Film | Systemfehler – Wenn Inge tanzt (Kritik + Trailer)

Systemfehler - Wenn Inge tanzt Poster

Handlung: Punkig, rockig, provokativ – das wollen Max, Fabio, Joscha und Lukas sein, wenn sie mit ihrer Schülerband „Systemfehler“ aufdrehen. Einen ersten Erfolg konnten die vier Jungs bereits verbuchen: Ihr Lied „Wenn Inge tanzt“ hat es sogar bis ins Radio geschafft. Plötzlich rückt der Traum vom Plattenvertrag in greifbare Nähe, denn Talentscout Dan Biermann spricht sie nach einem Auftritt an. Sie sollen bei einem Konzert der deutschen Indie-Rock-Band Madsen im Vorprogramm spielen. Dumm nur, dass sich Gitarrist Joscha bei besagtem Auftritt an beiden Händen verletzt und für mehrere Wochen ausfällt. Damit der Traum nicht platzt, bitten die Jungs ihre musikbegabte Mitschülerin Inge einzuspringen. Allerdings ist sie diejenige, die im Radiohit von „Systemfehler“ aufs Korn genommen wird und überhaupt haben Max und Co. mit dem Fan von Batikkleidern und Umweltschutz wenig gemein. So ist vorherzusehen, dass die Beteiligten sich selten einig sind. Inge besteht zudem darauf, dass die Band das Lied „Wenn Inge tanzt“ nicht mehr spielt. Allerdings ist genau dieses Lied Bedingung für den Auftritt als Vorgruppe für Madsen…

Kritik: Teenies auf der Grenze zum Erwachsenenalter, die sich mit Anerkennung, Gefühlen fürs andere Geschlecht und Selbstfindung herumschlagen. Sie stehen im Mittelpunkt des Filmes „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ und oft haben solche Filme den Nachteil, dass sie eigentlich nur für das Publikum desgleichen Alters reizvoll sind. Auch hier entsteht zunächst der Eindruck, denn das Auftreten und die Sprache der Hauptfiguren sind gewöhnungsbedürftig. Doch wer sich damit arrangiert, der kann Gefallen an dem finden, was unter der Regie von Wolfgang Groos („Hangtime – Kein leichtes Spiel“) entstanden ist, der sich dank unterschiedlicher Produktionen zum Spezialisten für Kinder- und Jugendfilme gemacht hat. Zugegeben, es ist schnell erkennbar, wie sich die Geschichte entwickelt, aber dennoch ist es unterhaltsam zuzuschauen, wie der Weg dorthin aussieht. Besondere Stärke des in Köln spielenden Filmes (was allerdings gar nicht groß erwähnt wird) sind die Szenen, in denen die Band Musik macht. Dank eingängiger Melodien, guter Stimmen und dynamischen Bilderwechsel kann der Zuschauer hier richtig mitgehen – auch wenn er kein eingefleischter Punk-Rock-Fan ist.

Darstellerisch überzeugen vor allem Paula Kalenberg („Krabat“) als eigenwillige und alternative Inge – die sich trotz allem treu bleibt – Tim Oliver Schultz („Die Welle“) als zunächst reichlich selbstverliebter Frontmann Max und Alt-Schlagerstar Peter Kraus in einer schrägen Nebenrolle als exzentrischer Onkel Herb, der sich wann immer es geht seiner starken Todessehnsucht hingibt. Dank der unterschiedlichen Charaktere (der coole Womanizer, der verpeilte Drogenfan, die Öko-Tante usw.) entstehen viele witzige Situationen. So dann und wann geht das auch mal ins Alberne oder Anzügliche über, aber das hält sich so weit in Grenzen, dass es dem Film nicht negativ anhaftet. Auch wenn der Film in wohlbekannten Mustern abläuft und die Figuren zum Teil sehr klischeehaft daherkommen, schafft es „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ durchaus, etwas daraus zu machen. Die gemeinsame Leidenschaft für Musik ist der rote Faden der Handlung und bringt alle auf einen Nenner. Auch wenn Konflikte und Unterschiede im wahren Leben nicht so leicht zu lösen sind wie hier, ist dennoch etwas Wahres dran. Der Film erhebt nicht den pädagogischen Zeigefinger, sondern versucht, das Denken und Fühlen von Teenagern unmittelbar zu zeigen. Wie realistisch und ernsthaft das letztlich ist, sei dahingestellt. Doch die richtigen Knöpfe kann es beim gewillten Zuschauer durchaus drücken – vor allem wegen der eingängigen Musik als gelungenen Knotenpunkt.

3.5 Sterne

Kinostart: 11. Juli 2013

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: 20th Century Fox

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Eine Antwort zu Film | Systemfehler – Wenn Inge tanzt (Kritik + Trailer)

  1. Friendly sagt:

    Unterhaltsam, flott, keine Längen, körperlich und im Schauspiel attraktive Schauspieler mit glaubhaften Konflikten. Dazu die nette Musik.. Aber dazu hat meine Liebste (die deutlich mehr Geschmack in Musikfragen hat als ich) hat dazu eine abweichende Meinung: Sie findet die Musik „nachgemacht“: jedes Stück könne man auf ein Vorbild zurückführen – sie habe den Eindruck gehabt, Zerlett habe nacheinander „Grunge wie Nirvana“, „Pop wie Kraftclub“ und „Punk wie die Sex Pistols“ abmischen wollen. Sie könnte damit Recht haben… aber mir gefallen „Jaded Sun“ und „Alles ist Scheiße“ einfach so gut.

    Mehr zum Film unter: http://friendly101.blogspot.de/2014/11/wenn-inge-tanzt.html

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