Film | Verdammnis (Kritik)

5. Februar 2010

Verdammnis Poster

Handlung: Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist lösten vor einiger Zeit noch gemeinsam eine grausame Mordserie auf, inzwischen haben sie aber kaum noch Kontakt. Lisbeth setzte sich unerkannt und mit dem nötigen Kleingeld für ein angenehmes Leben ab und Mikael arbeitet seit dem Ende seiner Inhaftierung wieder als Journalist beim Magazin „Millenium“. Das Schicksal führt sie nun erneut zueinander, allerdings ohne, dass sie sich tatsächlich begegnen. Als ein junger Journalist mit einer skandalösen Story an die Redaktion herantritt, ist Mikaels Interesse sofort geweckt. Dag Svensson und seine Freundin bieten brisantes Material über Männer, die minderjährige Prostituierte in Anspruch genommen haben, darunter angesehene Richter und Polizisten. Doch noch bevor das Ganze im Magazin erscheint, werden Dag und seine Freundin kaltblütig umgebracht und kurz darauf auch der Sozialarbeiter Nils Bjurman, der zu den Freiern gehört haben soll. Bei ihm wird auch die Tatwaffe gefunden und diese weist Lisbeths Fingerabdrücke auf. Mikael ist überzeugt, dass seine alte Bekannte nichts mit den drei Morden zu tun hat, obwohl es sich bei Bjurman ausgerechnet um ihren einstigen Vormund handelt, der sie vergewaltigt hat und den sie mit Aufnahmen davon erpresst hat. Inzwischen erfährt auch Lisbeth von den Vorfällen und ist verzweifelt. Wer will ihr einen Mord in die Schuhe schieben und wie soll sie ihre Unschuld beweisen? Sie ermittelt auf eigene Faust um dahinter zu kommen, ebenso Mikael, der hinter immer mehr Geheimnisse kommt. Er entdeckt langsam, dass die Spuren zu den Morden in die Vergangenheit von Lisbeth führen.

Kritik: Düster, radikal und blutig – so war nicht nur „Verblendung“, der erste Teil der verfilmten Trilogie von Stieg Larsson, sondern so ist nun auch der zweite Teil „Verdammnis“. Gut vier Monate nachdem der erste Teil in die Kinos kam, erfährt der Zuschauer nun wie es weitergeht. „Verdammnis“ knüpft nicht nahtlos am ersten Teil an, aber einige Informationen daraus sind als Hintergrundwissen schon ganz nützlich. Sonst fühlt man sich vielleicht ein bisschen in die Handlung hineingeworfen und braucht noch etwas Zeit bis man weiß wem da welche Rolle zukommt. Aber auch für „Erster-Teil-Schauer“ wird es diesmal schwierig: Mit Namen wird da nur so um sich geschmissen, den Überblick zu behalten ist da gar nicht so einfach. Ein so spitzfindiger Detektivfall wie in „Verblendung“ wird dem Publikum in diesem Teil leider nicht geboten. Es startet zwar mit dem brenzligen Fall der Prostitution von jungen Frauen aus Russland, deren erzwungene Dienste von ranghohen Personen in Anspruch genommen wurden, aber als die Spur zu Lisbeths Vergangenheit führt, bleibt diese Geschichte zusehends auf der Strecke. Am Ende ist die Aufklärung dessen auch nicht mehr relevant was für einen Krimi ja schon ein wichtiges Detail fürs Finale gewesen wäre. Im Rahmen von Lisbeths Geschichte, die hier mehr denn je in den Fokus des Geschehens rückt, entwickelt der Film aber erneut eine durchgehende Spannung. Dass sich die Hauptfiguren Lisbeth und Mikael nicht einmal begegnen, ist interessant dargestellt. Sie ermitteln parallel und mit unterschiedlichen Voraussetzungen in Bezug auf die Mordfälle. Manchmal befinden sie sich sogar am gleichen Platz – aber nicht zur selben Zeit. Mit brutalen und sadistischen Szenen sowie Gewalt wird der Zuschauer auch diesmal konfrontiert, doch der Fokus liegt ganz klar auf Lisbeths Vergangenheit – das hat auch Vorrang vor einer ausgefeilten Kriminalgeschichte. Gegen Ende wird der Film – der wieder einmal über 2 Stunden füllt – etwas unrealistisch um in einem großen Showdown zu enden. So gelungen wie „Verblendung“ ist der zweite Teil leider nicht, und wer das ungleiche Detektivgespann Lisbeth und Mikael in ihrem Zusammenspiel besonders interessant fand, der könnte vom ganz anders angelegten zweiten Teil etwas enttäuscht sein. Aber wer sich auf der Leinwand so einiges ansehen kann, Spannung und ein paar Überraschungen sucht, der ist auch bei der zweiten Romanverfilmung von Larssons Erfolgsreihe an der richtigen Adresse.

Fazit: Der zweite Teil der Stieg Larsson-Reihe schafft es nicht ganz mit dem ersten Teil mitzuhalten. Die Darsteller sind gut und Spannung wird auch erzeugt, aber mit einigen Unglaubwürdigkeiten und einer wenig erhellenden Ermittlung rutscht dieser Teil vom Krimi-Thriller zu sehr in ein mysteriöses Familiendrama ab.

Verdammnis startete am 04. Februar in den deutschen Kinos.

3.5 Sterne

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Film | Tannöd (Kritik)

18. November 2009

Handlung: Abgelegenen im tiefsten Tannenwald liegt ein kleines Dorf und noch etwas weiter abseits liegt der Tannödhof. Eines Nachts ereignet sich dort eine wahre Horrortat: Alle Familienmitglieder sowie die neue Magd werden mit der Spitzhacke ermordet – der Täter entkommt unerkannt. Seitdem ist der Hof verwaist und das Dorf gilt als Ort, in dem ein brutaler Mörder auf neue Opfer lauert. Zwei Jahre später kommt die 26-jährige Altenpflegerin Kathrin in das Dorf. Ihre Mutter, Magd am Hof neben dem Tannödanwesen, ist kürzlich verstorben und wird nun beerdigt. Kathrin bekommt schnell mit, dass die Tannödmorde immer noch ein großes Thema unter den Bewohnern sind, Beschuldigungen und wilde Spekulationen inklusive. Gleichzeitig deckt sie aber auch immer mehr Details zur Tannödfamilie und den Mordtag auf. Der Hofbesitzer war ein geiziger Tyrann, der mit niemandem auskam und angeblich sogar der Vater von den beiden Kindern seiner Tochter Barbara war. Die Morde haben daher nur die wenigsten berührt – was die Suche nach dem Täter nicht gerade erleichtert. Viele hätten ein Motiv gehabt, aber wer wäre zu so einer Bluttat fähig? Diese Frage stellt sich auch Kathrin, die nach und nach auf immer mehr Geheimnisse stößt.

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