Film | Sein letztes Rennen (Kritik + Trailer)

Sein letztes Rennen Poster

Handlung: Paul Averhoff war einst ein gefeierter Sportler: In den 50er Jahren machte er sich als herausragender Marathonläufer-Läufer einen Namen und holte sich in einem spannenden Schlussspurt sogar die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Inzwischen ist Averhoff jenseits der 70 und der Ruhm ist verblasst. Stattdessen müssen er und seine Frau Margot der Tatsache ins Auge blicken, dass sie nicht mehr ohne Hilfe in ihrem großen Haus leben können. Ihre Tochter beschließt, dass sie im Altenheim am besten aufgehoben sind. Doch vor allem Paul hadert mit dem eintönigen, seichten Alltag dort und eines Tages packt ihn neuer Ehrgeiz: Er zieht seine Laufschuhe an und trainiert mit dem Ziel, beim Berlin-Marathon mitzulaufen. Nachdem er zunächst von den anderen Heimbewohnern für dieses Vorhaben belächelt wird, weckt er langsam auch in ihnen neue Lebensgeister. Seine Frau trainiert ihn schließlich und zum Ärger der Heimleitung reißt er die übrigen Senioren mit seinem Tatendrang mit. Doch dann erhält Margot eine schreckliche Diagnose.

 Kritik: „Keine Kunst ist es, alt zu werden. Kunst ist es, das Alter zu ertragen“, besagt ein spanisches Stichwort und beschreibt ganz gut das, was die deutsche Produktion „Sein letztes Rennen“ zum Thema hat. Im Blickpunkt steht ein gealtertes Ehepaar, das in ein Dilemma gerät, wie es sich wohl täglich ereignet: Sie können aufgrund ihrer Altersgebrechen nicht mehr so, wie sie wollen und so kommt es, wie es kommen muss wenn die Kinder keine Betreuung leisten können: Endstation Seniorenheim. Der Film überspitzt die Dinge zum teil, beispielsweise wenn die Alten lakonisch Tag für Tag Lieder aus der Bibel singen oder simple Kastanienfiguren basteln. Doch letztlich führen sie damit eine unbequeme Wahrheit vor Augen: Dass die Gesellschaft mit Alten nicht mehr viel anfangen kann, vor allem wenn sie erste Gebrechen zeigen – seien sie körperlich oder geistig. Im Altenheim wird lediglich auf den Tod gewartet und genau aus diesem Grund herrscht Depri-Stimmung. Die Mitarbeiter tragen mit ihrer eingefahrenen Art auch noch ihren Teil dazu bei.

 Auch wenn der Umgang mit Senioren sowie deren Blick auf ihren Lebensabend in dem Drama im Fokus steht, so ist er auch ein Stück weit Sportlerfilm, der vor allem vom Hauptdarsteller lebt: Dieter Hallervorden. Der Schauspieler, der vielen vor allem durch seine Sketch-Serien und Blödelfilme einfach nur als „Didi“ in Erinnerung geblieben ist, zeigt hier eine großartige Leistung. Er brilliert als einstiger Volksheld, der sich angesichts verschiedener Sorgen und Konflikte wieder in seinen Sport stürzt. Völlig nachvollziehbar und damit durchweg sympathisch – und bewegend. „Sein letztes Rennen“ setzt voll auf den Helden der Geschichte, der das Unmögliche möglich macht (wie realistisch das ist, sei mal dahin gestellt). Nachdem der Film anfangs und in der Mitte auch immer mal wieder Humor und Slapstick einstreut, gerät er gegen Ende doch eine Spur zu rührselig. Überspitzt gesagt, schlachtet Regisseur Kilian Riedhof, der hier sein Kinodebüt liefert, die emotionalen Möglichkeiten völlig aus. Und gleichzeitig hat der Film immer wieder Momente, wo er eher Fernseh- als Kinoformat hat. Das sind vor allem Momente wo kurze Witze mehr im Vordergrund stehen, als das große Ganze.

 Im Gegenzug hat der Regisseur jedoch eine sehr gute Darstellerriege für seinen Film gewinnen können. Neben Hallervorden zeigt auch Tatja Seibt, als eher introvertierte aber sehr liebevolle Ehefrau eine sehr gute Leistung. Heike Makatsch als ihre Tochter überzeugt in wenigen aber pointierten Auftritten und zeigt damit, in welchem Zwiespalt sich die Kinder befinden, wenn sie nur das beste für die alternden Eltern aber gleichzeitig auch ihr eigenes Leben weiterleben wollen. Jede Figur bringt mehrere Facetten mit, das reicht sogar bis zur Heimleiterin, gespielt von Katrin Saß („Goodbye Lenin“), die zunächst kühl und herrisch wirkt, aber letztlich auch nur Angst hat, ein zu hohes Risiko einzugehen und von den bezahlenden Kindern der Bewohner für irgendwelche Zwischenfälle belangt zu werden (auch irgendwie nachvollziehbar). So gibt es keinen klaren Schuldigen für die Miseren, was der Geschichte gut tut. Riedhof gibt dem Film viel Tiefe und schafft Anregungen, über die es auch nach dem Film nachzudenken lohnt. Eine ungewöhnliche Heldengeschichte im Kleinen mit viel Herz ist ihm obendrein gelungen.

3.5 Sterne

Kinostart: 10. Oktober 2013

 Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Universum Film

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