Film | Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (Kritik + Trailer)

walter mitty poster

Handlung: Sein beruflicher Alltag spielt sich in einem dunklen und von Regalen zugestelltem Raum ab, denn Walter Mitty kümmert sich bei dem Magazin „Life!“ um das Fotoarchiv. Da es ihm an Freunden und einer Partnerin mangelt, flüchtet sich der introvertierte und scheue Walter oft in Tagträume, die ihn all das tun und erleben lassen, was er sich niemals wagen würde. Plötzlich ereilt ihn und all seine Kollegen die Nachricht, dass das Magazin in gedruckter Form eingestellt wird und fortan nur noch als Online-Ausgabe bestehen bleibt. Damit einher geht auch, dass viele Mitarbeiter bald auf der Straße sitzen. Für die letzte Ausgabe soll ein beeindruckendes Fotos her und das hat der Hausfotograf Sean O’Connell geliefert. Dummerweise fehlt genau das entscheidende Negativ und Mitty wird persönlich dafür verantwortlich gemacht. Gemeinsam mit seiner Kollegin Cheryl, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat, versucht er herauszufinden, wo das Negativ ist. Bald merkt er, dass er Sean dafür ausfindig machen muss, leider verweilt der gerade in Island um ein paar abenteuerliche Fotos zu schießen. Wird Walter ihm dorthin folgen?

Kritik: Bei dem Namen Ben Stiller kommen vielen vor allem Ulk-Komödien wie „Zoolander“, „Starsky & Hutch“ und „Tropic Thunder“ in den Sinn, wo der Sohn des Komiker-Ehepaares Jerry Stiller und Anne Meara sich so albern aufführen darf, wie es nur geht. Dass der inzwischen 48-Jährige aber auch anders kann, bewies er bereits mit der Tragikomödie „Greenberg“, in der er sich als neurotischer Musiker unglücklich verliebt. Nun beweist er erneut, was er abseits des seichten Humors drauf hat und übernimmt in der abenteuerlichen Tragikomödie „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ nicht nur die Hauptrolle, sondern führte auch gleich Regie. Somit kann man davon ausgehen, dass Stiller den Film, der auf eine 1939 veröffentlichte Kurzgeschichte des Humoristen James Thurber basiert, genauso gestaltet hat, wie er es wollte. Dabei haucht er dem zurückgezogenen aber herzensguten Walter Mitty auf gekonnte Weise Leben ein – nicht zu ernst, aber auch nicht zu klamaukig zeigt er ihn zunächst als graue Maus, später als großen Abenteurer. Diese Entwicklung, die sich um das fehlende Negativ Nummer 25 herum entfaltet, ist einfach wunderbar mitanzusehen. Das liegt nicht nur an den guten Darstellern (neben Ben Stiller sind das Kristen Wiig, bekannt aus „Brautalarm“ und in kleineren Rollen Sean Penn („Fair Game“), Adam Scott und Patton Oswald sondern auch an der grandios guten Musik und den schönen Bildern. Einerseits von den außergewöhnlichen Landschaften, die Mitty während seiner Reise zu Gesicht bekommt, andererseits aufgrund der gelungenen Kamerafahrten. Da sind Dinge mal bewusst unscharf gehalten oder Details aus seltenen Perspektiven festgehalten.

Der Film ist eine Reise durch verschiedene Genres, bietet mal Grund zum Lachen, zum Staunen, zum Atem anhalten oder zum Mitfiebern. Man wird einfach in die Geschichte hineingezogen, und so simpel und unkompliziert sie auch ist, hält sie dennoch die ein oder andere Überraschung bereit. Zu bemängeln gibt es höchstens Kleinigkeiten: Der erste Teil der Reise Mittys wird so unmittelbar und gelungen erzählt, dass der spätere zweite Teil im Vergleich ein wenig zu kurz kommt. Der Weg durch unwegsames Gelände, hohen Schnee und Kälte wird lediglich in einzelnen Bildern festgehalten – fast ein wenig schade drum. Die Liebesgeschichte zwischen Walter und Arbeitskollegin Cheryl ist zu Beginn und gegen Ende nett, zwischendurch wird jedoch ein unnötiges Klischee eingebaut, nur um einen künstlichen Tiefpunkt zu markieren. Das hätte es gar nicht gebraucht, ebenso wie einen deplatziert wirkenden Gag zum Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Aber wenn man darüber hinwegsieht ist „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ein gelungener Film über Liebe, die Suche nach sich selbst und den Mut, etwas zu wagen. Dank toller Musik und grandiosen Aufnahmen kann man sich zurücklehnen und in dem Versinken, was man dort zu sehen bekommt – wie in einem langen Tagtraum von Walter Mitty.

4.5 Sterne

Kinostart: 1. Januar 2014

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Fox Kino

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2 Antworten zu Film | Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (Kritik + Trailer)

  1. Yvonne sagt:

    Ein sehr schöner Film, nachdem man sich einfach gut fühlt, vielleicht auch, weil er auf die so schwierige Frage nach dem Sinn des Lebens eine ganz einfache Antwort gibt. Mich jedenfalls hat der Film sehr beeindruckt (mehr dazu hier: http://www.leselink.de/filme/komoedie/das-erstaunliche-leben-des-walter-mitty.html ), und ich kann mich deiner Empfehlung nur anschließen.

  2. Seda tiva sagt:

    Lässt mit einem Gefühl des – und was nun – zurück . Der erste Impuls: Ganz schön flach. Doch ist es das wirklich und wenn die Frage durch die uneindeutigen Bewertungen (50% bei Rotten Tomatoes) nur individuell beantwortbar scheint – für wen? Der Storyplot scheint sich über einer weiten Ebene auszubreiten, aus der wie zufällig und spielerisch die Ereignisse hervorploppen wobei an manchen Stellen, vor allem retrospektiv, doch durchaus erheiternde Vernetzungen gelingen. Zuerst spannend, aber auch irgendwann ermüdend ist das Spiel mit der Realität: Wie handelt der Protagonist in der fingierten filmischen Realität wirklich. Dabei stellt sich immer noch die Frage, inwieweit der Film lediglich Flachland mit minimalen Tiefen abbildet oder doch noch tiefere Ebenen im Film schlummern, die der aufnehmende Geist, der hat Lautes, Schnelles, Prägnantes und Highlights gewohnt ist, einfach nicht mehr erkennt. Der Film bewegt sich zwischen Männlich und Weiblich, zwischen Spannung und Gelassenheit, Digital und Analog, wobei sich die Pole allerdings nicht weit von einer recht neutralen Grundlinie zu entfernen scheinen. Es ist kein Film der als Gesamtkonzept mit den Extremen spielt – diese finden stattdessen in Walter Mittys Tagträumen statt. Der Film ist ansonsten so sanft und leise plätschernd wie der von Ben Stiller gespielte Walter Mitty. Wie tief stille Wasser wirklich sind, muss jeder selbst herausfinden.

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