Film | Up in the Air (Kritik)

2. Februar 2010

Handlung: Seine Angestellten zu feuern ist keine leichte Sache. Für manche Chefetagen ist das eine so unangenehme Sache, dass sie lieber eine Firma damit beauftragen, die Kündigungen auf schonende und sachliche Weise vorzunehmen. Ryan Bingham ist der fähigste Mitarbeiter einer solchen Firma, er kündigt den armen Mitarbeitern gekonnt und professionell, egal wie sie reagieren. Außerdem liebt er die ständigen Flüge in allerlei Städte der USA um die Kündigungen persönlich vorzunehmen, da zu Hause sowieso niemand auf ihn wartet. Sein kleines Appartement enthält für seine kurzen Aufenthalte nur das Allernötigste und er ist richtig froh, wenn er wieder im nächsten Flieger sitzt um seine Arbeit zu machen und fleißig Flugmeilen zu sammeln. Bei all dem hat der alternde Ryan eine sehr klare Vorstellung von seinem künftigen Leben: Niemals heiraten, niemals Kinder kriegen und auch die Liebe wird überschätzt. Er hält sogar Vorträge darüber, dass persönliche Bindungen nur störender Ballast sind. Doch nach und nach bringen ihn ein paar Begegnungen ins Wanken, was seine nüchterne Sichtweise betrifft. Zunächst lernt er die Geschäftsfrau Alex kennen, mit der er sofort auf einer Wellenlänge liegt. Sie haben offensichtlich das gleiche Leben, die gleichen Interessen und lassen sich auf eine lockere Affäre miteinander ein. Doch schon kurz darauf droht Ryans gewohntes Leben zwischen Flieger und Hotelaufenthalt zu enden, denn in seiner Firma gibt es eine neue Mitarbeiterin namens Natalie, die ein neues Konzept vorstellt: Kündigungen via Webcam, das würde Kosten sparen und alle Mitarbeiter künftig an den Schreibtisch fesseln. Lange Flüge und Reisen wären dann nicht mehr nötig. Ryan kocht vor Wut und das wird auch nicht besser, als Natalie ihn bei seinen nächsten Reisen begleiten soll um den Arbeitsablauf der Firma besser kennen zu lernen. Ist es tatsächlich bald aus mit dem angenehmen Leben, das keiner Sesshaftigkeit bedarf? Oder kommt Ryan eines Tages doch noch zu der Einsicht, dass das Leben ohne persönliche Bindungen und Jemanden an seiner Seite ganz schön trostlos und einsam sein kann?

Kritik: Ein smarter und cooler George Clooney, dessen überzeugte Einzelgänger-Haltung langsam ins Wanken gerät. Das klingt nach einer guten Grundidee mit männlichem Publikumsmagnet für eine flotte und unterhaltsame Komödie. Das trifft auf „Up in the Air“ zwar auch zu, aber diese Wirkung ist wohlgemerkt ziemlich kurzweilig. Zunächst stehen die systematischen Kündigungen im Fokus der Handlung. Dabei wird die Ironie deutlich, dass trotz der schwersten Wirtschaftskrise immer noch ein paar Gewinner übrig bleiben. In diesem Fall eine Firma, die Mitarbeitern diverser Unternehmen beibringt, dass sie ihren Job verlieren. Somit erlebt der Zuschauer die allgegenwärtige Wirtschaftskrise aus einem neuen Blickwinkel. Und zwar aus dem einer Person, die davon noch profitiert und ein Leben mit Bonuspunkten und Kreditkarten genießen kann. Doch dann spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine immer größere Rolle und irgendwann befindet sich die aalglatte Hautfigur Ryan, mit der fragwürdigen Meinung ein Leben allein würde Erfüllung bringen, auf der Hochzeit seiner kleinen Schwester. Das passt insgesamt einfach nicht zusammen und lässt ein rundes, abgestimmtes Filmerlebnis vermissen. Wahrscheinlich sollte die Veränderung der Einstellung des Hauptcharakters geschickt dargestellt werden, indem er sich vom grauen Arbeitsalltag immer mehr entfernt, aber herausgekommen ist eher ein Mix aus Gesellschaftssatire und seichter Liebeskomödie, der einen gemeinsamen Nenner vermissen lässt. Das Grundthema ist wohl die Liebe und die Freundschaft, das was den Menschen stark und glücklich macht – gegen Ende werden die Fäden dieses Films auch wieder ein bisschen zusammengeführt. Dennoch fehlt es „Up in the Air“ ein bisschen an Pfiff und originellem Humor um im Gedächtnis zu bleiben. Neben einigen guten Einfällen, zum Beispiel den aneinander gereihten Szenen der gekündigten Mitarbeiter und ihren Reaktionen oder der Fotopappe des künftigen Brautpaares das an verschiedenen Plätzen der Welt geknipst werden soll, gibt es auch einige dröge Sequenzen. Die Botschaft des Filmes, dass geliebte Menschen eben kein Ballast sondern vielmehr eine Bereicherung für das Leben sind, ist dann trotz aller Satire, Überspitzung und Themenmischmasch eine sehr simple Botschaft. Was Protagonist Ryan erst innerhalb von 109 Filmminuten lernen muss, war dem Zuschauer von vorneherein klar. Mit einem Aha-Effekt braucht man bei diesem Film also wirklich nicht zu rechnen. Von der heute bekannt gegebenen Oscarnominierung für den „Besten Film“ sollte man sich an dieser Stelle nicht zu sehr blenden lassen, denn dazu fehlt es dem Streifen definitiv an Einfalls- und Überzeugungskraft.

Fazit: Ein Film zwischen Romanze, Komödie und Gesellschaftskritik, der aber leider keine gelungene Mischung daraus entwirft, sondern einen ungeordneten Mix. Da rettet auch ein selbstbewusster, aber auf völlig falschen Faden wandelnder George Clooney nicht viel. Ein paar schöne Ideen retten die Handlung zu einer netten Unterhaltung für einen Kinoabend, aber im Gedächtnis bleibt dieser bemühte und doch mit einer so simplen Botschaft versehene Streifen leider nicht.

Der Film startet am 04.Februar 2010 in den deutschen Kinos.

2.5 Sterne

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Neues Jahr – neues Spiel – neues Glück

8. Januar 2010

Was bringt mir das neue Jahr? Viele stellen sich die Frage zurzeit. Während es für die Einen schon den ersten Dämpfer gab, starten die Anderen mit einem enorm guten Gefühl in die Zukunft. Für beide Seiten habe ich Beispiele erfahren, mich selbst muss ich wohl in der Mitte dessen einordnen. Die Katastrophen und Depressionen zum Jahresstart sind ausgeblieben, genauso die totalen Freudenkracher. Von guten Vorsätzen halte ich sowieso nicht viel, daher fallen die bei mir auch weg. Ich starte fleißig und zuversichtlich in 2010, das ganz sicher ein paar Highlights bringen wird. Aber ist das nicht immer so?

Nach den Feiertagen kehrt der alte Trott langsam wieder ein und eh man es sich versieht steckt man schon wieder mitten in seinen alltäglichen Aufgaben und Arbeiten ohne sich noch viele Gedanken darüber zu machen, was das neue Jahr so alles für einen bereithält. Von nichts kommt nichts, also bemühe ich mich um alles, was ich 2010 erreichen und schaffen möchte. Wenn ich hin und wieder ins Kino gehen und schreiben kann ist das für mich schon die halbe Miete. Eine Erholung der Wirtschaft und damit auch eine Erholung der Arbeitsmarktsituation würden mich daneben auch sehr glücklicht stimmen. Und auch wenn unser Leben in gewissem Maß von äußeren Umständen beeinflusst wird, ist dennoch jeder seines Glückes Schmied und sollte aus den Gegebenheiten immer noch das Beste herausholen. Lassen wir uns überraschen, was 2010 so alles zu bieten hat und was wir daraus machen können. :o)


Studium – und nun?? Der ungeahnt harte Kampf der Uniabsolventen auf dem Arbeitsmarkt

19. Oktober 2009

Wirtschaftskrise ist dieses Jahr das große Zauberwort, da es in irgendeiner Hinsicht alle was angeht. Vom Konzernchef bis zur Hausfrau. Ich bin weder das Eine noch das Andere, sondern ich bin Uni-Absolventin mit dem klangvollen Titel „Magistra Artium“ kurz M.A. Nach einigen Jahren büffeln und noch mal büffeln habe ich es geschafft – und mit mir noch eine Reihe anderer Mitstudenten, jetzigen Mitabsolventen. Auch wenn das Klischee vom gemütlichen Langzeitstudenten, der sich ganz viel Zeit zum Studieren nimmt und mit 6 SWS schon arg ausgelastet ist, auf einen gewissen Prozentsatz zutreffen mag, es gibt auch Gegenbeispiele: Eine Hausarbeit nach der Anderen, Referate halten, auf Seminare vorbereiten, zum Ende hin der Prüfungsstress und zwischendurch viel nebenbei arbeiten um sich den teuren Spaß auch leisten zu können – da bleibt wenig Zeit für Gemütlichkeit, Faulheit oder Party ohne Ende. Tja, und wozu der Ehrgeiz? In unserem Fall um mitten in der Wirtschaftskrise zu landen – und auch Absolventen machen in dieser Zeit viele bedenkliche Erfahrungen.

Beim Arbeitsamt

Ein fürsorglicher Besuch beim Arbeitsamt gibt einem zunächst das Gefühl an einem schlimmen Ort zu sein. Man fühlt sich fast wie ein Schwerverbrecher weil man etwas Hilfe in Anspruch nehmen will – aber nun gut, dafür können die Mitarbeiter dieser Einrichtung nichts. Mit Vorliebe erstellt ein zugewiesener Berater ein detailliertes Profil mit Fähigkeiten, Werdegang und Arbeitswünschen. Das alles aber nur, damit man schließlich gesagt bekommt (mehr hinter vorgehaltener Hand) dass es für diesen speziellen Bereich gar keine Angebote hier gibt. Na danke schön.

Stellenanzeigen

Also heißt es Zeitungen und Internetportale nach Stellenangeboten durchforsten. Unerwarteterweise bewerben sich auf diese heißbegehrten Jobs wahre Fluten von Bewerbern – und Einer besser als der Andere. Denn aufgrund der schlechten Lage bewerben sich nun auch Menschen auf Jobs, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Getreu dem Motto: „Jeder nimmt was er kriegen kann“ beginnt eine wahre Schlacht auf die wenigen brauchbaren Stellen und dementsprechend bleiben Neulinge, die frisch von der Uni kommen, total auf der Strecke. Da bringen auch erste Praktika und Nebenjoberfahrungen im Bereich nichts. Traurig aber wahr.

Vorstellungsgespräche

Wenn es dann ausnahmsweise doch mal zu einem Vorstellungsgespräch reicht erwarten einen nur selten lockere Gespräche. Es geht hart zur Sache. Da muss der Werdegang auch dreimal hintereinander verschiedenen Kollegen erzählt werden, weil nicht alle auf einmal Zeit für dich haben oder man sitzt direkt mit 3 Mitbewerbern am Tisch. Natürlich vollkommen ohne Konkurrenzdruck muss jeder für sich in begrenzter Zeit schriftliche Aufgaben lösen.
Eine wunderbare Situation – wohlgemerkt sind wir damit nur eine von 4 Bewerbergruppen.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Während ich bei der Suche nach richtigen Vollzeitjobs geblieben bin, sieht es bei meinen ehemaligen Studienkollegen schon anders aus. Aufgrund diverser Horrorgeschichten bewerben Sie sich von vorneherein lediglich auf Praktika. Aber selbst da sieht es düster aus und man wird aufgrund der starken Konkurrenz tatsächlich dazu gezwungen völlig unentgeldlich zu arbeiten und nicht mal hohe Fahrtkosten erstattet zu bekommen. Wenn dann die berechtigte Frage kommt, ob man wenigstens mal frei haben oder früher gehen dürfte um in einem Nebenjob etwas Geld zum überleben zu verdienen, erwarten einen große Augen und wenig bis gar kein Verständnis.

Andere Bekannte erhalten nicht einmal auf Bewerbungen für kleine Praktika-Stellen eine Reaktion. Eine zutiefst beunruhigende Situation. Niemand von uns wird wohl verlangen sofort nach dem Studium der Großverdiener zu werden, dem die Jobangebote nur so zufliegen – Konkurrenz gab es schließlich immer. Aber die Tatsache, dass man trotz eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums kaum einen Chance auf einen Praktikumsplatz geschweige denn auf einen festen Job in dem Bereich hat, in dem man gerne arbeiten möchte, sollte stark zu denken geben. So steckt man in einer Lücke, denn ohne den Status eines Studenten hat man kein Anrecht auf einen vergünstigten Krankenkassenbeitrag, die Befreiung von der GEZ und das Semesterticket fällt ebenfalls flach. Ebenso ist die Suche nach Nebenjobs arg erschwert wenn man nicht mehr immatrikuliert ist. Die aufgebauten Ersparnisse machen Arbeitslosengeld unmöglich und so steckt man in der Falle – sofern man keine reichen Eltern hat.
Wie sind wir auch nur auf die Idee gekommen, dass wir nach jahrelanger Investition ins Studium nun auch mal ein bisschen Geld verdienen und dabei ins Berufsleben einsteigen wollen. Es ist ein großes Dilemma, dass mich nicht nur deprimiert, sondern auch richtig wütend macht!