Film | The Wolf of Wall Street (Kritik + Trailer)

the wolf of wallstreet poster

Handlung: Jordan Belfort will Broker an der Wallstreet werden. In Mark Hanna findet er einen erfahrenen Mentor, der ihn nicht nur das Handwerk lehrt, sondern auch, wie er das am geschicktesten mit Drogenkonsum und Frauengeschichten kombinieren kann. Doch der erste Tag als ausgelernter Broker fällt ausgerechnet auf den großen Börsencrash Oktober 1987. So endet Belforts Karriere, bevor sie begonnen hat. Doch der junge Mann hat Blut geleckt, will das große Geld machen – auch wenn es von gutgläubigen Arbeitern kommt, denen er am Telefon das Blaue vom Himmel lügt. Er fängt notgedrungen klein an – bei einem unscheinbaren Broker-Büro in der Provinz. Doch seine Art, auf Kundenfang zu gehen und seine Überzeugungskraft, macht einige Verkäufer neugierig. So scharrt er sie um sich und gründet die Firma Stratton Oakmont. Innerhalb kürzester Zeit expandiert sein Unternehmen und Jordan scheffelt Geld ohne Ende. Das wird in Luxusartikel, Drogen und Frauen investiert – die Party scheint kein Ende zu nehmen. Doch der FBI-Agent Patrick Denham hat den Broker bereits ins Visier genommen und möchte ihn für seine unsauberen Geschäfte zur Verantwortung ziehen.

Kritik: Martin Scorsese hat – salopp gesagt – einen Narren an Leonardo DiCaprio gefressen. Los ging die enge Zusammenarbeit der Beiden 2002, als DiCaprio erstmals unter Scorseses Regie in „Gangs of New York“ mitspielte. In den Jahren darauf folgten Filme wie „Departed – Unter Feinden“, „Aviator“, und „Shutter Island“. DiCaprio tat gut daran, denn die Rollen, die er unter Regie des Altmeisters Martin Scorsese, spielte, brachten ihm die höchste Anerkennung ein. Seinen bislang größten Erfolg konnte er mit der Hauptrolle im aktuellen Scorese-Film „The Wolf of Wall Street ein“ verbuchen – nämlich eine Golden Globe-Auszeichnung. Eigentlich kein Wunder, zumal der bunte dreistündige Streifen im Kern eine einzige One-Man-Show ist. DiCaprio mimt dabei den aufstrebenden Broker Jordan Belfort in allen denkbaren Facetten – vom gut erzogenen, charmanten Anzugträger, der entfesselte Reden für seine Belegschaft schwingt bis hin zum Drogenjunkie, der völlig entrückt eine Treppe hinunter robbt. Es ist eine Lebensgeschichte, die gar nicht mal so fiktiv ist, wie sie wirken mag. Jordan Belfort gab es und auf seinem Buch „Die Jagd auf den Wolf der Wall Street“ beruht die Mischung aus Drama und Komödie. Vorwiegend geht es in „The Wolf of Wall street“ bunt, laut und schlüpfrig zu. Da wird Kokain aus Körperöffnungen konsumiert, Sex in so ziemlich jeder Stellung vollzogen und nackte Frauen präsentiert ohne jegliche Scham, alles zu zeigen. Zugegeben, wäre nicht der große Scorsese der Regisseur und mit Darstellern wie Leo DiCaprio, Jonah Hill („Das ist das Ende“) und Matthew McConaughey die erste Riege Hollywoods vertreten, wäre der Film sicherlich viel kritischer beäugt worden und vielleicht sogar durchgefallen – zu obszön, zu vulgär, zu viele Schimpfwörter. Aber so wird es als großes Kino mit mutigen Bildern eines immerhin 71-Jährigen gesehen.

Nun gut, sicherlich ist das Porträt eines Brokers, der sich nach nichts mehr sehnt als Geld, Erfolg und Anerkennung, unterhaltsam und spitzt das zu, was in der Branche tagtäglich abzulaufen scheint. In den meisten Phasen ist das lustig, weil gnadenlos übertrieben, phasenweise sogar abgedreht. Wenn DiCaprio und Hill beispielsweise völlig zugedröhnt um einen Telefonhörer streiten, auf dem Boden rumrobben und nur noch sabbern und stammeln können, ist das zwar witzig, aber einem Drama doch in keinster Weise angemessen. Denn genau das will der Film im Kern sein. Gerade gegen Ende wird das deutlich, denn dann verschwindet jede Albernheit und es wird deutlich, wie sehr das Leben von Belfort in Scherben liegt. Wenn er sogar seine kleinen Kinder im Drogenrausch in Lebensgefahr bringt und seine verzweifelte Frau das Unheil nur knapp abwenden kann, dann gibt es nicht mehr das Geringste zu lachen. Hier wird deutlich, dass Gradlinigkeit nicht die Stärke dieses Films ist. Die Handlung lebt vor allem von den Extremen: Der Luxus, in dem Belfort lebt, die Menge an Drogen, die er konsumiert, wie er Frauen verschleißt und wie seine Angestellten ihn verehrten – das alles wird so überspannt, dass es von einer möglichen Realität meilenweit entfernt zu sein scheint. DiCaprio spielt außerordentlich gut – wie immer. Diesmal musste er sich allerdings mehr verausgaben und aufgrund der Tatsache, dass der Film nun mal drei Stunden dauert, ist er einfach überaus lange auf der Leinwand zu sehen. Den Oscar hätte er verdient – aber für andere Rollen, wie den Bösewicht in „Django Unchained“ beispielsweise, hätte er ihn mindestens genauso verdient.

Scorseses neuer Film ist trotz beachtlicher Länge (er hätte übrigens noch länger werden sollen und musste auf unter drei Stunden gekürzt werden, damit er ins Kino kommt) verdammt unterhaltsam, aber nichts für allzu zart Besaitete. Die überspitzte Darstellung eines Brokers auf dem Weg zum Erfolg und dem anschließenden Abstieg ist kompromisslos, lässt aber die ernsten Passagen deplatziert wirken. Wer diesen Film schaut hat Spaß, wird daraus aber eine eher simple Erkenntnis ziehen: Wer anderen schadet und zu überheblich wird, der bekommt irgendwann die gerechte Strafe dafür.

4 Sterne

Kinostart: 16. Januar 2014

 Trailer:

Copyright Poster + Trailer: Universal Pictures

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2 Antworten zu Film | The Wolf of Wall Street (Kritik + Trailer)

  1. Böcki sagt:

    Uns (meiner Frau und mir) sind viele Bewertungen völlig unerklärlich ! Sind die alle gekauft oder waren wir in einem anderen Film ?
    Also: Wer auf Fäkalsprache, STÄNDIGE übertriebene Sexszenen und kaum Handlung steht, dem wird dieser Film gefallen.
    SPANNUNG – FEHLANZEIGE !!!!
    Für uns war es 3 Stunden LANGEWEILE pur. Nicht auszudenken, dass der offenbar altersgeile Scorcese den Film noch ne Stunde länger auswalzen wollte…

    Da hat neulich der MEDICUS VIEL besser gefallen.
    Aber – es ist halt alles GESCHMACKSACHE !

    Ute und Maik

  2. Mike sagt:

    Die Kritik wurde ziemlich gut aufgefasst – Hut ab dafür! ich konnte mich zunächst nciht für den Film begeistern, was sich aber in Laufe der drei Stunden eindeutig änderte. Afang ist eher trist, dafür wird es zum Ende hin deutlich spannend und auch lustig. Dennoch hat Leo mal wieder sein beste gegeben und sich auch von zwei Seiten gezeigt. Schade, dass er keinen Oskar als bester Hauptdarsteller bekam, aber irgenwann kommt die Zeit!

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