Film | Der große Gatsby (Kritik + Trailer)

Der große Gatsby Poster

Handlung: 1922: Nick Carraway hat Talent zum Schreiben, doch der Erfolg bleibt aus. So sucht er in New York City als Aktienspekulant sein Glück. Nicht dieser Job, sondern das Wiedersehen mit seiner Cousine Daisy, stellt sein künftiges Leben auf den Kopf. Denn kurz darauf erhält er eine Einladung zu einer der ausschweifenden Partys des Millionärs Jay Gatsby. Die meisten Menschen wissen nicht einmal wie der aussieht, geschweige denn, wie er zu seinem endlos scheinenden Geldvorrat gekommen ist. Als Nick ihn kennenlernt, ist er sofort fasziniert von dem charismatischen Lebemann. Nach den ersten Treffen begreift Nick, dass sein neuer Freund nur einem Ziel hinterherjagt und er dabei eine Schlüsselfigur darstellt. Mit einem Mal steckt der unerfahrene junge Mann mitten drin in einer ihm vorher unbekannten Welt aus Rauschzuständen, Partys, Reichtum und Ausgelassenheit.

Kritik: 17 Jahre ist es her, dass Regisseur Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio zusammengearbeitet hat. „Romeo und Julia“ hieß der ungewöhnliche Film, der den alten Shakespeare-Stoff mit Originaltexten aber moderner Anmutung aufpeppte. DiCaprio spielte damals – gerade 22-Jährig – die Hauptrolle des Romeo. Nun sind die Beiden erneut für ein Filmprojekt zusammengekommen und repräsentieren auch gleich die größten Pluspunkte darin. Luhrmanns Handschrift ist ganz klar erkennbar, gerade wenn es um bunte und schnelle Feier-Szenen geht. Mittels guter Schnitte und Kamerafahrten sowie starke Musik entwirft der australische Regisseur eine überzeugende Bildsprache, die richtiggehend in einen Sog zieht. DiCaprio (zuletzt als Fiesling in „Django Unchained“ zu sehen) füllt die Rolle des mysteriösen Gatsby zudem hervorragend aus. Als seine Motive klarer werden, wandelt er sich immer stärker zu einem Mann mit sehr nachvollziehbaren Wünschen. Dennoch ist er kein offenes Buch für den Zuschauer, immer wieder weicht sein Lächeln einer Nachdenklichkeit, einer Besorgnis, die in seiner vollen Dimension kaum greifbar ist. Jay Gatsby bleibt bis zuletzt ein Stück weit geheimnisvoll und undurchdringlich und das liegt auch an DiCaprios gutem Spiel.

Spiderman-Hauptfigur Tobey Maguire steht (obwohl er der Erzähler der Geschichte ist und mit seinen tiefgreifenden Sätzen das Geschehen begleitet) im Schatten von DiCaprio. Nicht nur, dass die Rolle so angelegt ist, dass Nick Carraway ohne viel Zutun in die Szenen hineingeschmissen wird und quasi immer im Dienst von irgendwem steht. Dazu kommen das Maguire nicht gerade viele Facetten zu bieten hat und entweder verlegen grinst oder etwas entrückt in die Szenarie starrt. Auch Carey Mulligan („Drive“) ist nicht sonderlich wandelbar und sieht zumeist wie ein verschrecktes Reh aus. Ihre Feststellung, dass eine Frau es im Leben als hübsches Dummchen am leichtesten hat, gibt bereits einen dezenten Hinweis auf die Dimension ihrer Rolle. „Der große Gatsby“ ist ein Film, der zunächst sehr viele Fragen offen lässt. Wer ist Gatsby, wie ist er zu dem geworden, was er heute ist, was will er von Nick? Auf all das gibt es nach und nach Antworten, allerdings ist es beinahe etwas unbefriedigend, dass letztlich alles auf eine tragische Liebesgeschichte hinausläuft. Die nimmt schließlich so viel Raum ein, dass die Einzelfiguren davor in den Hintergrund rücken. Die oftmals schon fast philosophisch anmutenden Off-Kommentare des zurückblickenden Nicks wollen das Geschehen auf eine Ebene hieven, die es bei genauem Hinsehen eigentlich gar nicht erreicht.

Inhaltlich hat der 142 Minuten lange Film einige Schwächen; darüber trösten die visuellen Stärken oft aber nicht vollständig hinweg. Kein Wunder, konnte Luhrmann schließlich nicht über die komplette Länge die Sinne berauschen. So ist „Der große Gatsby“, gerade in 3D, ein Fest fürs Auge, doch über gewisse inhaltliche Schwächen kann das nicht hinwegtäuschen. Darstellerisch gibt es neben Glanzpunkten (neben DiCaprio auch die Nebenrollen von Joel Edgerton als Daisys Ehemann und Isla Fisher als seine Geliebte) auch ein paar Wehrmutstropfen (Maguire und Mulligan). Zur filmischen Größe fehlt es dem Gatsby also an der einen oder anderen Stelle.

3.5 Sterne

Kinostart: 16. Mai

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Warner Bros Deutschland

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3 Antworten zu Film | Der große Gatsby (Kritik + Trailer)

  1. sissi greil sagt:

    mir hat der Film sehr gefallen, vor allem, dass der Regisseur nicht „nachahmte“, sonder kreativ neu gestaltete, z.B. genial die nicht den 20er Jahren angepasste Musik (die Geschichte passt ja auch genausogut in unsere Zeit!)-Leo di Caprio wie immer genial…..

  2. BenB. sagt:

    Es ist wirklich erstaunlich, dass du „The Great Gatsby“ besprichst, ohne mit einem Wort auf die Romanvorlage von F. Scott Fitzgerald einzugehen! Genausowenig wie auf die vielen früheren Verfilmungen des Stoffes. Also lies mal das Buch, das kann dir nur gut tun. Was hast du denn außer einer tragischen Liebesgeschichte noch erwartet? Dass vielleicht Superheros die Geschichte auflösen? Oder dass es eine wilde Scheißerei am Ende gibt?

    • cap82 sagt:

      Wenn ich mir im Kino Filme ansehe, dann lasse ich mich gerne voll und ganz überraschen. Je weniger man vorher über die Handlung weiß, desto spannender ist das Filmerlebnis. Bei Gatsby habe ich es so gehalten und demnach habe ich, was die Handlung angeht keine Erwartungen gehabt. Die entstanden erst ganz von allein, als der Film schon lief. Nach dem geheimnisvollen Start habe ich tatsächlich mehr erwartet, als „nur“ eine Liebesgeschichte.
      Was die Romanvorlage angeht: Ich finde, ein Film sollte durch sich selbst überzeugen und nicht, weil die Vorlage gut ist. Ich bin der Meinung, dass es nicht Grundvoraussetzung ist, die Romanvorlage oder vorangegangene Verfilmungen zu kennen, um eine qualifizierte Filmkritik zu schreiben.

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