Ein Sommer in New York – The Visitor (Kritik)

15. Januar 2010

Handlung: Walter Vale führt ein trostloses Leben. Seit dem Tod seiner Frau lebt er alleine in einem großen Haus, geht seiner Professur an der Uni leidenschaftslos nach und hat wenige Hobbys. Seine hartnäckigen Versuche Klavier zu spielen enden lediglich in einem ständigen Wechsel der Klavierlehrer, da sie einfach keinen Fortschritt erkennen. Dieser isolierte Alltagstrott nimmt ein jähes Ende als Walter für einen Vortrag nach New York reist. Als er seine Zweitwohnung betritt, stellt er fest, dass es neben ihm noch weitere Mieter gibt: Das Pärchen Tarek und Zainab. Nach der ersten Verwirrung nimmt Walter die beiden bei sich auf, da sie nicht wissen wohin und lebt fortan mit ihnen zusammen in der Wohnung. Während Zainab bewusst Distanz zu Walter hält, geht Tarek offen auf ihn zu und bringt ihm schließlich das trommeln bei. Walter bekommt langsam ein völlig neues Lebensgefühl und verspürt ungeahnte Freude an der Musik und dem geselligen Beisammensein. Doch auch das hat ein abruptes Ende, als Tarek in einer U-Bahn Station verhaftet wird. Da er sich illegal in den Vereinigten Staaten aufhält, wird er sofort in Abschiebehaft gesteckt. Seine Freundin ist ebenfalls illegal im Land, daher kann sie ihn nicht besuchen. Walter beschließt, die Beiden nicht im Stich zu lassen und für die Freilassung seines neuen Freundes zu kämpfen.

Kritik: Die Geschichte rund um den einsamen Walter entwickelt sich in diesem bewegenden Drama Stück für Stück. Zunächst erlebt der Zuschauer einen isolierten und vor sich hin lebenden Mann, dem die Herausforderungen fehlen. Seine scheiternden Versuche Klavier spielen zu lernen, erscheinen zunächst fragwürdig, erhalten jedoch einen Kontext wenn aufgedeckt wird, dass seine verstorbene Frau eine meisterhafte Klavierspielerin war. Auf diese Weise versucht er lediglich an ihr und dem Leben mit ihr festzuhalten oder zumindest die Musik wieder zu beleben. Durch das Aufeinandertreffen mit Tarek und Zainab ändert sich Walters Leben schlagartig. Plötzlich konzentriert sich sein Interesse an Musik auf eine exotische Trommel und endlich kehren Freundschaft, Verbundenheit und Freude in sein Leben zurück. Die Verhaftung Tareks stürzt diesen in einen Abgrund, in die Isolation die dem lebensfrohen und offenen jungen Mann bisher fremd war. Walter hingegen schöpft aus dieser Situation Ungeahntes: Endlich hat er wieder eine Aufgabe, ein Ziel vor Augen und als Mouna, die Mutter von Tarek vor seiner Tür steht, auch noch jemanden um den er sich kümmern kann.

Diese Lage zeigt wie nah Glück und Leid beieinander liegen können. Mit der Groteske, dass sich auf die Unglückslage von Tarek eine zarte Liebesgeschichte zwischen Walter und Mouna aufbaut wird feinfühlig umgegangen. So hat dieser Film eine Menge bewegender und unter die Haut gehender Momente. Macht sich in der einen Sekunde noch Ohnmacht und Ausweglosigkeit breit, so gibt es in der Nächsten wieder romantische Gefühle zwischen zwei einsamen Menschen die selbst nicht genau wissen, wie ihnen geschieht. Nicht zuletzt geht es auch um den Umgang mit illegalen Einwanderern in den USA. Während diese in einem unscheinbaren Gebäude unter großen Sicherheitsvorkehrungen festgehalten werden, und weder Angehörige noch der Anwalt über eine Verlegung oder gar eine Abschiebung rechtzeitig informiert werden, sind die US-Flagge und weitere Wahrzeichen für das Land allgegenwärtig. Ein Leben zwischen amerikanischem Traum und der ständigen Angst dort nicht mehr willkommen zu sein, scheinen viele Menschen zu führen, die keine gebürtigen Amerikaner sind. Der Film balanciert gekonnt zwischen Systemkritik und menschlichem Drama, das sich auch unabhängig von der Staatsbürgerschaft entwickeln kann. Denn das Gefühl des fremd seins kann auch den treffen, der sein Heimatland nie verlassen hat. Es entsteht durch Einsamkeit und das Fehlen einer Aufgabe. Hauptdarsteller Richard Jenkins erhielt für die gekonnte Darstellung des Walter Vale im letzten Jahr eine Oscarnominierung als bester Schauspieler. Aber auch den anderen Darsteller gelingt ein einfühlsames und überzeugendes Spiel der Charaktere, von denen jeder sein Bündel zu tragen hat. Aus allem ergibt sich ein ergreifender und sehenswerter Film, dessen Ausgang an dieser Stelle nicht verraten werden soll. Einfach reingehen und selbst in Erfahrung bringen.

Ein Sommer in New York läuft seit dem 14.01. in den deutschen Lichtspielhäusern.

4 Sterne

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Das Michael-Jackson-Phänomen

8. Dezember 2009

Über 5 Monate ist der Tod des King of Pop inzwischen her, die Medien haben das Thema ausgeschlachtete solange es ging. Inzwischen hat sich der Hype um den Verstorbenen gelegt, zurzeit gewinnt das Ereignis lediglich in den großen Jahresrückblicken noch einmal an Bedeutung. Aber insgesamt hat sich das öffentliche Interesse gelegt. Nun liegt es an jedem selbst was er aus dieser Begebenheit macht und ich muss gestehen, dass mich der Tod dieses Menschen, den ich persönlich nicht kannte, inzwischen fast noch mehr beschäftigt als zur Zeit des großen Medienrummels. Es ist wirklich ein Phänomen, eines das ich mir selbst nicht so recht erklären kann und das andere für lächerlich erachten.

Wenn ein Star stirbt dann bedauert man das vielleicht, weil man diesen ganz gerne gesehen hat. Also Sänger, als Schauspieler oder in welcher Rolle auch immer. Aber das legt sich, denn es beeinflusst den Alltag eigentlich nicht. Auch der Tod von Michael Jackson war für mich ein Schock, aber ich dachte eben das legt sich. So ganz hat das nicht hingehauen. Warum? Vielleicht weil ich mit diesem talentierten Sänger meine Kindheit verbinde. Weil ich daran denke wie ich die alten Kassetten meines Vaters ständig bei mir hörte und im Zuge der Entwicklung auch seine CDs konsumierte. Weil ich mich erinnere wie oft diese Musik mich begleitet hat. Weil ich daran denke wie ich damals den Film „Moonwalk“ im Fernsehen sah und ihn großartig fand. Weil ich mich erinnere wie ich Michael Jackson lange Zeit „süß“ fand. Nach und nach hat sich dieser Mensch verändert und schließlich tat er mir vor allem leid. Durch seinen Tod erlebten seine Lieder ein Revival bei mir und ich musste „This is it“ einfach im Kino sehen. Erklären kann ich das alles auch nicht so recht, aber für mich ist der Tod des King of Pop eine emotionale Sache, die mir zwar nicht das Leben schwer macht aber mir in ruhigen Momenten immer mal wieder die Tränen in die Augen treibt. Ich nehme es so hin und schwelge in Erinnerungen. Das ist es wohl: Das Michael-Jackson-Phänomen.