Film | Lone Ranger (Kritik + Trailer)

Lone Ranger Poster

Handlung: 1869: Der aufstrebende Anwalt John Reid kehrt nach seinem Jura-Studium motiviert in seine Heimatstadt im Wilden Westen zurück. Bei seiner Reise auf einer der ersten Eisenbahnverbindungen gerät er sofort in Schwierigkeiten: Der berüchtigte Verbrecher Butch Cavendish – ebenfalls an Bord – entkommt auf seinem Weg zum Galgen und den Indianer Tonto hindert Reid daran, sich an eben diesem Gauner zu rächen. Kurz darauf schließt sich Reid seinem Bruder und dessen Mannschaft an, um den gemeingefährlichen Cavendish doch noch festzunageln. Dabei gerät der Trupp allerdings in einen Hinterhalt und nur John Reid überlebt. Da Tonto zur rechten Zeit zur Stelle war und damit nicht ganz unschuldig an seiner Rettung, schließt sich der Pazifist mit der Rothaut zusammen. Beide eint das Ziel, Cavendish zu fassen und ihm endlich die verdiente Strafe zu geben – obwohl Reid dabei eher an einen Prozess und Haftstrafe denkt, Tonto vielmehr an einen kurzen Prozess. Als dann auch noch Reids Schwägerin und sein Neffe von Cavendishs Bande entführt werden, legt der seine Bedenken ab und die Maske an, um als Lone Ranger auf die Jagd zu gehen.

Kritik: Auch wenn Johnny Depp einer der wandelbarsten Hollywood-Schauspieler überhaupt ist, gibt es auch bei ihm eine Rolle, die ihm stärker anhaftet als andere; zufälligerweise ist es die, aus seinem größten kommerziellen Erfolg: Die des Piraten Jack Sparrow. Wer nun in dem Action-Western „Lone Ranger“ sitzt, für den Depp erneut als Zugpferd eingesetzt ist, der fühlt sich unweigerlich an diesen Piraten erinnert. Immerhin musste der inzwischen 50-Jährige (!) erneut ein Kopftuch anlegen und sein langes schwarzes Haar mit Federn und Perlen schmücken. Allerdings ist er diesmal ein Indianer, aber erneut ein Einzelgänger mit zum Teil sehr schrulligen bis skurrilen Angewohnheiten. Ihm zur Seite steht Armie Hammer in seiner ersten Hauptrolle, in der er sich richtig gut schlägt und dem titelgebenden Lone Ranger viel Charakter verleiht. Was das Zusammenspiel dieser reichlich unterschiedlichen Figuren ausmacht, ist vor allem, dass es zumeist unfreiwillig passiert und sie mal mehr weniger abhängig voneinander sind. Die zwei „Helden“ schlagen sich unter der Regie von Gore Verbinski (Regisseur von „Fluch der Karibik“ Teil 1, 2 und 3) durch eine Handlung, die relativ simpel zu verstehen ist und keine Längen aufweist. Witz und Ernst wechseln sich gekonnt ab und geben „Lone Ranger“ einen guten Unterhaltungswert.

Allerdings ist der Western zweieinhalb Stunden lang, was dazu führt, dass die meisten deutschen Kinos ihn mit einer Pause versehen und das Filmerlebnis abrupt unterbrechen. Auch wenn der Film unterhält, hätte er sicherlich gestrafft werden können. Machbar ist die Überlänge auch lediglich durch die ständigen Wechsel im Geschehen. Beispielhaft dafür steht eine Szene vom Anfang des Filmes, in der die Hauptfiguren John, Tonto und Butch das erste Mal zusammentreffen. In wenigen Minuten wendet sich das Blatt stetig, und jedes Mal hat jemand anders die Überhand– nur damit sich kurz darauf wieder alles ändert. Ähnlich ist es im kompletten Film, bei dem mal der eine, und dann doch der andere die Fäden in der Hand zu halten scheint. Dieses Verwirrspiel erzeugt im gewissen Maße zwar Spannung, sorgt überreizt aber vielmehr für Verwirrung oder sogar Übersättigung. Die größte Schwäche des Actionspektakels ist allerdings das Finale. Hier wollten die Macher wohl nochmal so richtig auf die Kacke hauen und übertreiben es schlichtweg mit der Glaubwürdigkeit. Wo reale Personen schon fünfmal gestorben wären, turnen die athletischen und furchtlosen Helden noch immer unbeeindruckt herum. Während im Verlauf des Filmes einige Figuren noch äußerst unappetitlich sterben (der Bösewicht steht wohl auf Menschenfleisch und Organe) scheint gegen Ende der Disney-Weichzeichner die Überhand gewonnen zu haben. Besonders konsequent ist diese Entscheidung zwar nicht, aber dennoch in gewissem Maß nachvollziehbar.

„Lone Ranger“ ist nicht frei von Schwächen und kann mit vergleichbaren Spektakeln wie den „Fluch der Karibik“-Filmen nicht ganz mithalten. Das liegt nicht so sehr an den schauspielerischen Leistungen, sondern zum Teil an Kleinigkeiten. Beispielsweise gibt es in dem Western keine richtig starke Frau. Helena Bonham Carters Auftritt als taffe einbeinige Freudenhausbesitzerin ist dafür zu kurz und Rebecca ist viel zu sehr Opfer und einseitiges Objekt der Begierde. In vielen Handlungsbeschreibungen findet sie daher nicht mal Erwähnung. Auch ein paar Straffungen und weniger Hin und Her in der Handlung hätten dem Film gut getan. Nichtsdestotrotz bietet er gute Unterhaltung mit viel Action, Wortwitz, passender Musik und guter Kameraführung. Wer sich von Aushängeschild Johnny Depp anlocken lässt, wird also nicht enttäuscht, höchstens etwas übersättigt.

3.5 Sterne

Kinostart: 8. August 2013

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: WaltDisney Studios

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3 Antworten zu Film | Lone Ranger (Kritik + Trailer)

  1. Benno sagt:

    Die Ähnlichkeit zu Sparrow ist auch der Hauptgrund, warum wir nicht in den Film gegangen sind. Das ist einfach irgendwie schade und so offensichtlich, dass man an den Charakter anknüpfen wollte. Schade auch, dass Herr Depp da so einen „Griff ins Klo“ gemacht hat😦

  2. Torsten sagt:

    Also meiner Meinung nach sind 4 von 6 Sternen zu viele. Ich würde nur 3 oder sogar nur 3 geben. Eigentlich sollte man diesen Film nicht mit Fluch der Karibik vergleichen aber man tut es zwangsläufig. Grund ist die Rolle von Depp. Filmemacher versuchen nur an den Erfolg von Fluch der Karibik anzuschließen in dem sie Depp eine ähnlichen Charakter geben. Find ich armselig, denn Depp kann auch anders.

    • cap82 sagt:

      Depp ist nun mal eine eigene Marke geworden mit seinen außergewöhnlichen Rollen. Wenn man „Lone Ranger“ aus diesem Kontext löst, finde ich den Film keine Riesenkracher, aber alles in allem schon recht unterhaltsam. Die Hauptdarsteller machen ihre Sache auch gut und daher fand ich vier Sterne gerechtfertigt. Habe nämlich schon eine Menge wesentlich mieserer Filme gesehen.😉

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