Film | All is Lost (Kritik + Trailer)

all is lost poster

Handlung: Ein Mann ist mit seinem kleinen Segelschiff auf dem Meer unterwegs. Nachdem ein im Wasser treibender Container ein Loch in den Rumpf reißt, hat der Skipper alle Hände voll damit zu tun, den Schaden in Grenzen zu halten. Doch er bleibt ruhig und besonnen, repariert sein Schiff, pumpt das eingedrungene Wasser ab, trocknet seine elektronischen Geräte behutsam. Doch der komplette Schaden ist nicht zu beheben: Das Funkgeräte funktioniert nicht mehr, der Kontakt zur Außenwelt reißt ab und der Mann ist ganz auf sich allein gestellt. Beim nächsten großen Sturm geschieht es dann: Sein Segelschiff hält der Belastung nicht Stand und so muss sich der Seemann in das Rettungsboot flüchten. Mit einem Mal kämpft er um sein Überleben und hofft, dass seine kargen Vorräte reichen, bis er gerettet wird.

Kritik: „Our Man“ ist die einzige Person, die unter dem Stichwort „Cast“ im Abspann aufgelistet ist. Dahinter steht allerdings ein Name, der so ziemlich jedem etwas sagen wird: Es ist Robert Redford, der in dem Drama „All is lost“ von J.C. Chandor („Der große Crash“) eine One-Man-Show abliefert. Das Wort „Show“ kennzeichnet zwar die schauspielerische Leistung des inzwischen 77-Jährigen Hollywood-Star perfekt, wird dem Film an sich aber nicht gerecht. Statt Spezialeffekten, groß inszenierten Action-Szenen und langer Dialoge besinnen sich die Macher hier auf das reduzierte Filmemachen. Nicht nur, dass Redford der einzige Darsteller ist, er hat auch kaum Text und kämpft im Drama in nachvollziehbarer Weise um sein Überleben. Wer er ist, bleibt konsequent ausgeklammert. Nicht mal seinen Namen erfährt man, ganz zu schweigen von seinen Lebensumständen: Warum ist er unterwegs? Wen hat er zurückgelassen? Wer wartet auf ihn? Was war sein Ziel? Wir erfahren es nicht, und finden uns damit ab. Das spielt auch keine Rolle, denn das, was „unser Mann“ erlebt, reicht vollkommen. Dank Stürmen und Gewitter gibt es vielerlei spannende Momente. Man fiebert mit, wenn Redford seine wichtigsten Habseligkeiten aus dem Boot holt, das bereits unheilvoll ächzt; man hält die Luft an, wenn er ins Wasser fällt und sich mit Mühe wieder an die Wasseroberfläche kämpft. Auf beeindruckend Weise meistert der einsame Seemann ohne Name die Widrigkeiten, Redfords Mimik und Gestik vermitteln so viel und doch lässt der Plot vieles offen. Denn was er denkt, kann man nur erahnen.

Dem Seemann ist seine größer werdende Not anzusehen. Er hält sich tapfer, doch die brennende Sonne, der Flüssigkeitsmangel und die fehlende Aussicht auf Rettung machen ihm zu schaffen. Dennoch strahlt Redford eine Ruhe aus, mit einer pragmatischen Sachlichkeit geht er seine Lage an, dass es umso mehr Eindruck hinterlässt. Er kämpft mit Lebenswillen, aber doch der Gelassenheit eines Mitte Siebzigjährigen, der ahnt, dass er wohlmöglich Abschied nehmen muss. Sein Brief, den er angesichts dieser wachsenden Erkenntnis schreibt und der zu Beginn des Filmes vorgelesen wird, ist mit Abstand die längste Textpassage des Filmes. Als er die Zeilen schreibt, wünscht man sich unweigerlich, dass man sie noch einmal hören kann. So bleiben nur Erinnerungen an einzelne Worte oder geheimnisvolle Sätze wie „Ich wollte, dass etwas aus euch wird.“ Das Ende des harten Kampfes zwischen dem alten Mann und dem unerbittlichen Meer sei nicht verraten. Doch so viel: Es bildet den idealen Schlusspunkt für ein packendes Abenteuer, fernab von den Konzepten der meisten Filme. Was gewagt scheint, erweist sich als goldrichtig und gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was ein Film zu bieten haben sollte: Wirkungsvolle Bilder, die eine Geschichte erzählen. Zugegeben, in diesem Fall eine recht simple Geschichte. Doch erzählt wird sie so wirkungsvoll, dass es an sich absolut beeindruckend ist und Robert Redford zu einem heißen Anwärter für den diesjährigen Oscar als bester Hauptdarsteller macht.

4 Sterne

Kinostart: 9. Januar 2014

Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Universum Film

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