Film | A Single Man (Kritik)

8. April 2010

Filmplakat "A Single Man"

Handlung: Ein ganz normaler Tag beginnt, aber für den alternden Universitätsprofessor George Falconer gibt es keinen wirklichen Grund aufzustehen. Vor einem halben Jahr starb sein Lebensgefährte Jim bei einem tragischen Autounfall, seitdem steckt er in einer tiefen Trauer. Nicht mal zur Beerdigung konnte George fahren, da die Familie des Verstorbenen, die Homosexualität nicht akzeptieren und erst recht nicht in die Öffentlichkeit tragen wollte. So bleibt George allein mit seinem Verlust, nur seine alte Freundin Charly fängt ihn auf, nicht ohne den Hintergedanken selbst gerne glücklich mit ihm zu sein, wenn er ein heterosexueller Mann wäre. Diesen neuen Tag begeht George wie jeden anderen: Er steht auf, duscht, zieht sich an und fährt zur Uni um seine Vorlesung vor den Studenten zu halten. Das alles tut er ohne Leidenschaft und Freude, nur das Gespräch mit dem jungen Studenten Kenny erregt sein Interesse für eine Zeit. Was keiner ahnt: George ist vom Verlust seines Partners – mit dem er 16 Jahrelang zusammen gewesen ist – so gezeichnet, dass er mit dem Leben abgeschlossen hat. Im Stillen plant er bereits sein Ableben und dieser ganz normale Tag soll sein letzter sein.

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Film | Unsere Ozeane (Kritik)

11. März 2010

Filmplakat "Unsere Ozeane"

Springende Delfine, jagende Haie, sich sonnende Robben und wandernde Krebse: Die französischen Naturfilmer Jacques Perrin und Jacques Cluzaud präsentieren faszinierende Bilder aus den Meeren und von den Küsten & Stränden unserer Erde. Aus einmaligen Perspektiven (beispielsweise unmittelbar unter einem Rochen hindurch) und mit völlig neuen Einblicken in eine unterschätzte und größtenteils unbekannte Welt. Trotz der Schönheit und Friedlichkeit der Bilder schwimmt ein kritischer Unterton mit. Denn Umweltverschmutzung und Klimawandel bedrohen die Artenvielfalt der Unterwasserwelt. Trotz beeindruckender Aufnahmen bleibt der Aussagegehalt allerdings auf der Strecke. Vielleicht wollten die Filmemacher den mahnenden Zeigefinger nicht zu sehr erheben um die Menschen vordergründig wegen der schönen Aufnahmen ins Kino zu locken und nicht mit zuviel Moralgehalt abzuschrecken, aber dennoch empfand ich die eingestreute Kritik als zu knapp. Gerade weil das Leben in den Meerestiefen so geheimnisvoll, fremd und unbekannt ist, wären außerdem mehr Beschreibungen und Erläuterungen des Gesehenen von Vorteil gewesen. Auch unter dem Aspekt, dass Eltern mit ihren Kindern den Film ohne Altersbeschränkung besuchen, hätten mehr Erklärungen der Bilderwelt mehr Gewinn erbracht. So entwickelt sich „Unsere Ozeane“ an vielen Stellen in Richtung Belanglosigkeit und könnte auch eine Dokumentation sein, die im Fernsehprogramm läuft – obwohl sie dafür schon wieder zu wenig informativ ist. Die Sequenzen in denen der Großvater dem Enkel beeindruckte Dinge zeigt, auf Probleme hinweist oder Lebensweisheiten mitgibt, wirken dagegen schon wieder zu philosophisch und pathetisch um sich gut in den Film einzufügen. Trotz dieser Haken bleiben dem Zuschauer tolle Aufnahmen vom Meer und deren Bewohner, die von den beiden Filmemachern über vier Jahre hinweg gesammelt wurden. Das Händchen für besondere Details und noch nie gesehene Aspekte haben die Macher in jedem Fall, aber wer sich Informationen und eine Begleitung durch das Geschehen wünscht, wird enttäuscht. Man ist gezwungen alleine durch den Film zu „gehen“ und es liegt im persönlichen Ermessen welchen Schluss man daraus zieht. Manchen mag das reichen weil es durch die tollen Aufnahmen wettgemacht wird, aber manche werden sich etwas verloren fühlen und dem Film so nicht genug abgewinnen können. Ich gehöre zu letztere Kategorie.

Der Film läuft seit dem 25. Februar in den deutschen Lichtspielhäusern.

2.5 Sterne

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Film | Alice im Wunderland (Kritik)

4. März 2010

Alice im Wunderland Poster

Handlung: Viele Jahre sind vergangen, seit Alice als Kind in den Kaninchenbau gefallen ist und damit ins Wunderland gelangte. Inzwischen ist sie eine hübsche, 19-Jährige Frau, die sich an die einstigen Erlebnisse nicht mehr erinnern kann. Nur ihr verträumtes Wesen und ihre fantasievollen Einfälle sind ihr geblieben. Kaum im heiratsfähigen Alter hat ihre Mutter schon große Pläne mit ihr: Ein wohlhabender Lord hat sein Interesse an Alice bekundet, das Fest zu dem sie und ihre Mutter nun fahren soll bereits die Verlobungsparty sein. Vor den längst eingeweihten versammelten Gästen erhält die überraschte Alice einen Heiratsantrag und weiß nicht wie ihr geschieht, zumal der Lord Hamish alles andere als ihr Typ ist. Eingeschüchtert flüchtet die junge Frau und folgt verzweifelt dem weißen Hasen im Anzug, der ihr schon zuvor aufgefallen ist. Wie bereits als kleines Kind, fällt Alice in den Kaninchenbau und landet nach dem richtigen Schrumpfen mitten im bunten, fantasievollen Wunderland. Sie trifft auf wundersame Bewohner, wie Dideldum, Dideldei und die Grinsekatze. Doch sie alle bezweifeln, dass diese Alice die Richtige ist. Immerhin kann sie sich überhaupt nicht mehr erinnern schon einmal da gewesen zu sein. Nur der verrückte Hutmacher zweifelt keine Sekunde die Alice von damals vor sich zu haben. Er will ihr helfen in den Palast der roten Königin zu gelangen, denn Alice hat eine Aufgabe im Wunderland: Die grausame rote Königin stürzen und der gutherzigen weißen Königin zu neuer Macht verhelfen.

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Film | Verdammnis (Kritik)

5. Februar 2010

Verdammnis Poster

Handlung: Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist lösten vor einiger Zeit noch gemeinsam eine grausame Mordserie auf, inzwischen haben sie aber kaum noch Kontakt. Lisbeth setzte sich unerkannt und mit dem nötigen Kleingeld für ein angenehmes Leben ab und Mikael arbeitet seit dem Ende seiner Inhaftierung wieder als Journalist beim Magazin „Millenium“. Das Schicksal führt sie nun erneut zueinander, allerdings ohne, dass sie sich tatsächlich begegnen. Als ein junger Journalist mit einer skandalösen Story an die Redaktion herantritt, ist Mikaels Interesse sofort geweckt. Dag Svensson und seine Freundin bieten brisantes Material über Männer, die minderjährige Prostituierte in Anspruch genommen haben, darunter angesehene Richter und Polizisten. Doch noch bevor das Ganze im Magazin erscheint, werden Dag und seine Freundin kaltblütig umgebracht und kurz darauf auch der Sozialarbeiter Nils Bjurman, der zu den Freiern gehört haben soll. Bei ihm wird auch die Tatwaffe gefunden und diese weist Lisbeths Fingerabdrücke auf. Mikael ist überzeugt, dass seine alte Bekannte nichts mit den drei Morden zu tun hat, obwohl es sich bei Bjurman ausgerechnet um ihren einstigen Vormund handelt, der sie vergewaltigt hat und den sie mit Aufnahmen davon erpresst hat. Inzwischen erfährt auch Lisbeth von den Vorfällen und ist verzweifelt. Wer will ihr einen Mord in die Schuhe schieben und wie soll sie ihre Unschuld beweisen? Sie ermittelt auf eigene Faust um dahinter zu kommen, ebenso Mikael, der hinter immer mehr Geheimnisse kommt. Er entdeckt langsam, dass die Spuren zu den Morden in die Vergangenheit von Lisbeth führen.

Kritik: Düster, radikal und blutig – so war nicht nur „Verblendung“, der erste Teil der verfilmten Trilogie von Stieg Larsson, sondern so ist nun auch der zweite Teil „Verdammnis“. Gut vier Monate nachdem der erste Teil in die Kinos kam, erfährt der Zuschauer nun wie es weitergeht. „Verdammnis“ knüpft nicht nahtlos am ersten Teil an, aber einige Informationen daraus sind als Hintergrundwissen schon ganz nützlich. Sonst fühlt man sich vielleicht ein bisschen in die Handlung hineingeworfen und braucht noch etwas Zeit bis man weiß wem da welche Rolle zukommt. Aber auch für „Erster-Teil-Schauer“ wird es diesmal schwierig: Mit Namen wird da nur so um sich geschmissen, den Überblick zu behalten ist da gar nicht so einfach. Ein so spitzfindiger Detektivfall wie in „Verblendung“ wird dem Publikum in diesem Teil leider nicht geboten. Es startet zwar mit dem brenzligen Fall der Prostitution von jungen Frauen aus Russland, deren erzwungene Dienste von ranghohen Personen in Anspruch genommen wurden, aber als die Spur zu Lisbeths Vergangenheit führt, bleibt diese Geschichte zusehends auf der Strecke. Am Ende ist die Aufklärung dessen auch nicht mehr relevant was für einen Krimi ja schon ein wichtiges Detail fürs Finale gewesen wäre. Im Rahmen von Lisbeths Geschichte, die hier mehr denn je in den Fokus des Geschehens rückt, entwickelt der Film aber erneut eine durchgehende Spannung. Dass sich die Hauptfiguren Lisbeth und Mikael nicht einmal begegnen, ist interessant dargestellt. Sie ermitteln parallel und mit unterschiedlichen Voraussetzungen in Bezug auf die Mordfälle. Manchmal befinden sie sich sogar am gleichen Platz – aber nicht zur selben Zeit. Mit brutalen und sadistischen Szenen sowie Gewalt wird der Zuschauer auch diesmal konfrontiert, doch der Fokus liegt ganz klar auf Lisbeths Vergangenheit – das hat auch Vorrang vor einer ausgefeilten Kriminalgeschichte. Gegen Ende wird der Film – der wieder einmal über 2 Stunden füllt – etwas unrealistisch um in einem großen Showdown zu enden. So gelungen wie „Verblendung“ ist der zweite Teil leider nicht, und wer das ungleiche Detektivgespann Lisbeth und Mikael in ihrem Zusammenspiel besonders interessant fand, der könnte vom ganz anders angelegten zweiten Teil etwas enttäuscht sein. Aber wer sich auf der Leinwand so einiges ansehen kann, Spannung und ein paar Überraschungen sucht, der ist auch bei der zweiten Romanverfilmung von Larssons Erfolgsreihe an der richtigen Adresse.

Fazit: Der zweite Teil der Stieg Larsson-Reihe schafft es nicht ganz mit dem ersten Teil mitzuhalten. Die Darsteller sind gut und Spannung wird auch erzeugt, aber mit einigen Unglaubwürdigkeiten und einer wenig erhellenden Ermittlung rutscht dieser Teil vom Krimi-Thriller zu sehr in ein mysteriöses Familiendrama ab.

Verdammnis startete am 04. Februar in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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Film | Up in the Air (Kritik)

2. Februar 2010

Handlung: Seine Angestellten zu feuern ist keine leichte Sache. Für manche Chefetagen ist das eine so unangenehme Sache, dass sie lieber eine Firma damit beauftragen, die Kündigungen auf schonende und sachliche Weise vorzunehmen. Ryan Bingham ist der fähigste Mitarbeiter einer solchen Firma, er kündigt den armen Mitarbeitern gekonnt und professionell, egal wie sie reagieren. Außerdem liebt er die ständigen Flüge in allerlei Städte der USA um die Kündigungen persönlich vorzunehmen, da zu Hause sowieso niemand auf ihn wartet. Sein kleines Appartement enthält für seine kurzen Aufenthalte nur das Allernötigste und er ist richtig froh, wenn er wieder im nächsten Flieger sitzt um seine Arbeit zu machen und fleißig Flugmeilen zu sammeln. Bei all dem hat der alternde Ryan eine sehr klare Vorstellung von seinem künftigen Leben: Niemals heiraten, niemals Kinder kriegen und auch die Liebe wird überschätzt. Er hält sogar Vorträge darüber, dass persönliche Bindungen nur störender Ballast sind. Doch nach und nach bringen ihn ein paar Begegnungen ins Wanken, was seine nüchterne Sichtweise betrifft. Zunächst lernt er die Geschäftsfrau Alex kennen, mit der er sofort auf einer Wellenlänge liegt. Sie haben offensichtlich das gleiche Leben, die gleichen Interessen und lassen sich auf eine lockere Affäre miteinander ein. Doch schon kurz darauf droht Ryans gewohntes Leben zwischen Flieger und Hotelaufenthalt zu enden, denn in seiner Firma gibt es eine neue Mitarbeiterin namens Natalie, die ein neues Konzept vorstellt: Kündigungen via Webcam, das würde Kosten sparen und alle Mitarbeiter künftig an den Schreibtisch fesseln. Lange Flüge und Reisen wären dann nicht mehr nötig. Ryan kocht vor Wut und das wird auch nicht besser, als Natalie ihn bei seinen nächsten Reisen begleiten soll um den Arbeitsablauf der Firma besser kennen zu lernen. Ist es tatsächlich bald aus mit dem angenehmen Leben, das keiner Sesshaftigkeit bedarf? Oder kommt Ryan eines Tages doch noch zu der Einsicht, dass das Leben ohne persönliche Bindungen und Jemanden an seiner Seite ganz schön trostlos und einsam sein kann?

Kritik: Ein smarter und cooler George Clooney, dessen überzeugte Einzelgänger-Haltung langsam ins Wanken gerät. Das klingt nach einer guten Grundidee mit männlichem Publikumsmagnet für eine flotte und unterhaltsame Komödie. Das trifft auf „Up in the Air“ zwar auch zu, aber diese Wirkung ist wohlgemerkt ziemlich kurzweilig. Zunächst stehen die systematischen Kündigungen im Fokus der Handlung. Dabei wird die Ironie deutlich, dass trotz der schwersten Wirtschaftskrise immer noch ein paar Gewinner übrig bleiben. In diesem Fall eine Firma, die Mitarbeitern diverser Unternehmen beibringt, dass sie ihren Job verlieren. Somit erlebt der Zuschauer die allgegenwärtige Wirtschaftskrise aus einem neuen Blickwinkel. Und zwar aus dem einer Person, die davon noch profitiert und ein Leben mit Bonuspunkten und Kreditkarten genießen kann. Doch dann spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine immer größere Rolle und irgendwann befindet sich die aalglatte Hautfigur Ryan, mit der fragwürdigen Meinung ein Leben allein würde Erfüllung bringen, auf der Hochzeit seiner kleinen Schwester. Das passt insgesamt einfach nicht zusammen und lässt ein rundes, abgestimmtes Filmerlebnis vermissen. Wahrscheinlich sollte die Veränderung der Einstellung des Hauptcharakters geschickt dargestellt werden, indem er sich vom grauen Arbeitsalltag immer mehr entfernt, aber herausgekommen ist eher ein Mix aus Gesellschaftssatire und seichter Liebeskomödie, der einen gemeinsamen Nenner vermissen lässt. Das Grundthema ist wohl die Liebe und die Freundschaft, das was den Menschen stark und glücklich macht – gegen Ende werden die Fäden dieses Films auch wieder ein bisschen zusammengeführt. Dennoch fehlt es „Up in the Air“ ein bisschen an Pfiff und originellem Humor um im Gedächtnis zu bleiben. Neben einigen guten Einfällen, zum Beispiel den aneinander gereihten Szenen der gekündigten Mitarbeiter und ihren Reaktionen oder der Fotopappe des künftigen Brautpaares das an verschiedenen Plätzen der Welt geknipst werden soll, gibt es auch einige dröge Sequenzen. Die Botschaft des Filmes, dass geliebte Menschen eben kein Ballast sondern vielmehr eine Bereicherung für das Leben sind, ist dann trotz aller Satire, Überspitzung und Themenmischmasch eine sehr simple Botschaft. Was Protagonist Ryan erst innerhalb von 109 Filmminuten lernen muss, war dem Zuschauer von vorneherein klar. Mit einem Aha-Effekt braucht man bei diesem Film also wirklich nicht zu rechnen. Von der heute bekannt gegebenen Oscarnominierung für den „Besten Film“ sollte man sich an dieser Stelle nicht zu sehr blenden lassen, denn dazu fehlt es dem Streifen definitiv an Einfalls- und Überzeugungskraft.

Fazit: Ein Film zwischen Romanze, Komödie und Gesellschaftskritik, der aber leider keine gelungene Mischung daraus entwirft, sondern einen ungeordneten Mix. Da rettet auch ein selbstbewusster, aber auf völlig falschen Faden wandelnder George Clooney nicht viel. Ein paar schöne Ideen retten die Handlung zu einer netten Unterhaltung für einen Kinoabend, aber im Gedächtnis bleibt dieser bemühte und doch mit einer so simplen Botschaft versehene Streifen leider nicht.

Der Film startet am 04.Februar 2010 in den deutschen Kinos.

2.5 Sterne

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