Film | Lincoln (Kritik + Trailer)

23. Januar 2013

Lincoln Poster

Handlung: Ende 1864: Abraham Lincoln ist gerade erst in eine weitere Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt worden. Leicht hat er es auf seinem hohen Posten nicht, denn seit nunmehr drei Jahren tobt der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten. Einer der Gründe ist die Sklaverei und genau da setzt Lincoln an: Er will sie abschaffen. Doch damit stößt er auf große Ablehnung, sogar bei den Parteigenossen. Doch der Präsident setzt sich unermüdlich dafür ein, dass Schwarze endlich freie Menschen sind und nicht mehr das Eigentum der Weißen. Nur wenige Wochen bleiben ihm für eine Mehrheit im Parlament. Um überhaupt eine Chance zu haben, schreckt er auch vor unerlaubten Mitteln nicht zurück. Hinter den Kulissen der denkwürdigen Abstimmung muss Lincoln all seine Kraft und Überzeugungsarbeit aufwarten und sogar das vorzeitige Ende des Krieges abwenden. Daneben macht ihm auch die Familie das Leben nicht leicht: Sein Sohn Robert möchte unbedingt Kriegsdienst leisten, Lincolns labile Frau will das aber nicht zulassen und setzt ihren Mann zusätzlich unter Druck.

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Film | Precious – Das Leben ist kostbar (Kritik)

30. Januar 2010

Filmplakat Precious

Handlung: Ein Leben voller Hass und Gewalt – die 16-jährige Claireece Jones, genannt Precious kennt es gar nicht anders. Aufgewachsen in dem verarmten Viertel Harlem lebt sie zusammen mit ihrer Mutter auf engstem Raum. Von der darf sie sich nichts außer Beschimpfungen und Demütigungen anhören. Außerdem ist Precious zum zweiten Mal schwanger – nicht etwa von einem Jungen mit dem sie die erste große Liebe erlebt, sondern vom ihrem eigenen Vater, der das Mädchen regelmäßig vergewaltigt. Precious ist nicht dumm, aber hat trotz Schulbesuchen nie Schreiben und Lesen gelernt. Ihr starkes Übergewicht lässt sie zu einer Außenseiterin werden, die auf Anfeindungen reagiert wie sie es anders nicht kennt: Mit Aggressionen und Gewalt. Wann immer es geht flüchtet der Teenager sich in bunte Tagträume, in denen sie all das Glück erfährt, von dem sie in der Realität so weit entfernt ist. Als die Schulleiterin erkennt, dass Precious Analphabetin ist und noch dazu wieder schwanger, schickt sie sie zu einer Sonderschule, in der das Mädchen in einer kleinen Klasse mit Gleichgesinnten, ganz von vorne anfängt. Während sie sich in dieser außergewöhnlichen Gruppe langsam einfindet und immer mehr Vertrauen zu ihrer neuen Lehrerin fasst, werden die Probleme daheim immer größer. Die Mutter scheint ihr den neuen Weg zu missgönnen und tut alles, damit ihre Tochter sich nicht zu sehr weiter entwickelt und von ihr löst. Als Precious schließlich ihr zweites Kind zu Welt bringt, wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein ruhiges und glückliches Leben zu führen. Nicht nur für sich, sondern für ihr Baby. Doch der Ausstieg aus dem bisherigen Leben ist gar nicht so einfach wie gehofft…

Kritik: Manchmal schaut man Filme die sind so rosarot und zuckersüß, dass man den eigenen Alltag vergisst und sich für eine gewisse Zeit entführen lässt: Egal wie kitschig oder unrealistisch das alles ist, denn ab und zu tut so was einfach gut. Aber dann gibt es auch schon mal Filme, die sind so hart und schonungslos, dass man sich zwischendurch wünscht, wieder in seinen Alltag zurückzukommen, da der um so vieles besser ist als das, was einem auf der Leinwand gezeigt wird. Zur letzteren Gattung muss man eindeutig den Film „Precious – Das Leben ist kostbar“ zählen, der auf dem Roman „Push“ von der afroamerikanischen Autorin Sapphire beruht. Schonungslos und fast ohne Aussparungen taucht der Zuschauer in das harte Leben von Precious ein und erlebt all ihre Enttäuschungen und Entbehrungen mit.
In hartem Kontrast dazu stehen die bunten, lauten und schrillen Traumsequenzen, in die sich das Mädchen gelegentlich flüchtet. Fotomotive sprechen, auf den Wänden flimmern Filmausschnitte und vor der Tür wartet der smarte Typ mit seinem Motorrad um Precious in ein glückliches Leben mitzunehmen. Doch die Wahrheit sieht anders aus: Die Mutter – grandios gespielt von Mo´Nique, die vorher eigentlich Comedyspezialistin war – erträgt ihre Anwesenheit kaum und demütigt sie, wo sie nur kann. Ein bitteres Bild von der Unterschicht in einem der ärmsten Stadtteile von New York. Doch im Film gibt es auch Hoffnung und Mut zu Veränderungen. So findet Precious, trotz starkem Übergewicht, Verschwiegenheit und Analphabetismus in der neuen Förderschule endlich Freunde und in der Lehrerin Ms. Rain eine Vertraute. Langsam wird ihr klar, dass sie nicht so wertlos ist, wie ihre Mutter sie immer glauben macht. Aber die größte Wende bringt die Geburt ihres zweiten Kindes, für das sie alles geben und dem sie ein besseres Leben ermöglichen will. In dieser Konstellation rückt der Ausbruch aus Gewalt und Hoffnungslosigkeit immer näher.
Der Film wirft damit auch einen kritischen Blick auf das soziale Geflecht der USA. Wohlfahrt, Sozialamt oder andere behördliche Stellen: Sie alle können die Einzelschicksale kaum überblicken und scheitern meist dabei, den Menschen wirklich zu helfen. Über gelegentliche Pflichtbesuche mit standardisierten Fragen gehen diese Maßnahmen nämlich kaum hinaus. Eine Ausnahme bildet die Sozialarbeiterin Mrs. Weiss – überraschend gut dargestellt von einer ungeschminkten Mariah Carey – die Precious zuhört und Glauben schenkt. Ein Lichtblick nicht nur für den überforderten Teenager, sondern auch für den stark geforderten Zuschauer.
„Precious“ ist kein Unterhaltungsfilm für einen netten Abend, sondern ein harter Brocken, bei dem es schon mal weh tut hinzugucken. Doch auch solche Darstellungen gehören zu der Gesellschaft in der wir leben. Es ist eben nicht alles rosarot, sondern manche Dinge sind das erschreckende Gegenteil. Das Milieudrama schafft es mit den guten schauspielerischen Leistungen und einer in jeder Hinsicht ungeschminkten Realität fast durchgehend zu fesseln. Manchmal fragt man sich: Ist es ein Klischee? Ist es eine Übertreibung? Oder ist es die harte Realität? Vielleicht ist es ganz gut, dass man diese Frage nicht klar beantworten kann. Die Botschaft über all dem lautet; dass jeder Mensch etwas wert ist und es immer einen Grund gibt für seine Rechte und ein gutes Leben zu kämpfen. Precious nimmt den Kampf auf, hat es nicht leicht dabei und macht auch den ein oder anderen Rückschritt. Aber sie bleibt dennoch dran und das erscheint bewundernswert unter den Bedingungen denen sie sich gegenüber sieht. Als Zuschauer kommt sich mit seinen Problemen auf jeden Fall schrecklich albern vor, wenn man aus diesem Filmereignis wieder herauskommt.

Fazit: So viele Tabuthemen wurden in einem us-amerikanischen Film selten verarbeitet. Mit hervorragenden Darstellern und einer dramatischen Geschichte um eine 16-jährige aus dem Armenviertel Harlem schafft es „Precious“ zu einer fast schon erschreckenden Intensität. Als Fan von kritischen und ungeschönten Filmen sollte man diesen heißen Oscaranwärter nicht verpassen, auch wenn es kein Spaziergang wird, sich diesen Film in all seiner Härte anzusehen.

Precious – Das Leben ist kostbar startet am 25. März in ausgewählten deutschen Kinos.

4 Sterne

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Film | Gegen jeden Zweifel (Kritik)

24. Januar 2010

Handlung: Der junge C.J. ist ein aufstrebender Fernsehjournalist. Mit seiner Dokumentation über eine drogenabhängige Schwarze, die unentdeckt ein Kind zur Welt bringt, gewann er einen begehrten Nachwuchspreis. Das brachte ihn zwar raus aus der Provinz, zu einem bekannten Fernsehsender, doch das reicht dem ehrgeizigen Mann noch nicht. Die Berichte und Reportagen über günstigen Kaffee und den neusten Hundewettbewerb langweilen ihn und seinen Kollegen, den Kameraassistenten Corey. Daher plant C.J. den großen, Ruhm und Erfolg bringenden Coup. Er will dem überheblichen Anwalt Hunter nachweisen, dass er forensische Beweise im Gerichtsverfahren fälscht, um Angeklagte, deren Schuld eigentlich nicht vollständig beweisbar ist, hinter Gittern zu bringen. Dieser Methode soll es Hunter zu verdanken haben, dass er schon seit 17 Gerichtsverhandlungen „ungeschlagen“ und dadurch zum umjubelten Staranwalt aufgestiegen ist. Sogar als nächster Gouverneur ist er im Gespräch. C.J. hat einige Prozesse mitverfolgt und ist sich ganz sicher, dass Hunter die entscheidenden Beweise fälscht. Nachwuchsanwältin Ella ist Hunters Schützling und besorgt C.J. wertvolles Informationsmaterial zu den Fällen ihres Bosses. Doch der Chefredakteur schenkt C.J. keinen Glauben und will von den schwerwiegenden Vorwürfen nichts hören, geschweige denn eine Story dazu machen. So schmiedet C.J. einen gefährlichen Plan: Er gibt sich als Täter eines Mordes an einer Prostituierten aus, indem er gezielt Verbindungen zu sie sich herstellt, die aber noch keine klaren Beweise sind: Das gleiche Outfit wie der Täter, das gleiche Messer, ein entsprechender Hundebiss am Bein. Das alles lässt er von Corey filmen, der bei der Sache mitmacht. Nachdem C.J. einen Köder für die Polizei ausgelegt hat, geht alles ganz schnell: Er wird verhaftet und für den Mord an der Prostituierten angeklagt. Seine Schuld muss niemand geringeres als Hunter beweisen.

Kritik: Originelle Geschichten sind es, die einen Film oftmals ausmachen. Aber sind sie auch ein Garant für einen rundherum gelungenen Streifen? Wie „Gegen jeden Zweifel“ beweist ist das wohl nicht so, und das obwohl es sich diesem Fall sogar um eine Zweitverwertung handelt. Denn das Ganze ist ein Remake des gleichnamigen Justizthrillers von 1965. Mit moderneren Mitteln für Aufklärung von Straftaten versucht dieser Film in die heutige Zeit zu passen, aber leider bleibt offen welchen Anspruch er dabei erhebt. Altstar und Könner Michael Douglas lässt mit seiner Präsenz auf einen hochkarätigen Justizthriller hoffen, die Jungstars Jesse Metcalfe, Amer Tamblyn und Joel Moore agieren aber eher, wie in einem zweitklassigen Teeniefilm. Obwohl die Handlung in ihren Grundzügen durchaus spannend und interessant ist, rutscht die Darstellung zeitweise ins Absurde oder Alberne an. Gute Beispiele dafür sind eine nervige Verfolgungsjagd in einer Tiefgarage und der merkwürdige Schlussdialog, der einen allzu bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Auch die Schnitte und Kameraführungen wirken des Öfteren etwas unbeholfen und lieblos. Diese Stolpersteine verderben dem Zuschauer einen runden Filmgenuss. Der Regisseur wollte in diesen Film wohl für alle etwas einbringen: Liebe, Herzschmerz, Action, Drama und Thriller – und das alles auch noch ansprechend für junge Zuschauer (dazu die jugendlichen, frechen und verliebten Darsteller) und ebenso für den anspruchsvollen Kinogänger, der sich dank Michael Douglas gut aufgehoben fühlen soll. Dass so ein Mix aber auch problematisch sein kann, zeigt sich immer mal wieder: Nicht alles passt zusammen und manchmal weiß man nicht, ob man lachen, weinen oder Angst bekommen soll. „Gegen jeden Zweifel“ hat durchaus Potential einen spannenden Kinoabend zu gestalten, aber völlig ohne Abzüge bleibt dieser Kinobesuch nicht. Dazu gibt es einfach zu viele Ungereimtheiten und Kontraste, die den Film unausgewogen erscheinen lassen. Wer die Original-Geschichte nicht kennt, wird den Streifen wahrscheinlich mit einem brauchbaren Maß an Interesse verfolgen und im Großen und Ganzen unterhalten werden. Wer aber eine durchstrukturierte und runde Handlung mit viel Raffinesse und Gefühl für die entsprechende visuelle Darstellung erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht aus diesem Film heraus kommen.

Fazit: Eine gute Grundgeschichte wird leider überschattet von einigen Mängeln: Zu wenig packendes Justizdrama und zuviel Teeniethriller mit zum Teil mißglückten Szenen und Kameraführungen. Daher nur eingeschränkt zu empfehlen.

Gegen jeden Zweifel startet am 04. Februar in den deutschen Kinos

2.5 Sterne

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Ein Sommer in New York – The Visitor (Kritik)

15. Januar 2010

Handlung: Walter Vale führt ein trostloses Leben. Seit dem Tod seiner Frau lebt er alleine in einem großen Haus, geht seiner Professur an der Uni leidenschaftslos nach und hat wenige Hobbys. Seine hartnäckigen Versuche Klavier zu spielen enden lediglich in einem ständigen Wechsel der Klavierlehrer, da sie einfach keinen Fortschritt erkennen. Dieser isolierte Alltagstrott nimmt ein jähes Ende als Walter für einen Vortrag nach New York reist. Als er seine Zweitwohnung betritt, stellt er fest, dass es neben ihm noch weitere Mieter gibt: Das Pärchen Tarek und Zainab. Nach der ersten Verwirrung nimmt Walter die beiden bei sich auf, da sie nicht wissen wohin und lebt fortan mit ihnen zusammen in der Wohnung. Während Zainab bewusst Distanz zu Walter hält, geht Tarek offen auf ihn zu und bringt ihm schließlich das trommeln bei. Walter bekommt langsam ein völlig neues Lebensgefühl und verspürt ungeahnte Freude an der Musik und dem geselligen Beisammensein. Doch auch das hat ein abruptes Ende, als Tarek in einer U-Bahn Station verhaftet wird. Da er sich illegal in den Vereinigten Staaten aufhält, wird er sofort in Abschiebehaft gesteckt. Seine Freundin ist ebenfalls illegal im Land, daher kann sie ihn nicht besuchen. Walter beschließt, die Beiden nicht im Stich zu lassen und für die Freilassung seines neuen Freundes zu kämpfen.

Kritik: Die Geschichte rund um den einsamen Walter entwickelt sich in diesem bewegenden Drama Stück für Stück. Zunächst erlebt der Zuschauer einen isolierten und vor sich hin lebenden Mann, dem die Herausforderungen fehlen. Seine scheiternden Versuche Klavier spielen zu lernen, erscheinen zunächst fragwürdig, erhalten jedoch einen Kontext wenn aufgedeckt wird, dass seine verstorbene Frau eine meisterhafte Klavierspielerin war. Auf diese Weise versucht er lediglich an ihr und dem Leben mit ihr festzuhalten oder zumindest die Musik wieder zu beleben. Durch das Aufeinandertreffen mit Tarek und Zainab ändert sich Walters Leben schlagartig. Plötzlich konzentriert sich sein Interesse an Musik auf eine exotische Trommel und endlich kehren Freundschaft, Verbundenheit und Freude in sein Leben zurück. Die Verhaftung Tareks stürzt diesen in einen Abgrund, in die Isolation die dem lebensfrohen und offenen jungen Mann bisher fremd war. Walter hingegen schöpft aus dieser Situation Ungeahntes: Endlich hat er wieder eine Aufgabe, ein Ziel vor Augen und als Mouna, die Mutter von Tarek vor seiner Tür steht, auch noch jemanden um den er sich kümmern kann.

Diese Lage zeigt wie nah Glück und Leid beieinander liegen können. Mit der Groteske, dass sich auf die Unglückslage von Tarek eine zarte Liebesgeschichte zwischen Walter und Mouna aufbaut wird feinfühlig umgegangen. So hat dieser Film eine Menge bewegender und unter die Haut gehender Momente. Macht sich in der einen Sekunde noch Ohnmacht und Ausweglosigkeit breit, so gibt es in der Nächsten wieder romantische Gefühle zwischen zwei einsamen Menschen die selbst nicht genau wissen, wie ihnen geschieht. Nicht zuletzt geht es auch um den Umgang mit illegalen Einwanderern in den USA. Während diese in einem unscheinbaren Gebäude unter großen Sicherheitsvorkehrungen festgehalten werden, und weder Angehörige noch der Anwalt über eine Verlegung oder gar eine Abschiebung rechtzeitig informiert werden, sind die US-Flagge und weitere Wahrzeichen für das Land allgegenwärtig. Ein Leben zwischen amerikanischem Traum und der ständigen Angst dort nicht mehr willkommen zu sein, scheinen viele Menschen zu führen, die keine gebürtigen Amerikaner sind. Der Film balanciert gekonnt zwischen Systemkritik und menschlichem Drama, das sich auch unabhängig von der Staatsbürgerschaft entwickeln kann. Denn das Gefühl des fremd seins kann auch den treffen, der sein Heimatland nie verlassen hat. Es entsteht durch Einsamkeit und das Fehlen einer Aufgabe. Hauptdarsteller Richard Jenkins erhielt für die gekonnte Darstellung des Walter Vale im letzten Jahr eine Oscarnominierung als bester Schauspieler. Aber auch den anderen Darsteller gelingt ein einfühlsames und überzeugendes Spiel der Charaktere, von denen jeder sein Bündel zu tragen hat. Aus allem ergibt sich ein ergreifender und sehenswerter Film, dessen Ausgang an dieser Stelle nicht verraten werden soll. Einfach reingehen und selbst in Erfahrung bringen.

Ein Sommer in New York läuft seit dem 14.01. in den deutschen Lichtspielhäusern.

4 Sterne

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