Film | Genug gesagt (Kritik + Trailer)

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Handlung: Eva ist eine gestandene Frau, die sich als Masseurin selbstständig gemacht und einen beachtlichen Kundenstamm aufgebaut hat. Allerdings ist sie geschieden, und während ihr Ex wieder glücklich vergeben ist, tut sie sich schwer, einen neuen Partner zu finden. Doch dann lernt sie auf einer Party den gutmütigen Albert kennen. Über ein paar Umwege finden die beiden zueinander, teilen den gleichen Humor und das Schicksal, dass die einzige Tochter flügge wird und bald wegzieht, um aufs College zu gehen. Alles läuft gut, bis Eva merkt, dass ihre neue Kundin Marianne die Ex-Frau von Albert ist. Und die lässt kein gutes Haar an ihm, während sie sich vertrauensvoll bei ihrer Masseurin und neuen Freundin darüber auslässt, wie schief ihr bisheriges Liebesleben gelaufen ist. Evas Neugier siegt über die Vernunft und so klärt sie die Situation nicht auf, sondern stellt ihren neuen Partner auf den Prüfstand – anhand all der Macken, die Marianne ihr nichtsahnend auftischt.

 Kritik: Die erste große Liebe ist etwas wunderbares. Und wenn es mit der sogar ein Leben lang hält, ist alles perfekt. Aber was, wenn es irgendwann auseinandergeht und man als Mann oder Frau mittleren Alters wieder alleine dasteht? In dieser Situation befindet sich die sympathische Hauptfigur in der Independent-Romanze „Genug gesagt“ und damit steht sie stellvertretend für alle Opfer eines Symptoms unserer Zeit: Ehen werden geschieden, Beziehungen zerbrechen und hinterlassen einsame Erwachsene, die umso kritischer an neue Partnerschaften herangehen und Kinder, die nur bei einem Elternteil aufwachsen. Eva, gespielt von „Seinfeld“-Star Julia Louis-Dreyfus zieht mit ihrem warmen Lächeln und der offenen Art den Zuschauer schon zu Beginn auf ihre Seite. Dann trifft sie auch noch auf den gemütlichen Albert, gespielt von James Gandolfini, der hier in seiner letzten Filmrolle zu sehen ist. Im Juni diesen Jahres starb er überraschend an einem Herzinfarkt. Er bietet pures Kontrastprogramm zu seiner Rolle als Bösewicht in der Serie „Die Sopranos“, die ihn berühmt gemacht hat oder auch zu seiner Rolle des fluchenden, aber gealterten Profikillers in der Produktion „Killing them softly“. Dennoch spielt er äußerst überzeugend.

Wie die Zwei nun aufeinandertreffen, fast unbeholfen wie frisch verliebte Teenager, ist einfach nur total nett anzusehen und sorgt oft dafür, dass man Schmunzeln oder Lachen muss. Die verzwickte Geschichte rund um den Zufall, dass Albert der verhasste Ex von Evas neu gewonnener Freundin Marianne (gut gespielt von Catherine Keener als esoterische Künstlerin) wird glücklicherweise nicht zu sehr ausgereizt, wie es in einer überdrehten Komödie vielleicht der Fall gewesen wäre. Stattdessen gibt es einige Nebenhandlungen, wie die Abnabelung von den fast erwachsenen Töchtern, die ihren eigenen Weg gehen wollen oder wie die Ehe des befreundeten Pärchens ihren Alltag bestreitet. All das wird getragen von guten und mit Herzblut spielenden Schauspielern (in einer Nebenrolle beispielsweise Toni Collette). Die Geschichte bleibt auf dem Boden der Tatsachen und wird äußerst charmant erzählt. Einiges kommt einem sogar richtig bekannt vor und genau das macht die Umittelbarkeit von „Genug gesagt“ aus.

Regisseurin Nicole Holofcener („Friends with money“) versieht den Film mit der richtigen Portion Humor, aber ohne die Figuren lächerlich zu machen. So berührt nicht nur die vorbelastete Liebesgeschichte von Eva und Albert, sondern auch, dass die beste Freundin der Tochter in Eva die mütterliche Beschützerin findet, die ihre eigene Mutter eben nicht ist. Wie geprägt das Leben von Missverständnissen oder Unausgesprochenem ist, zeigen kleine Episoden wie der Zwist des befreundeten Pärchens mit der spanisch sprechenden Haushaltshilfe oder Evas Kunde, der ihr nie hilft, den schweren Tisch die steile Treppe hinaufzutragen – einfach nur, weil er nicht darüber nachgedacht hat. Immer wieder schimmert ein Plädoyer für Offenheit, Mut und Toleranz durch, für die Mitmenschen genauso wie für sich selbst. Das Rad wird in diesem Film zwar nicht neu erfunden, doch er funktioniert einfach gut. Dass Gandolfini hier in seiner letzten Rolle noch einmal mit ungeahnt leisen Tönen auftrumpft, macht die kleine aber feine Liebeskomödie erst recht zum Tipp für einen unterhaltsamen Abend zum Schmunzeln, Schwelgen und Mitfühlen.

3.5 Sterne

Kinostart: 19. Dezember

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Fox Kino

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