundin Faith und brechen auf zum exzessiven Feiern. Erst läuft alles wie geplant, doch dann werden die Mädchen verhaftet. Unverhofft zahlt der abgedrehte Alien ihre Kaution, im Gegenzug kommen sie mit ihm. Während Faith alles andere als begeistert ist, lassen sich die übrigen Mädchen von dem ausschweifenden Lebensstil des Rappers und Drogendealers beeindrucken und tauchen immer mehr in dessen Welt ein, die allerdings auch einige Gefahren birgt.

Kritik: Der Spring Break ist nichts für schwache Nerven oder verklemmte Menschen, denn hier stürzen sich junge Menschen leicht bekleidet in einen Partyrausch, bei dem niemand ohne Alkohol und weitere Drogen auskommt. Wenn nun ein Film „Spring Breakers“ heißt und dann auch noch von Regisseur Harmony Korine gedreht wurde (der beispielsweise das Drehbuch zum reichlich derben Drama „Kids“ geschrieben hat), dann läßt sich erahnen, dass es sich hier nicht um einen konventionellen Film nach Schema F handelt. Allerdings schickt Korine das Publikum auch nicht für 90 Minuten in einen totalen Partyrausch – er startet aber damit. Zunächst droht der Film zu überfordern. Mit ungewohnt häufigen Nahaufnahmen, verwackelten Einstellungen und einer Erzählweise, die aller Chronologie entsagt. Da muss man schon ein wenig durchhalten und auch wenn sich erahnen lässt, dass diese Darstellungsweise die Rastlosigkeit der jungen Protagonistinnen zeigen soll, so mag es dennoch nicht so recht überzeugen. Denn Candy (Vanessa Hudgens), Brit, Cotty und Faith (Selena Gomez) sind so überspitzt in ihrer frechen und rebellischen Art dargestellt, dass man sie kaum ernst nehmen kann.

Beim Spring Break angekommen, entwickelt sich die Geschichte schon bald in eine andere Richtung, denn der obskure Alien kommt ins Spiel. Er ist zwar eine ebenso überspitzt und karikaturistisch angelegte Figur wie die Mädels, die sich lächelnd „Bitches“ nennen lassen und am liebsten im Geld räkeln, aber James Franco spielt ihn so gut, dass es bei ihm wesentlich unterhaltsamer ist, zuzusehen. Gerade angesichts der Tatsache, dass Franco als verbitteter Gegenspieler in „Spiderman“ und als netter Magier in „Die fantastische Welt von Oz“ bisher so anders auftrat, ist seine Verwandlung in den coolen Gangster mit am Kopf geflochtenen Zöpfen, Tatoos und Goldgebiss bemerkenswert. Er wird zum idealen Gegenpart zu den leichtbekleideten Mädels und gemeinsam haben sie ein paar intensive und fesselnde Szenen. Die Handlung hat dennoch ihre Schwachpunkte, das macht auch eine experimentelle Erzählweise nicht wett, die einerseits anstrengend, aber auch interessant ist. Die bassreichen Lieder drücken einen in den Sitz und wenn die Kamera einmal wieder scheinbar ziellos umherwandert und lediglich verwischte Momente einfängt, dann versucht man automatisch einen Ruhepunkt zu finden.

„Spring Breakers“ setzt auf Frauenpower, das verdeutlicht trotz aller Überspitzung und klischeehafter Abbildung der Menschen, vor allem das Ende. Doch eigentlich ist James Franco der Star des Filmes und die süßen Mädels scheitern – zumindest gefühlt – an ihrem jugendlichen Leichtsinn. Dass zwei der vier tabulosen Damen schon frühzeitig den Schauplatz verlassen (der inzwischen schon längst nicht mehr der Spring Break ist) wirkt irgendwie unbefriedigend und alles in allem fehlt dem Ganzen Moral. Vielleicht war Regisseur Korine darauf nicht aus, doch wenn es ihm stattdessen um einen rauschartigen Film ging, dann hätte er bei der erzählten Geschichte andere Akzente setzen müssen. So geht es vor allem um kaputte Menschen, mit seltsamen Idealen. Das erscheint fremdartig und fragwürdig, bleibt aber dennoch – oder gerade deswegen – im Gedächtnis haften. Wenn man beispielsweise Britney Spears eine ihrer weltbekannten Balladen schmettern hört und dazu die Mädels mit rosa Masken getarnt und von Alien begleitet Menschen ausrauben und knebeln sieht, dann ist das schon grandios. So etwas macht „Spring Breakers“ beeindruckend, setzt Glanzpunkte, aber auf voller Strecke überzeugt dieser Film allein dadurch nicht.

3.5 Sterne

Kinostart: 21. März 2013

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Wild Bunch Germany

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6 Antworten zu Film | Spring Breakers (Kritik + Trailer)

  1. […] gibt James Franco seinem Charakter interessante Züge und viel Tiefe. Überhaupt hat Franco, der in „Spring Breakers“ derzeit in einer denkbar gegensätzlichen Rolle ebenfalls im Kino zu sehen ist, eine besondere […]

  2. […] „Ananas Express“ dabei: Neben Seth Rogen („The Green Hornet“) und James Franco („Spring Breakers“, „Die zauberhafte Welt von Oz“) auch Danny McBride und Craig Robinson. Passend also, dass […]

  3. CanonInD sagt:

    Sah mir im ersten Moment nach Teeny-Film aus aber ich wurde eines Besseren belehrt. Hat mir sehr gefallen die Story, mal was anderes🙂

    • cap82 sagt:

      Das hab ich von vielen gehört, dass sie es für einen Teenie-Film hielten. Aber wenn man sich „reintraut“ wird man ordentlich überrascht. James Franco spielt vor allem echt super.😉

  4. BenB. sagt:

    Erstens ist Kids wohl kaum ein „derber“ Film, außer man bezeichnet die Darstellung von Sex ins Swimmingpools als derbe. Aber dann muss man schon wirklich sehr verklemmt sein!

    Zweitens muss die Moral fehlen, das schlimmste in diesem Film wäre doch, wenn er moralisierend das Geschehen wertet. Überhaupt sind moralisierende Film das widerlichste und schrecklichste. Wir leben in der Postmoderne, wir brauchen keine Moral in der Kunst mehr. Das ist eine Idee, die zum Glück schon seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gilt. Außer anscheinend auf diesem „Film“-Blog!

    Übrigens ist auch interessant, dass dich ein nicht-chronologischer Film mit verwackelter Kamera überfordert, was nicht gerade für deine Sehgewohnheiten spricht. Aber bei all dem Hollywood-Einerlei, das du hier so besprichst, kein Wunder. Also mal ab in eine gute Videothek und ein bischen Aufholen, was die Filmkunst der vergangenen 80 Jahre so zu bieten hat!

    • cap82 sagt:

      Na da ist aber jemand auf Krawall gebürstet.😉 Also ich fand „Kids“ nicht wegen einer Sexszene im Pool derbe, sondern wegen der Vergewaltigungsszene am Ende und der Thematik an sich. Diese Einschätzung mit Verklemmtheit gleichzusetzen, finde ich einen merkwürdigen Sprung, aber nun gut.

      Die Art des Erzählens hat mich nicht überfordert, sondern war lediglich gewöhnungsbedürftig und wird es wohl für viele Zuschauer sein. Wenn du dir mal die Mühe machst, auf den Menüpunkt „Über mich“ zu klicken, dann wirst du sehen, dass „Memento“ zu meinen Lieblingsfilmen zählt. Ich habe nie einen Film gesehen, der sich der üblichen Chronologie des Erzählens mehr entzieht, und damit bin ich sehr wohl klargekommen. Mehr noch, es hat mich im positiven Sinne umgehauen.
      Ich habe allerdings das Gefühl, dass dich Filme mit Moral überfordern.
      Ich finde es schade, dass du die Kritiken auf meinem Blog allesamt als Betrachtung von „Hollywood-Einerlei“ siehst. Aber es doch interessant, dass du dich dennoch so genau hier umzusehen scheinst und nach Kritikpunkten suchst.

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