Film | Don Jon (Kritik + Trailer)

Don Jon Poster

Handlung: Jon ist ein wahrer Womanizer. Jede freie Minute verbringt er im Fitnessstudio, um für die Disconächte mit seinen Kumpels was herzumachen. Frauen werden von Jungs auf einer simplen Attraktivitäts-Skala eingestuft. Die höchste Zahl des Abends nimmt sich Jon selbstbewusst vor und fast immer landet er mit der Auserwählten im Bett. Doch der Sex erfüllt ihn nicht. Stattdessen liebt er Pornos, und nur wenn er dabei selbst Hand anlegt, kann er sich die erwünschte sexuelle Befriedigung holen. Problematisch sieht er diese zur Sucht gewordenen Gewohnheit nicht. Immerhin geht er jeden Sonntag mit der Familie in die Kirche und legt anschließend Beichte über alle sexuelle Eskapaden ab. Doch eines Abends lernt Jon in der Disco Barbara kennen. Er verliebt sich in sie und bleibt hartnäckig am Ball, um das Herz der unnahbaren Schönen zu erobern. Seinem Charme kann auch sie schließlich nicht mehr widerstehen und die zwei werden ein Paar. Doch trotz aller Verliebtheit bleiben Internetpornos für Jon unverzichtbar. Bis Barbara ihn auf frischer Tat ertappt.

Kritik: Wenn es um Liebe und Leidenschaft geht, sind viele Filme bestimmt von perfekt anmutenden Charakteren, die zwar manchmal auf Umwegen zueinander finden, aber dann Beziehungen aus dem Bilderbuch führen. Sie lachen und weinen zusammen, verstehen, was der andere fühlt und haben ganz nebenbei den perfekten Sex. Erfrischend anders sieht das Ganze bei „Don Jon“ (angelehnt an den Archetypus des Frauenhelden Don Juan) aus. Joseph Gordon-Levitt („500 Days of Summer“) verkörpert einen grundsätzlich sympathischen, aber übermäßig selbstverliebten und etwas oberflächlich denkenden jungen Mann. Doch schnell wird deutlich, dass er damit das Produkt einer bestimmten Generation und seiner Umgebung ist. Er baut auf sein Aussehen, da er es bildungstechnisch nicht sonderlich weit gebracht hat, und als frauen-vernaschender Proll verdient er sich bei seinen Freunden nun mal den größten Respekt. Bei seiner Familie hingegen hat er den Platz als wohlgeratener Sohn ohne Frau an seiner Seite sicher, der sich immer wieder ein wenig mit dem Vater – tatsächlich einer älteren Version von sich selbst – messen muss. Allein diese Charakterstudie ist absolut sehenswert. Wer für einen solchen Womanizer als Partnerin infrage kommt, ist logisch: Die heißeste Frau der Stadt, quasi sein Gegenstück. Gordon-Levitt, der auch Regie führte, suchte sich Scarlett Johansson für diese Rolle aus. Wie gut sie da hineinpasst, sei dahingestellt, aber ihren Job macht sie gewohnt gut.

Man ahnt, dass Jon und Barbara nicht miteinander alt werden – die Statistik spricht gegen sie. Abgesehen davon, dass sie sich eher miteinander schmücken, als den anderen zu verstehen, kommt ihnen das Internetzeitalter in die Quere. Nie war es so einfach Pornos zu schauen – so oft und so viele wie man mag. Jon nutzt das aus und er leidet unter einem verbreiteten Phänomen: Die Sexfilme werden zu einem unerreichbaren Ideal, an das selbst echter Sex nicht herankommt. Eine Lösung für dieses Dilemma bietet eine Figur, die man zunächst gar nicht richtig auf dem Schirm hat: Jon lernt an der Abendschule die ältere Esther (gekonnt gespielt von Julianne Moore) kennen, die eigentlich genug eigene Probleme hat. Dennoch näher sich die beiden einander an und genau diese Verbindung hilft der Titelfigur dabei, eine neue Sicht auf sein Leben und seine Gewohnheiten zu bekommen. Ob das so schnell und schließlich einer Erleuchtung ähnlich passieren kann, ist fraglich, doch bringt es dem Film den gewollten Drall in die Richtung: Jetzt weiß die Hauptfigur, worauf es ankommt. Trotz all der ernsten Hintergrundthemen ist Gordon-Levitts Regiedebüt „Don Jon“ eine gut gelaunte Komödie. Zudem gibt es in diesem Film keine Tabuthemen, ganz im Gegenteil wird kein Blatt vor den Mund genommen. Schon das Intro macht aufmerksam und auch im Filmverlauf wird es zu keinem Zeitpunkt langweilig – und das obwohl Jons Alltagstrott lakonisch wiederholt wird. Natürlich ist der Film kein überragendes Meisterwerk, aber er weiß zu unterhalten und ein Stück Gegenwartsgeschichte gekonnt auf die Leinwand zu bringen.

3.5 Sterne

Kinostart: 14. November 2013

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Escot Elite Filmverleih

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